Der Charme der Seine-Metropole

Paris - eine Stadt, die einen in den Bann zieht

Freitag, 20. September 2013

Die Sacre-Coeur-Basilika erstrahlt in Weiß von der Montmartre-Anhebung weit über die Stadt.

Blick auf den Eiffelturm vom Schiff aus.

Werdende und etablierte Künstler stellen auf den Straßen von Montmartre aus.

Mehrere Städte Europas werden mit Paris durch Hochgeschwindigkeitszüge verbunden.
Fotos: Dieter Drotleff

Nach drei Stunden Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug TAHLIS von Köln über Aachen, Liège, Brüssel bis Paris, in denen die etwas über 500 Kilometer lange Strecke in ruhigster Atmosphäre zurückgelegt wird, steigen wir am Nordbahnhof der Seine-Metropole aus. Die Stadt besitzt übrigens sechs Kopfbahnhöfe. Die Hektik von Paris empfängt einen schon dort und erinnert unwillkürlich an die rumänische Hauptstadt Bukarest, früher als Klein-Paris bezeichnet...

Allerdings ein Vergleich, der heute kaum noch zutrifft. Der erste angesprochene Taxifahrer will nicht weniger als einhundert Euro, um uns bis zum Terrass-Hotel im Montmartre-Viertel zu bringen. Doch wie wir vorher auf dem Stadtplan ausgekundschaftet hatten, ist die Entfernung nicht groß. Ein zweiter Taxifahrer senkt den Preis um die Hälfte, sodass wir nicht mehr weiter verhandeln, da die Warteschlange um ein Taxi relativ lang ist. Zudem wollen wir schon am ersten Tag unseres Aufenthaltes möglichst viel sehen und erleben. Bei unserer Rückreise, als von der Hotel-Rezeption ein Taxi für uns bestellt wurde, stellten wir dann allerdings fest, dass die Fahrt nur 25 Euro betrug. Unwillkürlich denkt man da an die Sachlage auf dem Bukarester internationalen Otopeni-Flughafen, wo man auf gleiche Weise als Unwissender geprellt wurde. Das hat sich jetzt geändert.

Doch schon auf dieser Taxifahrt erhielten wir einen ersten Einblick von der Hektik dieser Stadt, dem aggressiven Verkehr, der bunten Bevölkerung, den tausenden Touristen. Von den astronomischen Preisen sollten wir uns dann im Laufe unseres Aufenthaltes auch noch überzeugen. Aber Paris bleibt Paris und zieht einen sofort in seinen Bann. Die Stadt muss man einfach genießen.

Montmartre und Sacre Coeur

Am ersten Tag erlebten wir einen Teil von Montmartre mit den unzähligen Cafés, den Künstlern, die ihre Gemälde auf Schritt und Tritt zur Schau bieten, den Straßenmusikanten, die trotz brütender Hitze der wir eine Woche hindurch auch ausgesetzt waren, den Straßen eine unvergleichliche Atmosphäre verleihen. Montmartre wurde 1860 zum 18. Arrondissment der Hauptstadt und ist ein magischer Anziehungspunkt für Künstler. Hauptattraktion ist die Sacre-Coeur-Kirche, die majestätisch auf der höchsten Erhebung von Montmartre liegt. Die Basilika, die seit ihrem Baubeginn Ende des 19. Jahrhunderts ihre weiße Farbe behalten hat, wurde nach der preußischen Belagerung im Jahre 1870 als Anerkennung und Dank des Volkes, die Besetzer losgeworden zu sein, gebaut. Der Grundstein wurde  1875 gelegt, die Einweihung erfolgte wegen des Ersten Weltkrieges erst 1919. Errichtet in einem  Stilgemisch von Romantik bis orientalisch, umfasst diese auch einen 84 Meter hohen Glockenturm, der eine der schwersten Glocken weltweit, mit einem Gewicht von 19 Tonnen, trägt. Die „Savoyarde“, wie diese heißt, erhielt 1907 ihren endgültigen Platz im Glockenturm. Reich ist das Innere der Basilika an Reliefs, Mosaiken und Malereien. Von der Kirche aus bietet sich einem ein wunderbarer Ausblick  auf ganz Paris, der bei gutem Wetter bis zu 50 Kilometer weit reicht.

Streifzug in die Vergangenheit

Kurz einiges zur Geschichte von Paris: Die heutige Hauptstadt hatte ihre Keimzelle auf einer Insel der Seine, Ile de la Cite, wo einst ein keltisch-gallischer Stamm lebte. Im Jahre 52 v. Chr. wird die Siedlung, die sich auch auf die Ufer ausdehnte, in „De Bello Gallico“ als Lutetia erwähnt. Der Frankenkönig Chlodwig erobert 496 den Norden des romanisierten Gallien und setzt seine Residenz in Paris fest. Durch seinen Übertritt zum Christentum findet die Fusion der fränkischen und gallischen Kultur statt. Einen großen Aufschwung erlebt Paris unter Philipp August zwischen 1180 und 1228. Die Religionskriege im 16. Jahrhundert zwischen Katholiken und Hugenotten, die französische Revolution, die Zeit der Herrschaft Napoleons hinterlassen ihre negativen, aber vor allem positiven Zeichen und bringen der Stadt eine starke Entwicklung. Für die großen Weltausstellungen 1889 bis 1900 werden der Eiffelturm und die Metro gebaut. Die Nachkriegszeit der französischen Hauptstadt wird vor allem von Charles de Gaulle in den Jahren 1946 – 1958 geprägt.

