Den Energiemarkt fit für ein neues Zeitalter machen

Die deutsche „Energiewende” – ein Modell für Rumänien?

Freitag, 25. September 2015

Der Anstieg der Energiekosten stellt die Industrie vor besondere Herausforderungen. Eine Steigerung der Energieeffizienz kann dieser Entwicklung zumindest teilweise Rechnung tragen. Grafik: iwb-Anwenderzentrum Augsburg

„Rumänien ist eines der energieintensivsten aller 28 EU-Länder.” Sebastian Metz, Geschäftsführer der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer (AHK Rumänien), fand schnell den Weg zum Kernthema des Symposiums „Energieeffizienz in der Industrie”. Diese Zusammenkunft, am Dienstag von der Kammer mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie organisiert, sollte die wichtigsten Probleme auf dem Energiemarkt hervorheben und eventuelle Lösungen präsentieren. Die Stellungnahmen standen ganz im Zeichen der in der Bundesrepublik Deutschland versuchten „Energiewende“ – bis 2050 werden demnach erneuerbare Energien den Großteil der Stromproduktion leisten, und eine gesteigerte Energieeffizienz soll die steigenden Kosten auffangen. Sebastian Gromig, Leiter des Wirtschaftsdienstes der Deutschen Botschaft in Bukarest, setzte große Hoffnungen in einen Erfahrungsaustausch zwischen Deutschland und Rumänien: „Wir freuen uns, dass die Energieeffizienz bei diesen Beratungen im Mittelpunkt steht. Dieser Dialog kann in eine Verbesserung der Energieeffizienz auch in Rumänien münden.“

Eine detaillierte Einleitung bot Lena Keller, Wirtschaftsberaterin im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, mit ihren Erläuterungen zu der in Deutschland eingeleiteten Energiewende. Diese bestehe aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Erschließung neuer Energiequellen, Netzausbau und Steigerung der Energieeffizienz. Die Ziele seien in einem „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“ zusammengefasst, der insbesondere die Industrie in die Pflicht nehme. Allerdings, so räumte auch Keller ein, sehe dieser keine verpflichtenden Maßnahmen für die Unternehmen vor und setze stattdessen lediglich auf die Einsicht der energieintensiven Unternehmen. Eckpfeiler seien die Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich, ihre Etablierung als Rendite- und Geschäftsmodell sowie die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit. Einziger verbindlicher Schritt, so Keller, sei die Einführung sogenannter Energieaudits für große Unternehmen bis Dezember 2015 – diese sollen fortan mindestens alle vier Jahre die Energieintensität analysieren.

Ein erster Schritt zur Reduzierung des Energieverbrauchs ist eine Feststellung des genauen Strombedarfs: „Transparenz ist hier immer der erste Schritt“, erläuterte Cedric Schultz vom Augsburger Anwendezentrum des Instituts für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften. „Es muss klar sein, wofür die Energie verwendet wird.“ Soll nach Feststellung des Verbrauches Energie eingespart werden, so könne dies durch die Umstellung auf effizientere Maschinen und Anlagen geschehen. Eine genaue Messung müsse anschließend stets überprüfen, ob das Ziel erreicht worden sei. Wolle ein Unternehmen flexibel auf den schwankenden Strompreis reagieren, müsse dieses Zeit, Menge und den Preis der eingesetzten Energie kontrollieren können. Die Instabilität des Preises, so Schultz, beruhe auf der wachsenden Einspeisung erneuerbarer Energien, deren Produktion in großem Maße von der Wetterlage abhänge. Besonders die Solar- und Windenergie seien von diesen Schwankungen betroffen.

Ticuţa Hristov, Leiterin der Abteilung für Zulassung, Kooperation und Aufsicht der Rumänischen Energieregulierungsbehörde (ANRE), erläuterte die Zielsetzungen Rumäniens im Energiesektor bis 2020: Gegenüber den Werten von 1990 soll ein Rückgang der Treibhausgasemissionen um 20 Prozent erreicht werden, während bis dahin 24 Prozent der Energie aus erneuerbaren Ressourcen stammen sollen. Dies müsse durch eine Steigerung der Energieeffizienz ergänzt werden, so Hristov. Problematisch sei jedoch die zu verzeichnende Energieintensität in der Erdöl- und -gasbranche, bei der Strom- und Wärmeerzeugung sowie in der Düngemittelproduktion. Dagegen gingen unter anderem der Bergbau-, Baustoff- und Dienstleistungssektor mit gutem Beispiel voran und würden eine Senkung des Energieverbrauchs verzeichnen. Die ANRE verfolge als Lösungsansatz die Zulassung sogenannter Energiemanager: Seit 2010 seien 383 dieser Berater sowie 40 Dienstleistungsunternehmen zugelassen worden, welche den energieintensiven Unternehmen bei der Reduzierung ihres Energieverbrauchs zur Seite stehen sollen.
Die Erläuterungen der Experten bildeten die Grundlagen für Beratungen zwischen den ebenfalls anwesenden rumänischen und deutschen Firmenvertretern aus dem Energiesektor. Das Ziel: Die durch die angestrebte Energiewende in Deutschland gemachten Vorgaben sollen nun auch in der rumänischen Wirtschaft Fuß fassen.

Kommentare zu diesem Artikel

Dirk, 25.09 2015, 09:23
Das klingt ja wieder einmal wunderbar! In der Theorie sind die Verantwortlichen aus Bukarest ganz große Klasse. Bislang haben Sie noch nicht einmal die Erneuerbaren Energien im Griff.
Arbeiten mit einem System von Grünen Zertifikaten welches nicht funktioniert, weil man den CO2 Verursachern den Kauf dann doch erlässt! Alles mit Eilverordnungen am eigentlichen Gesetz vorbei! Investoren verlassen das Land, wenn Sie noch können. Diejenigen die bereits Millionen investiert haben bekommen nicht die zugesagten Erträge und sind kurz vor der Insolvenz. Klagen sind anhängig etc. etc. Wer soll denn jetzt noch in Energieeffizienz investieren? Der Strom ist billig genug als Wettbewerbsvorteil. Die Probleme liegen auf anderen Feldern.
Aber der schöne Schein auf Konferenzen ist immer nett bei Häppchen und Sekt, die Realität freilich sieht anders aus!

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