Dennoch eine Erfolgsgeschichte

Insgesamt 20.000 Euro werden heuer an Preisgeld beim Astra Film Festival vergeben

Freitag, 18. Oktober 2013

Dumitru Budrala, sein Gründer und Direktor, eröffnete das Astra Film Festival. Foto: aff

Hermannstadt - In einem trüben Rumänien, als man noch elektrische Schreibmaschinen nutze, Briefe per Post schickte und bis zur Geburt von Google zwei Jahre vergehen sollten, fand 1993 das erste Astra Film Festival in Hermannstadt/Sibiu statt. In der Pressekonferenz vor dem Beginn der diesjährigen Jubiläumsausgabe sowie dem zur Eröffnung gezeigten Streifen am Montagabend, erzählte dessen Initiator und Direktor, Dumitru Budrala, über die Anfänge, das Wachsen, die  Genugtuungen und Schwierigkeiten beim Organisieren der Veranstaltung, die zunächst alle drei, dann zwei und seit 2011 alljährlich stattfindet.

Am Anfang stand ein Fahrrad, das verkaufte er, um Geld für eine Fotokamera zu haben, erzählte Budrala. Als Lehrer auf einem Dorf begann er, das Leben der Leute auf Zelluloid zu bannen. Nach der Wende von 1989 wurde er beim Astra-Volkskundemuseum als Leiter des dort neu eingerichteten Foto- und Film-Studios eingestellt. Die Absicht der Institutionsleitung war gewesen, das Freilichtmuseum und die Arbeit des Museums insgesamt zu dokumentieren, im sich mühevoll anbahnenden Kontakt mit anderen Einrichtungen in Europa lernte er, was Anthropologie bedeutet und weitete seinen Tätigkeitsbereich aus.

Mit Unterstützung von Freiwilligen wurde 1993 ein erstes – bereits internationales – Treffen von Dokumentarfilmern veranstaltet, dem man den Titel „wissenschaftlich“ gab, um darauf hinzuweisen, dass nicht Spielfilme gezeigt werden.

Seither wurden rund 1500 Streifen von über 5000 eingesandten vorgeführt (die aber alle im ausgebauten Dach des Gebäudes am Huetplatz als Archiv aufbewahrt sind), er hat dem Heizer des Gewerkschaftskulturhauses bislang 15 Liter Zuika gespendet, um dort ertragbare Temperatur zu gewährleisten und trotz dem Nichtbeachten durch 15 Kulturminister jedes Mal die Mittel für die Organisation der Festivals zusammenbekommen.

Dieses ist zwischenzeitlich von London bis Sibirien gewandert, ihm waren Sonderveranstaltungen bei einschlägigen Festivals in Polen gewidmet, Filmer aus aller Welt senden Kopien ihrer Produktionen, sobald eine neue Ausgabe bekannt gegeben wird und es gehört zur „Pflicht“ der Filmstudierenden aus Rumänien, aber auch Anrainerstaaten, zum Astra Film Festival zu kommen. Hier war aber auch – und das ist auch in der Fotoausstellung im Foyer des Gewerkschaftskulturhauses zu sehen – jeder der Namen und Rang im rumänischen (Dokumentar-)Film hat.

An Preisgeld sind heuer insgesamt 20.000 Euro zu vergeben, die Preisverleihung findet am Samstagabend (ab 19 Uhr) im Thaliasaal statt. Erstmals besteht die Jury der Sektion ÖkoKino aus fünf Lyzeanern, Mitgliedern eines Clubs, die Kurzfilme zur Problematik gedreht haben. Die preisgekrönten Streifen sind dann am Sonntag ab 13 Uhr in zweien der insgesamt drei als Kinosaal genutzten Räume im Gewerkschaftskulturhaus zu sehen. Für Miete und Ausstattung mit neuester Technik des Baus aus kommunistischen Jahren werden allein 200.000 Euro gezahlt, da Hermannstadt über keine Kinosäle verfügt.

Erfreulich ist auch heuer, dass es abends Schlangen am Kartenschalter gibt, zu sehen sind nämlich erneut Streifen, welche die Probleme in Umwelt und Gesellschaft thematisieren. Die den Vorführungen folgenden Diskussionen mit den Regisseuren beweisen erneut, dass zu diesem Festival ein sozial- und umweltengagiertes Publikum kommt.

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