Touristenmagnet Eiffelturm

Heute ist Paris eine der Städte, die weltweit zu den wichtigsten Anziehungspunkten für Touristen gehört – mit 35 Millionen Übernachtungen jährlich. Von den rund 2,5 Millionen Einwohnern – der Großraum Paris mit allen Vororten zählt 12 Millionen Einwohner – sind 75 Prozent katholisch. Dort leben aber auch rund 200.000 Juden sowie zahlreiche Muslime. Zieht man die Tausenden Asiaten, die als Touristen die Stadt besuchen, auch in Betracht, kann man sich ein Bild von dem bunten Treiben machen, das auf den Straßen herrscht.

Eine Stadtrundfahrt mit dem Doppeldecker-Bus, oder am besten eine Schifffahrt auf der Seine, bieten einem die Möglichkeit, einen  Blick auf die wichtigsten Anziehungspunkte der Stadt zu werfen, die man  sich dann gezielt vornehmen kann: Eiffelturm, Louvre-Museum, Invalidendom, Notre Dame – heuer werden 850 Jahre seit dem Bau des Doms begangen –, die zahlreichen Brücken – jede einzelne ein Kunstwerk und mit einer eigenen Geschichte, die Oper, der Triumphbogen an der Champs-Elysee, die unzähligen Wohnbauten, die die breiten Boulevards säumen und durch ihre Architektur beeindrucken. Für einige dieser Sehenswürdigkeiten müsste man sich Stunden oder auch Tage vorbehalten! Und hat man nicht rechtzeitig für einen Besuch im Louvre oder eine Liftfahrt auf den Eiffelturm gebucht, kann man diese nur nach stundenlangem Warten besuchen.

Dabei gibt es besondere Sicherheitsvorkehrungen, sowohl im Louvre als auch bei der Auffahrt zum Eiffelturm, die denen eines Flughafens gleichkommen. Auch wird man immer wieder von Reiseleitern oder Aufsehern darauf aufmerksam gemacht, auf die Taschen wegen der vielen Diebe aufzupassen. Bei dem Zugang zu den Aufzügen zum Eiffelturm werden einem Objekte wie Scheren oder Taschenmesser, die Touristen oft bei sich haben, abgenommen; diese erhält man auch nicht mehr zurück. Davon abgesehen – das Panorama, das sich einem von einer der Aussichtswarten des Turms auf die Stadt bietet, ist einzigartig. Drei Aussichtsplattformen gibt es: die erste in 57 Metern Höhe, die zweite in 115 Metern und die dritte in 274 Metern. Restaurants befinden sich auf den ersten beiden Ebenen, doch dafür muss man schon Wochen, wenn nicht gar Monate vorher reservieren. Eines der bestens Restaurants Frankreichs ist das „Jules Verne“. Auch die Preise sind dementsprechend. Bedenkt man, dass man für eine Halbliterflasche Mineralwasser im Umfeld der Sehenswürdigkeiten fünf, selten vier Euro  zahlt, ist die weitere Rechnung nicht schwer zu machen. Der 320 Meter hohe Turm wurde am 15. Mai 1889 anlässlich der damals in Paris stattfindenden Weltausstellung eingeweiht. 

Der Erbauer, Gustave Eiffel, Ingenieur und Architekt, wollte durch sein Projekt die für jene Zeit neuen Materialien Eisen, Stahl und Glas zum Einsatz bringen und schuf durch die Metallstruktur, die 15.000 zusammengeschweißte Elemente umfasst, ein seinerzeit einmaliges  Monument, das alle anderen Bauten der Stadt um vieles überragte. Die Strukturen des Eiffelturms wiegen siebentausend Tonnen und stehen auf vier Pfeilern mit Betonsockeln. Die Arbeiten dauerten 22 Monate, 150 Arbeiter waren im Einsatz und 40 technische Zeichner wurden beteiligt, die 700 Entwurfszeichnungen anfertigten. Der Turm umfasst 1710 Stufen, doch nur wenige Touristen versuchen, diese tatsächlich hinaufzusteigen. Aufzüge schaffen die Besucher zu den unterschiedlichen Plattformen hoch.

Überwältigend ist der Turm auch bei Nacht, wenn er im Lichterglanz die Stadt überragt. Und doch gab es auch Stimmen nach der damaligen Weltausstellung, dieses „Monster“ abzutragen. Ähnliche Ideen wie bei uns im Land, als sich nach der Wende einige dafür aussprachen, das Parlamentsgebäude niederzureißen. In beiden Fällen sind diese heute einige der wichtigsten Anziehungspunkte der jeweiligen Hauptstadt.

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