DER BZ-KOMMENTAR: Hemmschuh Ministerialbürokratie

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Zwei Banater sind 2016 als Staatssekretäre nach Bukarest berufen worden. Beide gute Fachleute ihres Bereichs, kompetent, engagiert. Sorin Maxim ging ins Entwicklungsministerium, nachdem er jahrelang mit gutem Erfolg die Entwicklungsagentur West geleitet hatte. In Bukarest überlebte er knapp drei Monate, er kam entwaffnet zurück nach Temeswar. Der andere Staatssekretär, der es rund zwei Monate länger im Bukarester Kulturministerium ausgehalten hatte, ist der Direktor des Temeswarer Deutschen Staatstheaters, Lucian Manuel Vărşăndan. Inzwischen ist auch er zurück und wird wohl zum Beginn des neuen Jahres seinen Posten beim DSTT wieder antreten. Wo er seit einem Jahrzehnt eine gute Figur macht, gelang es ihm doch, das DSTT ins Blickfeld der rumänischen, teilweise auch internationalen Öffentlichkeit zu rücken, vor allem durch Repertoire-, Regisseur- und Bühnenbildnerwahl, aber auch durch geschicktes Personalmanagement.

Wenn sich Vărşăndan im unlängst veröffentlichten BZ-Gespräch zurückhaltend geäußert hat über seine Tätigkeit und vor allem deren Umfeld im Bukarester Kulturministerium, so hatte der viel direktere Sorin Maxim kaum Gutes über seine Zeit in Bukarest zu berichten. Nicht bezüglich der „Technokraten“–Minister, der anderen Staatssekretäre, mit denen er zu tun hatte, sondern über die darunter liegenden Chargen des Ministeriums, die ihm durch Ignoranz, Überheblichkeit, der Selbstsicherheit desjenigen, der „starke Leute“ hinter sich weiß („Wenn Sie nicht zurückstecken, wird XY schon verlässlich dafür sorgen, dass Sie hier nicht viel Fett ansetzen“, so eine der Repliken, die ihm von niederen Ministeriumsangestellten „mit Rückgrat“ entgegengeschleudert wurden) und mit echt Bukarester Herabsetzung des  Gegenübers. Vielleicht steckt in dieser durch Parteienseilschaften geprägten Bürokratiestruktur der Ministerien einer der Gründe für Unerfülltes in dieser erfolgreichsten Regierung Rumäniens seit 1989.

Der noch amtierende Entwicklungsminister Christian Ghinea sieht jedoch auch im PSD-Vizepremier Vasile Dâncu eine Regierungsbremse: „Er blockierte die Reformagenda der Regierung. Er zog es vor, sich von seinem Ministerium beeinflussen und leiten zu lassen - das ist die Schicht von Staatssekretären und Beratern, die Dragnea dort gelassen hat. Die haben sein Ministerium geleitet. Dragnea hat indirekt weiterhin dieses Ministerium geführt.“ Zuletzt sagte Ghinea im Gespräch mit „22“: „Die Verwaltung arbeitet nach eigenem Gutdünken. Die Politiker führen faktisch die Bürokratie Rumäniens nicht. Sie schweben irgendwo darüber hinweg.“ Das ist in etwa das Gleiche, was Maxim meinte.

Man vergegenwärtige sich, welche Gefahr einer Zerschlagung festverschweißter Ministerialstrukturen eine reale Dezentralisierung für Rumänien bedeutet.

Kommentare zu diesem Artikel

Peter, 15.12 2016, 15:01
Dezentralisierung – Das wäre eine Möglichkeit um RO nach vorne zu bringen. Der Zentralismus funktioniert nur in gewachsenen Demokratien, wie z.B. Frankreich. Ein Föderalismus, mit mehr Eigenständigkeit der einzelnen Bezirke hätte mehr Vor- als Nachteile, jedenfalls für RO. Möglich wäre auch eine Art Bundesländer zu gründen, wie Moldau, Banat, Walachei usw.
Der Zentralismus wurde von der ersten postkommunistischen Regierung gewählt, damit sie die bestmögliche Kontrolle über das Land haben.

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