Depeche Mode: Fanverhalten geht über Treue und Liebe weit hinaus

Die „Global Spirit”-Tour bringt die Pop-Rock-Ikonen Ende Juli nach Rumänien

Samstag, 08. Juli 2017

Die Kult-Band der 80er, 90er und für alle Ewigkeit – so kann man Depeche Mode kurz beschreiben. Mit einem Musikstil, der sich seit Jahrzehnten nur noch verbessert und vertieft hat, ist Depeche Mode bereits ein Genre für sich geworden.

Eine Popikone - seine 55 Jahre sieht Dave Gahan niemand an.

Alin Zelenco (im Bild mit seiner Frau) hat nach der Wende keine Depeche-Mode-Tour verpasst.

Die Sommerkonzerte in Europa der Global-Spirit-Tour enden am 23. Juli in Klausenburg. Im Herbst und Winter geht Depeche Mode auf eine kleinere europäische Hallentour.

Fotos: privat

Schwarze Kleider sind ein Muss: Lederjacken, enge Jeans und T-Shirts, am besten mit Depeche-Mode-Aufschrift, eine Dave-Gahan-Frisur bei Männern und im Allgemeinen ein cooler Look für Frauen – das alles gehört zu einem perfekten Aussehen bei einem Konzert der britischen Kult-Band dazu. Fans überall auf der Welt freuen sich in diesem Jahr auf das Comeback ihrer Lieblingsband Depeche Mode. Dave Gahan, Martin Gore und Andy Fletcher veröffentlichten Mitte März ihr 14. Studioalbum „Spirit”, starteten ihre EuropaTournee  im Mai und kommen auch nach Rumänien, am 23. Juli, um in Klausenburg/Cluj-Napoca aufzutreten. Dies soll auch die letzte Performance der Global-Spirit-Tour in Europa in diesem Sommer sein und sie findet pünktlich zum Geburtstag von Martin Gore statt. Er ist seit 1980 Gründungsmitglied von Depeche Mode und gilt als der Hauptkomponist der Band. Er ist Keyboarder, Songwriter, Gitarrist und, neben Dave Gahan, Sänger der Synthie-Pop-Band.

Das Stadion füllt sich. Nach intensiven Sicherheitskontrollen dürfen Konzertbesucher der Reihe nach in die Arena. Kleinere Bands sorgen für gute Stimmung bis zum Sonnenuntergang. Auf der dunklen Bühne erkennt man die Silhouetten der Bandmitglieder. Sie treten auf die Bühne, jeder kennt seinen Platz. Das Publikum ist entflammt. In bloß wenigen Sekunden erklingen die ersten Beats. Dann taucht auch Sänger Dave Gahan aus dem Dunkeln im Hintergrund der Bühne auf. Seinen Schatten würden wohl alle Anwesenden jederzeit erkennen, auch wenn er im Laufe der Jahre seinen Stil, vom Lederlook zu steifen Anzügen, geändert hat. Doch sein wahrer Trumpf ist seine kräftige Stimme. Sie füllt den Raum und lässt die Zuschauer im Stadion explodieren. „We´re going backwards“ ist das erste Lied. „Wir gehen rückwärts“, singt Dave und meint dabei die Gesellschaft, doch auch der Sound erinnert an die alten Tage. Das ist der Augenblick, auf den die meisten Anwesenden gewartet haben. Viele von ihnen mindestens die letzten vier Jahre, seit der letzten Tournee, andere haben wahrscheinlich auf die Begegnung mit den Popikonen ein Leben lang gewartet. Im Publikum stehen Fans verschiedenen Alters – von solchen in ihren 20ern bis hin zu Menschen über 40 und sogar 50. Eins ist klar: Depeche Mode verbindet Generationen.

Die Briten haben einen langen Weg zurückgelegt: Von der einstigen Synthie-Pop-Band Anfang der 1980er Jahre bis hin zu so etwas wie Stadionrockern. Sie begeistern immer noch Massen. Viele Fans bindet eine lebenslange Beziehung an die Kult-Elektro-Rocker, bei manchen scheint es eine fast bedingungslose Liebe zu sein. Das Fanverhalten geht weit über Treue und Liebe hinaus: Es gibt Fans, die ihrer Lieblingsband auf der Europatour auf den Fersen folgen und bei allen Konzerten, oder bei so vielen wie möglich, dabei sind. Sie reisen der Band seit Tourbeginn nach und haben bereits eine Menge ihrer Shows in unterschiedlichen Ländern gesehen.  
Seit Jahrzehnten ist auch der Temeswarer Bendy Mamut der Band treu geblieben. Der 47-Jährige erinnert sich genau an das Jahr 1984, als das Album „Construction Time Again” erschienen ist. Er war damals noch Schüler. „Ich habe sie von Anfang an gemocht. Ihr Stil war total verschieden von allem, was in jener Zeitspanne veröffentlicht wurde. Damals hat man in Rumänien viel Folk- und Rockmusik gehört. Aber ihre neue Art und vor allem ihr Look war besonders. Meine Freunde und ich wollten alle so aussehen wie sie”, erinnert sich der Temeswarer Tierarzt.

