Der Anfang war nicht gerade leicht

Stadtrat Werner Braun über die ersten Monate nach Amtsantritt und zukünftige Projekte

Donnerstag, 14. März 2013

Staatsekretär Stelian Fedorca, Geschäftsleiter von INA Schaeffler România, Alexandru Blemovici, Ex-Schulminister Daniel Funeriu, Stadtrat Werner Braun und Bürgermeister George Scripcaru bei der Eröffnung der Berufsschule Kronstadt, 2012. Foto: Hans Butmaloiu

Nach den Lokalwahlen im Juni 2012 ist das Deutsche Forum Kronstadt im Stadtrat Kronstadt von Werner Braun und Christian Macedonschi vertreten. Jetzt, nach acht Monaten, wollten wir von Werner Braun erfahren, welches seine ersten Erfahrungen nach seinem Einstieg in die Lokalpolitik waren. Bedacht, aber auch mit einer leichten Note Selbstironie fasste er für uns seine Tätigkeit im Dienste der Gemeinschaft zusammen.

„Die Erwartungen meinerseits waren ein wenig naiv. Das aufgrund der Tatsache, dass ich persönlich ja ganz neu in der Politik bin und von da her hatte ich eine etwas realitätsfremde Vorstellung. Andererseits glaube ich, dass wir – mein Kollege Christian Macedonschi und ich – in dieser verstrichenen Zeit sehr viel gelernt haben, auch im Umgang mit den anderen politischen Parteien und ihren Vertretern im Lokalrat. Es war eine nicht gerade glückliche Situation, dass wir bald nach den Lokalwahlen auch die Parlamentswahlen hatten und in solchen Zeiten funktioniert vieles nicht richtig. Dann kam die Vorweihnachts- und die Weihnachtszeit und Neujahr! Ich bin der Meinung, dass wir eigentlich erst jetzt, im neuen Jahr, also 2013, richtig politisch aktiv zu werden begonnen haben“ ist die erste Aussage mit welcher Werner Braun seine bisherige Amtszeit beschreibt.

Diese lockere Formulierung ist allerdings nur eine der Seiten, denn Werner Braun hat schon mehrere Leistungen vorzuweisen welche lokale, regionale und auch eine gewisse nationale Anerkennung bekommen haben. Die bedeutendste ist – mit Abstand – sein Beitrag beim Entstehen der Berufsschule Kronstadt, eine Idee, welche nun auch in anderen Städten angewandt werden soll und für deren Konzeptanwendung sich auch das Schulministerium interessiert.

„Meine Kompetenzen und Bemühungen liegen im Ausbildungsbereich. Ich komme aus dem Wirtschaftsbereich und habe demnach diese beiden Bereiche verbunden, da mach ich weiter. Ich wollte auch im Sportbereich mitwirken, aber da habe ich festgestellt – in der letzten Stadtratssitzung – dass meine Unterstützung nicht mehr nötig ist, was ich akzeptiere.

In diesem Bereich lasse ich die Profis weitermachen“ beschreibt Werner Braun diesen Teil seiner Tätigkeit. Und kommt auch gleich zu den Vorstößen, welche er für die wirtschaftliche Entwicklung sieht: „Ich bin mir sicher, dass wir in Zusammenwirkung mit den anderen politischen Kräften, den Kollegen aus dem Stadtrat, das Ziel erreichen werden, aus Kronstadt ‘das’ Landeszentrum für Flugzeugbau und Zulieferindustrie zu machen. Ebenso bin ich überzeugt, dass wir Neuinvestoren heranziehen werden, sie dazu bringen werden, sich im Raum Kronstadt anzusiedeln“.

Die Verbindung zwischen Wirtschaft und Berufsausbildung ist eines der Ziele, welche Werner Braun hartnäckig verfolgt. Der Verwirklichung des Berufsschulprojektes ist das Projekt „Fit for Future“ vorausgegangen, durch welches Absolventen an einer Berufskarriere in der Industrie interessiert wurden. Als Vorsitzender des Deutschen Wirtschaftsklubs ist das Nachwuchsproblem im Bereich Arbeitskraft, mit welchem sich  Industrieunternehmer konfrontieren, Werner Braun allzu gut bekannt.

Wiederholt machte er dazu Aussagen und bezog Stellung, wenn sich die Frage stellte, über welche Formen, Unternehmen Fachkräfte ausbilden können. Die Berufsschule Kronstadt ist ein erster und sehr wichtiger Schritt in diese Richtung: Fachkräfte für die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmen auszubilden.

