Der Dachrinnentrick

Polizei warnt vor Trickbetrügern, die Spenglereidienste anbieten

Donnerstag, 23. April 2015

Reschitza – Der „Dachrinnentrick“ wird, einige Jahre, nachdem er im Raum Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare und im „Lustigen Eck“ bis Altbeba/Beba Veche und Valkany/Vălcan, zum Schreck alleinstehender und älterer Hausbesitzer wurde, auch im Banater Bergland angewandt. Und zwar auf genau dieselbe Art und Weise: vier dunkelhäutige, schnauzbärtige Männer mit breiten schwarzen Hüten tauchen in einem Dacia-Break auf und bieten sich artig an, die Dachrinnen des Hauses zu einem unüblich günstigen Preis zu ersetzen. In Großsanktnikolaus geschah das vor einigen Jahren in vielen Nebengassen, vor allem aber geschah und geschieht es auf den Dörfern.

Die „Spengler“ bieten sich erst an, kleine Abschnitte der Dachrinnen zu ersetzen – deshalb der geringe Preis. Hat der Hausbesitzer erst mal den Köder geschluckt, werden flugs die gesamten Dachrinnen an der Außenfront des Hauses abmontiert und sofort verbogen und so verformt, dass sie nie mehr als Dachrinnen wiederverwendet werden können – auch, und sogar wenn sie noch in tadellosem Zustand waren.

Spätestens dieses Verbiegen sollte für jeden Betroffenen das Alarmsignal sein. Denn ab nun müssen sämtliche Dachrinnen ersetzt werden. Was auch hochprofessionell geschieht: zigeunerische Spengler (und Kupferschmiede) gehören zu den bestausgebildeten Metallarbeitern, die es in Rumänien gibt. Nur: ist die Arbeit eben mal zur Hälfte vollendet, kommt der Bulibasse/Anführer der vier und nennt den realen Preis des Ersetzens der gesamten Dachrinnen an der Gassenfront des Hauses: das Vielfache der erstgenannten Summe, die für eine kleine Reparatur galt.

Verweigert das Opfer die Zahlung der geforderten Summe, kommt es in der Regel zu Drohungen, die anderen drei unterbrechen ihre Arbeit und schnell werden Messer gezückt und erklärt, wie einfach es für sie sei, ein paar Jahre im Gefängnis zu verbringen. Wenn dem Opfer keine Nachbarn zu Hilfe eilen oder es diesem nicht schnell gelingt, per Mobiltelefon die Polizei zu verständigen – und wenn das Opfer nicht das Glück hat, dass in der betreffenden ländlichen Ortschaft auch noch ein Polizeiposten existiert... – dann muss es in den meisten Fällen die unverschämt hohen Kosten zahlen. Ist aber Polizei im Anzug,  lassen die vier die halbfertige Arbeit stehen und fliehen.

Das Kreisinspektorat der Polizei Karasch-Severin (IPJ-CS) dazu in einem Kommuniqué an die Bürger: „Akzeptieren Sie keinerlei solcherart Dienstleistungen von irgendwelchen Privatpersonen, die Ihnen ans Tor klopfen. Reparaturen an den Dachrinnen zu vorgeblichen Spottpreisen kommen immer teuer zu stehen. Immer heißt es nachher, neben den von unten sichtbaren Durchrostungen hätten sie viel mehr zu tun gehabt, nachdem sie die Dachrinnen von ihrer Leiter aus angeschaut haben. Und wenn der Nutznießer sich weigert, die unverschämten Zahlungsforderungen zu erfüllen, wegen „Zusatzdienstleistungen“, verwandeln sich die Erpresser in wahre Räuber, die Messer zücken und Drohungen ausstoßen. Bei uns sind auch bereits tätliche Übergriffe aktenkundig.“ Soweit ein Kommuniqué von IPJ-CS.

Grundsätzlich sollen die Bürger des Banater Berglands es vermeiden,  heißt es weiter im Kommuniqué, Fremde in ihren Hof oder ihr Haus zu lassen, unabhängig der Gründe, die diese für ihren Wunsch angeben. Und für Reparaturen am Haus sei es am sichersten, autorisierte Firmen zu beauftragen, auch wenn diese vielleicht Professionalitätsdefizite vorweisen. „Meist sind die zwei Erpresserbanden, die gegenwärtig im Banater Bergland ihr Unwesen treiben, an ihren imposanten Gabor-Schnurrbärten, den breitkrempigen schwarzen (Gabor-)Hüten und gebrochenem Rumänisch zu erkennen. Ihr Ziel sind ältere Personen, die allein oder zu zweit in großen Häusern mit langer Gassenfront leben.“

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