Der einsamste Radiodiskjockey der Welt

Cornel Chiriac - 40 Jahre nach dem Tod des Radiodiskjockeys

Dienstag, 03. März 2015

„Der einflussreichste, bekannteste und gleichzeitig einsamste Radiodiskjockey der Welt“ - das ist der (in)offizielle Titel von Cornel Chiriac. Musikliebhaber Cornel, schon in der Kindheit über Kurzwelle mit amerikanischen Jazz in Kontakt geraten, war zum Radio-DJ bestimmt. 1942 in Uspenca (Ukraine) geboren, brachte er in den 60ern den Blues, Rock und Pop nach Rumänien. Beliebt, berühmt und politisch brisant wurde er durch seine Sendung „Metronom“, welche zunächst noch offiziell im kommunistischen Staatsrundfunk laufen sollte. Solange, bis Chiriac den Einmarsch der sowjetischen Truppen am 21. August 1968 in Prag, über ein heimlich vertauschtes Tonband mit einem Beatles-Song kommentierte: „Back in the USSR“. Mit „Metronom“ war sofort Schluss. Vorerst.

Über eine manipulierte Ausreisegenehmigung konnte Chiriac fliehen und erhielt unter Mithilfe des damaligen Mitarbeiters der rumänischen Abteilung Max Banush, einen Sendeplatz beim bayrischen Standort des CIA-gestützten „Radio Free Europe“. Dort fand „Metronom“ eine Fortsetzung: Dylan, Joplin, Hendrix, Morrison sendete Chiriac aus dem Exil in das von der Ceau{escu-Diktatur zermürbte Heimatland. Den Hörern seiner Sendung drohten Folter und Haft. Welche Rolle er in seinem Land spielte, erfuhr Chiriac nur über Briefe, welche es vorbei an der Zensur nach Deutschland schafften und die er im Radio verlas. Deutschland blieb ihm fremd und er, trotz Beziehung zur ebenfalls emigrierten Linda Schuster, eher einsam.

Am 4. März 1975, kurz nach der Hochzeit, wurde Cornel Chiriac im Alter von 33 Jahren tot vor seinem Auto aufgefunden, mit Messerstichen von einem 17-Jährigen ermordet. Der offizielle Tatbestand lautete Raubüberfall, Gerüchte sprechen jedoch von einem Kopfgeld von 1 Mio. Dollar. Im Jahr 2008 veröffentlichte der Autor Patrick Banush, ein preisgekröntes Hörfeature im WDR über die Geschichte Cornel Chiriacs. Es ist die erste und einzige ausführliche Dokumentation und noch über die Webseite des Schweizer Rundfunks hörbar.

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