Der Bananentest

Samstag, 10. Mai 2014

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Wie öffnen die meisten Menschen eigentlich eine Banane? Was für eine blöde Frage? Mitnichten! Es ist Teil einer soziologischen Studie über die Unterschiede zwischen der deutschen und rumänischen Kultur. Beobachten Sie einmal einen Rumänen: Erst quält er sich damit, am hinteren Ende mit dem Fingernagel die Schale aufzuknipsen. Dann hält er die Banane mit klebrigen Fingern beim Essen ausgerechnet am Zipfelchen fest - also dort, wo sie am instabilsten ist. Zuerst habe ich dies – ungläubig staunend – an meinem Mann beobachtet. Doch seit ich eine rumänische Bürokollegin zufällig dasselbe tun sah, beobachte ich mit Argusaugen jeden beim Bananenessen. So manchen hab ich auch schon ganz unverblümt gefragt: „Wie isst du eine Banane?“ Erstaunte Gesichter hin oder her - seither schließe ich jedenfalls messerscharf auf den ethnischen Hintergrund des Verspeisers.
Wie also isst der durchschnittliche Deutsche seine Banane? Na, so wie ich natürlich! Man knickt das dafür von der Natur vorgesehene Zipfelchen ab und zieht daran die Schale elegant nach hinten weg. Die Banane hält man während des Abbeißens fest in der Hand, ohne dass einen das Zipfelchen in die Handfläche piekt. Erstaunlich - zwölf Jahre Rumänien, in denen ich in so mancher Hinsicht rumänischer als die Rumänen geworden bin, konnten dieser Gewohnheit nichts anhaben. Ob das vielleicht genetisch veranlagt ist?

Da ich natürlich nicht das Maß aller Dinge bin, wollte ich meine Studie erweitern. Zuerst drückte ich meinem Vater, später dann verschiedenen anderen Deutschen, mehr oder weniger verstohlen, eine Banane in die Hand. Dasselbe Ergebnis, dieselbe Motivation. Mein Mann, der das Experiment kennt, schüttelte nur den Kopf. „Wie kann man so kompliziert Bananen essen?“ war sein Kommentar. „Am stumpfen Ende geht sie doch viel leichter auf.“ Von der angeblich hochstehenden deutschen Zivilisation ist er seither wohl enttäuscht.
Vielleicht denken Sie jetzt, hat die Frau nichts anderes zu tun, als sich mit derart unwichtigen Dingen zu befassen? Doch das Beobachten scheinbar unbedeutender Details hat schon so manchem Kriminalbeamten seinen Fall gerettet. Stellen Sie sich vor, der beliebte Allgäuer Krimikommissar Kluftinger steht vor einer Leiche: Auf dem Boden des Tatorts liegt eine Bananenschale – aufgeknipst am hinteren Ende! Auch als Einbürgerungstest könnte man das Bananenexperiment verwenden: Hat sich der Antragsteller seiner Wahlheimat ausreichend angepasst? Oder in der Wissenschaft: Wie schälen Affen Bananen? Ich konnte es nur einmal an einem Schimpansen im Zoo beobachten: Er machte es genau wie ich. Weil das eindeutig einfacher ist? Oder ist es genetisch verankert, wie die Fähigkeit zum Zungerollen nach innen oder außen? Vielleicht auch ein Indikator für lösungsbezogene Intelligenz? Oder für den Verwandtschaftsgrad des Menschen zum Affen? Eine Studie zu diesem Thema wäre sicher ein heißer Kandidat für den Ig-Nobelpreis 2014 für unsinnige Forschung...
Ach ja, was ich deshalb unbedingt noch fragen wollte: Wie essen Sie eigentlich eine Banane? Antworten bitte nur unter Angabe von Geburtsort, Lebenslauf und Staatsbürgerschaft.

Kommentare zu diesem Artikel

Eddi, 25.05 2014, 14:13
Tja, die Nina, eine der besten zeitgenössischen rumänischen Journalisten/innen!
Nie um originelle Themen verlegen!!
Ich finde sie toll!
Hedi, 23.05 2014, 00:45
Auch in Schweden öffnen Kinder die Bananen "rumänisch"!
Michael, 12.05 2014, 00:33
Anfangs habe ich die Bananen "rumänisch" geöffnet, habe mir dabei einige Male den Daumen-Nagel geknickt oder gebrochen. Das hat mich so geärgert, daß ich nach anderen Methoden gesucht habe ... siehe da, der Stiel läßt sich ja leicht knicken ... seitdem öffne ich Bananen eben "deutsch".
sigi, 11.05 2014, 14:22
ich lache gerne! Und der Bananenreport ist zum Brüllen! So etwas muss einem auch erst mal einfallen, haha!

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