Doch der jetzige Stand ist noch nicht das angestrebte Endziel von Werner Braun. Für das nächste Schuljahr werden andere Berufe zu den schon vorhandenen hinzukommen aber auch ein neues Projekt: „Ich habe da noch etwas ausgearbeitet, eine Erweiterung des Ausbildungsangebotes auch für Personen mit Behinderungen, um auch diese einzubinden. Ich habe schon einige Firmen überzeugen können, dieses Projekt zu unterstützen. Ebenso das Schulinspektorat und das Bürgermeisteramt. Der vorläufige Name dieses Projektes ist ‘Industrie goes to school’, ich bin zuversichtlich und glaube, dass wir damit Erfolg haben werden.“

Diese Vision über die Zukunft der regionalen Industrie entnimmt Werner Braun seiner Tätigkeit innerhalb des Deutschen Wirtschaftsklubs Kronstadt (DWK), wo schon seit geraumer Zeit Klarheit über die sofortigen und zukünftigen Bedürfnisse an ausgebildeten Fachkräften herrscht.

Nach seinem Einstieg in die Lokalpolitik musste Werner Braun nur noch die Vorstellungen über die wirtschaftliche Entwicklung  mit den anderen Mitgliedern des Lokalrates abstimmen: „Das Projekt des Clusters der Flugzeugindustrie in und um Kronstadt ist sehr wichtig, weil wir hier mehrere Voraussetzungen haben. Nehmen wir sie der Reihe nach, also: Es gibt in der Region eine Tradition des Flugzeugbaues, auf welcher wir aufbauen können, wir fangen nicht von Null an! Selbst wenn es Rückschläge gab, es ist ja bei Weitem nicht alles verschwunden, es gibt noch eine sehr gute Grundlage (gemeint ist die Hubschrauberfabrik ICA in Weidenbach, welche weiter tätig ist), welche wir zu diesem Zweck verwenden können. Meine ganz persönliche Ansicht ist, dass wir nur auf solchen Branchen, also Hochtechnologie und Berufe, welche stabil sind, auf das menschlichen Kapital, dessen Ausbildung und Erfahrung, setzen sollen, und nicht Branchen, welche bei der ersten Lohnerhöhung zur Abwanderung der Industrien und Unternehmen führen. Also hochwertige Berufe, welche nicht so leicht anderswo ersetzt werden können. Flugzeugbau, der ja auf Teilbau beruht, ist so ein Bereich, doch nicht der einzige, muss ich unterstreichen. Es gibt auch andere, ebenso wichtige. Verweilen wir aber noch einen Augenblick bei diesem angesprochenen Flugzeugbereich: Wenn sich ein Unternehmen einmal niedergelassen hat und ein Kompetenzzentrum entstanden ist mit alldem, was dazu gehört, dann  ist Stabilität auf mittlere und längere Frist geschaffen.“

Diese Idee, Arbeitsplätze zu schaffen an welchen der Mehrwert nicht durch einfache Verarbeitung, sondern durch hochqualifizierten Eingriff auf das Produkt entsteht, ist die Zukunftsvorstellung von Werner Braun für die Wirtschaftsentwicklung der Region: „Also so sehe ich den richtigen Weg: Arbeitsplätze schaffen welche anderswo nicht so schnell eingerichtet werden können! Hochwertige Arbeitsplätze benötigen eine angemessene Infrastruktur und damit meine ich auch die für Transport aber auch die für Ausbildung und – bitte nicht vergessen – Weiterbildung! Denn die Technik entwickelt sich rasend  schnell und verlangt von den Mitarbeitern eine stetige Weiterbildung und Weiterentwicklung an neuen Technologien. Gut, in unserer Region müssen wir an der Infrastruktur noch ziemlich viel arbeiten; der Flughafen in Weidenbach ist aber in Bau, die Straßen werden auch ausgebaut. Wir haben aber schon ein hohes Niveau der Qualifikation, der Fachausbildung, welche eingesetzt ist. Sie ist da, man muss noch den Feinschliff an einigen Stellen vornehmen! Wenn wir das geschafft haben, dann sind wir zum zuverlässigen Lieferanten für Flugzeugtechnik geworden. Darauf zielen wir hin.“

Die Perspektiven sind gut, die Voraussetzungen sind allgemein bekannt: Die Hubschrauberfabrik ICA in Weidenbach und der Flugzeugteilbauer Premium Aerotec liegen nebeneinander, gegenüber dem Gelände des Internationalen Flughafen Weidenbach. Beide arbeiten voll ausgelastet mit Fachpersonal welches – auch – über die Berufsschule Kronstadt ausgebildet sein wird.

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