DER BZ-KOMMENTAR

Das Drittel zu viel

Mittwoch, 22. Februar 2017

Der Appell der 84 Mitglieder der Akademie Rumäniens (44 Vollmitglieder, 31 Kandidaten der Mitgliedschaft und neun Ehrenmitglieder – 16 der 84 haben sich inzwischen distanziert und ihre Unterschrift zurückgezogen), der, zeitgleich mit den Bukarester Demos für einen sauberen liberalen Rechtsstaat, veröffentlicht wurde, atmet den Modergeist des Ceauşescu-Kommunismus: die „Unsterblichen“ seien „besorgt ob der internen und internationalen Entwicklungen“, der „Erodierung der Identität, Souveränität und nationalen Einheit Rumäniens“, wegen dem „gleichmacherischen Globalismus“, einer „übertriebenen `political correctness´“, wegen „vieler Aktionen, die sich direkt gegen Staat und Volk Rumäniens richten (tendenziöse und lückenhafte oder gar mystifizierende Neuschreibung der Geschichte, Verunglimpfung nationaler Symbole, Unterwanderung von grundlegenden Werten und Institutionen, Sabotage der Zukunft, Enterbung künftiger Generationen durch Bodenverkauf und Verschacherung der ober- und unterirdischen Ressourcen, durch massive Abholzungen)“, durch Korruption, Effizienz- und Professionalitätslosigkeit, Zündung und Hegung sozialer Spannungen, exzessive Politisierung der Gesellschaft.

Beklagt werden auch die „rekurrenten Versuche der `Regionalisierung´ Rumäniens oder der Schaffung von autonomen ethnischen Enklaven“ – die ausgeleierte antimagyarische Note. Warum das aber „total unproduktiv von wirtschaftlichem, sozialem und dem Standpunkt des Lebensstandards“ sei, darüber verlauten die Unsterblichen keine Begründung.

Der Appell sei unpolitisch, behaupten sie. In der Grundhaltung ist er aber ein extremer Rückfall in das finsterste Ceau{escu-Jahrzehnt, 1980-1989. Dass der Appell sich an die „befugten Organe des Rumänischen Staates wendet“ und dringend (Gegen-)Maßnahmen fordert, erinnert an die 1950er Jahre, als „der Klassenfeind bekämpft“ werden musste. Soll schon wieder ein Donau-Schwarzmeer-Kanal gegraben werden?

Nicht zufällig stehen unter den Unterzeichnern Namen wie Dinu Giurescu und Dan Berindei (Auslands-„Einflussagenten“ zur Ceauşescu-Zeit), der glitschige Răzvan Theodorescu, der Rektor der Klausenburger UBB, Ioan-Aurel Pop oder General Victor Voicu. Leider auch seriöse Wissenschaftler, wie der Literaturkritiker und –geschichtler Mircea Martin oder der Jassyer Historiker Al. Zub. Der Theologe Wilhelm Dancă, Mircea Dumitru, der Rektor der Bukarester Uni, die Opernsängerin Mariana Nicolesco zogen ihre Unterschrift zurück, andere verweigerten sie: Şerban Papacostea, N. Manolescu, I. Mălăncioiu, Ş. Sturdza, D. Dăianu. „Bloss“ ein Drittel der Mitglieder der Akademie unterzeichneten. Das Drittel zu viel.

Das abtun als „caragialeske Farce“? Es ist bitterer Ernst. Ein antidemokratischer Schlag gegen Rumänien. Der Seitenhieb gegen die Zukunft.

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