Deportiert in die Steppe

Ausstellung im Hermannstädter Forum dokumentiert die Bărăgan-Deportation 1951-56

Sonntag, 08. April 2012

Bis zum 20. April kann die Ausstellung im Forumshaus besichtigt werden.

Hermannstadt - Sie war sieben Jahre alt, als die Soldaten nachts in das Haus ihrer Eltern eindrangen. Ana Mariş erinnert sich unter Tränen, wie die Familie zum Bahnhof musste. In Arad blickten sie in die aufgehende Sonne und sagten sich, dass es jetzt nach Russland gehe. So wie Mariş mussten am 18. und 19. Juni 1951 rund 44.000 Menschen innerhalb weniger Stunden ihre Häuser verlassen. Die Züge fuhren jedoch nicht Russland, sondern in die Bărăgan-Steppe zwischen Călăraşi und Galatz/Galaţi.

In Siebenbürgen ist über dieses Unrechtskapitel der kommunistischen Diktatur wenig bekannt, klagte Zeitzeugin Mariş. Umso erfreulicher war es für sie, als am Donnerstag im Hermannstädter Forum eine Ausstellung zu diesem Thema eröffnet wurde. „Schwarze Pfingsten: Die Deportation in die Bărăgan-Steppe“ wurde im vergangenen Jahr anlässlich des 60. Jahrestages der Aushebung vom Zentrum für die Erforschung des Kommunismus  der Stiftung „Academia Civică“ ausgearbeitet. Es bleibt zu hoffen, dass bis zum 20. April mehr Besucher die Ausstellung ansehen, als bei der Eröffnung, zu der lediglich 20 Gäste kamen. Denn die Gestalter der Ausstellung haben umfangreiches Archivmaterial zusammengetragen, das die Deportation aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Auslöser der Deportation waren die Spannungen zwischen den kommunistischen Herrschern Tito und Stalin, die zur „Säuberung von politisch unzuverlässigen Kräften“ innerhalb eines 25 Kilometer breiten Streifens entlang der damaligen jugowslawischen Grenze führten. Betroffen waren Rumänen, Ungarn, Serben, Bulgaren, Türken sowie Banater Schwaben in dem Gebiet. Rund ein Viertel der Deportierten waren Deutsche.

Organisiert wurde die Ausstellung in Hermannstadt/Sibiu vom Demokratischen Forum der Deutschen in Hermannstadt und dem lokalen Verband der politisch Verfolgten. „Es sind erschütternde Zeugnisse“, meinte Martin Bottesch, Vorsitzender des Hermannstädter Kreisrates, bei der Eröffnung. Er hoffe, dass auch Schüler den Weg in die Ausstellung finden, „weil das Geschichte ist“.

Es ist Geschichte, die mit Augenzeugenberichten, historischen Dokumenten und zahlreichen Fotografien veranschaulicht wird, von der Ankunft in der unbewohnten Steppe, den harten Lebensbedingungen zwischen Sommerhitze und Winterstürmen und schließlich der Rückkehr, die den meisten Deportierten im Jahr 1956 gewährt wurde.

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