Den Bedürftigen helfen und die deutsche Minderheit beisammen halten

Der Hilfsverein der Deutschen Katholiken kümmert sich um Menschen unabhängig von ihrer Konfession

Freitag, 07. Februar 2014

Liane Georgescu (li.) und Felicia Stoica im Gemeinschaftsraum des Hilfsvereins: Hier wird durch regelmäßige Treffen die Gemeinde zusammengehalten und Hilfe für die Bedürftigen organisiert.
Foto:Elisa Werner

Von außen sieht man dem unauffälligen Haus in der Strada Hagiului den wohltätigen Verein nicht an. Lediglich ein kleiner Zettel weist darauf hin, wer hier seinen Sitz hat. Doch bereits seit mehr als 22 Jahren ist der Hilfsverein der Deutschen Katholiken in Bukarest in jenem Haus untergebracht. Die Zahl der Mitglieder, zu Beginn waren es etwa 400, ist in dieser Zeit zwar beträchtlich geschrumpft. Doch die Zahl derer, die Unterstützung benötigen, ist dagegen nicht kleiner geworden.

Im Gemeinschaftsraum des Hilfsvereins ist die Gründerin, Margret Rottler, noch heute präsent: Man sieht sie auf fast allen der Fotos, die an den Wänden hängen. Obwohl die Frau eines ehemaligen Botschaftsangestellten längst wieder in Deutschland ist, hielt sie den Kontakt zum Verein stets aufrecht. „Frau Rottler ruft mich noch heute regelmäßig an und erkundigt sich, was es Neues bei uns gibt und ob wir etwas brauchen“, sagt Felicia Stoica, Leiterin des Hilfsvereins der Deutschen Katholiken in Bukarest.
Soweit sie kann, unterstützt Margret Rottler auch heute noch den Verein, indem sie Sach- und Geldspenden sammelt und diese dann bei ihren Besuchen in die Strada Hagiului bringt.

„Wir müssen helfen“, sei stets das Motto von Rottler gewesen, so Felicia Stoica, getreu dem man auch heute noch arbeite. Humanitäre Hilfe war allerdings nicht das einzige Ziel der Gründerin. „Sie wollte, dass die deutsche Minderheit in Bukarest zusammenbleibt und vor allem weiterhin Deutsch spricht“, erklärt Frau Stoica und zeigt ein paar Fotos, auf denen Rottler im Vereinshaus zu sehen ist.
Die Dankbarkeit ihr gegenüber ist deutlich spürbar, was nicht verwunderlich ist, ist der Hilfsverein doch von den Spenden aus Deutschland abhängig. Einmal im Jahr kommt außerdem ein Lastwagen mit Hilfsgütern, wie Kleidung und Waschmittel, von der Osteuropahilfe e. V. Diese werden dann an die Bedürftigen verteilt.

„Früher gab es auch eine Handarbeits- und Bastelgruppe, deren Erzeugnisse wir dann auf den Oster- und Weihnachtsbasaren im Schillerhaus verkauft und uns so eine Kleinigkeit dazu verdient haben“, erklärt Stoica, die seit fast neun Jahren Leiterin des Vereins ist. Auch von den Beiträgen der Mitglieder kann sich der Verein nicht finanzieren. „Der Betrag, den jede Person unserem Verein gibt, ist eher symbolisch“, erklärt Liane Georgescu, Buchhalterin des Vereins, seit ihrem 60. Lebensjahr Mitglied.

Der Schwerpunkt liegt auf der sozialen Arbeit in und außerhalb der katholischen Gemeinde: Neben der Vergabe von Lebensmitteln und Kleidung bekommen Bedürftige auch finanzielle Unterstützung oder es werden Plätze in Pflegeheimen vermittelt. „Ein alte Dame hat ihr Haus verloren“, erzählt Stoica. „Wir halfen ihr, ein neues Dach über dem Kopf zu finden und die Miete zu zahlen.“ Den Einsamen statten die freiwilligen Mitarbeiter Haus- oder Krankenbesuche ab, oft mit einem kleinen Geschenk in der Tasche. „Die Mitglieder freuen sich sehr, wenn jemand sie besucht und sie sich unterhalten können“, sagt Stoica.
Um den Zusammenhalt der deutschen Minderheit in Bukarest weiter zu stärken, kommen die mobileren Gemeindemitglieder regelmäßig zusammen. Noch immer treffen sich ein- bis zweimal im Monat 30 bis 40 Menschen nach der Sonntagsmesse im Haus des Hilfsvereins zu Kaffee und Kuchen.

„Auch wenn es im Winter etwas schwieriger ist, so kommen sie doch alle sehr gern hierher“, so Stoica. „Sie fragen schon immer ungeduldig, wann denn das nächste Treffen stattfinden wird.“ Auch zu Weihnachten und Ostern kommt man im Vereinshaus zusammen, im Februar wird dort der Karneval gemeinsam gefeiert. Der Hilfsverein der Deutschen Katholiken in Bukarest widmet sich nicht nur den eigenen Gemeindemitgliedern. „Wenn wir etwas übrig haben, wie Mehl, Zucker oder Süßigkeiten, geben wir es weiter an Kinder- oder Altenheime, mit denen wir zusammenarbeiten“, erklärt Stoica. „Wir bringen auch Lebensmittel zu den alten, bedürftigen Menschen – dabei machen wir keinen Unterschied, ob sie katholisch oder evangelisch sind.“

Der Hilfsverein der Deutschen Katholiken in Bukarest steht in engem Kontakt zur deutschen evangelischen Gemeinde, es gibt eine Kooperation mit der Stiftung Altenhilfe und auch zum Deutschen Forum hat man eine gute Beziehung. Die Verbindung zur Deutschen und Österreichischen Botschaft und in die Wirtschaft, wie zum Beispiel zu Karl Heinz Dietrich, pflegt man ebenso.
Das nächste Treffen der Gemeindemitglieder wird aller Wahrscheinlichkeit nach Ende Februar stattfinden. „Wir werden ein kleines Karnevalsfest veranstalten, ein lustiges Beisammensein“, kündigt Stoica an. Mit dem Hilfsverein der Deutschen Katholiken in Bukarest wird es also auch dieses Jahr ganz im Sinne der Gründerin Margret Rottler weitergehen: Den Bedürftigen helfen und die deutsche Minderheit beisammen halten.

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