Im Jahr 1986 hatten schon viele Jugendliche eine sogenannte Dave-Gahan-Frisur und trugen schwarze Kleider, Lederjacken und Stiefel. „Zusammen mit einem Kollegen spielte ich etwa im Jahr 1987 den DJ auf verschiedenen Partys. All unsere Freunde und Kollegen mussten sich somit Depeche-Mode-Songs anhören, ob sie es wollten oder nicht”, erinnert sich Bendy Mamut an die Anfänge der Depeche-Mode-Ära in Temeswar zurück. Heute noch hört er die Musik seiner Lieblingsband mit fast derselben Leidenschaft.
Wahre Fans gingen während der Zeit des Kommunismus durchs Feuer für ihre Lieblingsband. Der Temeswarer Tierarzt erinnert sich, dass Freunde und Verwandte BRAVO-Magazine, Poster und Qualitätskassetten aus dem Ausland nach Rumänien schmuggelten. „Die deutsche Sendung ‘Peter´s Pop-Show’ wurde Mitte der 80er im serbischen Fernsehen gezeigt – auch wenn wir die Sprache nicht verstanden, war es für uns wichtig, unsere Idole zu sehen. Als wir erfuhren, dass Depeche Mode dran war, schwänzten wir sogar den Unterricht dafür, da diese Show meistens vormittags gezeigt wurde”, erzählt Bendy Mamut, derbisher bei drei Konzerten dabei war. Ende Juli lässt er sich das Konzert in Klausenburg auf keinen Fall entgehen.

Auch Alin Zelenco ist seit den 80ern ein treuer Depeche-Mode-Fan. „Ich habe sie im Februar 1986 entdeckt. Ich war damals 14 Jahre alt und es war kurz bevor das fünfte Album, ´Black Celebration´, veröffentlicht wurde. Sie haben mich damals komplett erobert. Seither haben sie mich mein ganzes Leben begleitet: in der Schulzeit, beim Abitur, während der Hochschule, bei meiner Hochzeit oder bei der Taufe meines Sohnes”, erzählt der 44-jährige Fotograf. Auch er erinnert sich an die Zeit, als die Infos über seine Lieblingsband in Rumänien sehr kostbar waren. Trotz aller Hürden waren die BRAVO-Magazine, die Kassetten und die Sendungen im fremdsprachigen Fernsehen wie verbotene Früchte, so köstlich. „Dass ich jemals zu einem Konzert gehen werde, das erlaubte ich mir damals nicht einmal zu träumen“, sagt der Temeswarer. Nach der Wende aber verpasste Alin keine Europatournee und war jedes Mal dabei. „Ich sang zusammen mit ihnen, ich tanzte mit ihnen und winkte zusammen mit ihnen mit den Armen zu ´Never Let Me Down Again“ – die sogenannte Kornfeld-im-Wind-Simulation. Am 23. Juli werde ich auf der Cluj-Arena sein und Seite an Seite mit anderen Tausenden von Fans ´Happy birthday, Martin!´ so laut wie möglich singen “, setzt Alin Zelenco fort.

Andrei B˛ltean ist 35 Jahre alt und gehört zur jüngeren Fan-Generation von Depeche Mode. „Ich bin ein Fan, seitdem ich 10 Jahre alt war. Der Einfluss kam von meinen Freunden, die einige Jahre älter als ich waren“, sagt der Temeswarer Ingenieur. „Depeche Mode ist etwas Einzigartiges: Wenn man zu ihrem Konzert geht, bekommt man in den zwei Stunden genau das, was man erwartet: Unterhaltung, guter Sound, die Stimme und das Charisma von Dave Gahan und Martin Gore“, setzt Andrei Băltean fort.
Warum Andrei seit 20 Jahren ein Fan geblieben ist? Es ist klar: Für Musik und Entertainment zusammen: „Dave Gahan ist einer der größten Entertainer der Musikszene. Er hat das Leben eines Pop-Rockstars geführt, mit vielen Exzessen zwischen ´85 und ´90, als seine Drogendämonen ihm halfen, einige der besten Auftritte seiner Karriere darzubieten – als Beispiel die Devotional-Tour. Als sein Leben vom Drogenkonsum gefährdet wurde, konnte er es schaffen, die schwere Zeit zu überwinden und weiter zu machen. Er hat aber sein Charisma und seine Energie bei seinen Live-Auftritten nicht verloren“, erzählt er.

Martin Gore und seine Lieder sind weitere Argumente für Andrei B˛ltean, ein begeisterter Fan zu bleiben. „Personal Jesus”, “Enjoy The Silence”, “In Your Room”, “Stripped” – das alles sind Gores Kompositionen, die seinen einzigartigen Stil widerspiegeln. „Gahan ist ein Naturtalent, doch ohne Gores Kompositionen hätte Depeche Mode nie diesen Erfolg erlebt“, setzt der Temeswarer Ingenieur fort.
Bisher war Andrei B˛ltean bei sechs Konzerten von Depeche Mode dabei:  Seit 2006 lässt er sich keine Tour entgehen. In diesem Jahr sah er die Band bereits in Budapest Ende Mai, geht aber auch nach Klausenburg und hat bereits Karten für das Indoorkonzert von Depeche Mode im Januar des kommenden Jahres in Budapest. Wer jetzt schon denkt, es sei schade, die Band in diesem Sommer auf der Global-Spirit-Tour verpasst zu haben, der bekommt noch eine Chance. Im Herbst startet Depeche Mode eine Hallentournee durch Europa: Zwischen November 2017 und Februar 2018 geben Depeche Mode Konzerte unter anderem in Deutschland, Österreich und Ungarn.

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