Der Friedhof auf dem Huetplatz

Leistungsstarke Zusammenarbeit der Archäologen und Anthropologen

Dienstag, 10. Mai 2016

Prof. Dr. Zeno Karl Pinter, Dr. Daniela Marcu Istrate und Dr. Adrian Ioniţă (v.l.n.r.) bei der Buchvorstellung in der Astra-Bibliothek
Foto: Eveline Cioflec

Hermannstadt – Die Buchpräsentation „The Medieval Cemetery from Sibiu (Hermannstadt) Huet Square“ (Der Mittelalterliche Friedhof auf dem Hermannstädter Huetplatz) am vergangenen Donnerstag in der Astra-Bibliothek entführte das Publikum in eine faszinierende Welt von archäologischen Ausgrabungen, anthropologischen Fragen und tatkräftigen Wissenschaftlern. Das Buch der drei Autoren, Daniela Marcu Istrate, Mihai Constantinescu und Andrei Soficanu, ist im Dezember letzten Jahres auf Englisch erschienen im Tübinger Dr. Faustus Verlag, als sechster Band der Reihe „Tübinger Forschungen zur historischen Archäologie“.

Eingeleitet wurde die Buchvorstellung von Prof. Dr. Zeno Karl Pinter, tätig am Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften Hermannstadt/Sibiu, Mitwirkender am Projekt in verschiedenen Stadien und, wie betont wurde, immer wieder Vermittler mit Entscheidungsträgern bei der Durchsetzung des Projektes. Details über die Ausgrabungen 2005 gab die Archäologin und Leiterin der Baustelle Daniela Marcu Istrate, Forscherin des Kulturvereins Hieronymus, Kronstadt/Bra{ov. Den Inhalt des knapp 300-seitigen Buches präsentierte Dr. Adrian Ioni]², Forscher am Archäologie-Institut „Vasile Pârvan“ in Bukarest. Das Buchprojekt und die anthropologischen Untersuchungen wurden von der Universität Tübingen durchgeführt, koordiniert von Prof. Dr. Barbara Scholkmann und Marianne Dumitrache M.A., mit der Finanzierung der Deutschen Bundesregierung.

Die in dem Buch dokumentierte Forschungsarbeit ist in vielen Hinsichten Pionierarbeit und öffnet späterer Forschung, auch in Rumänien, die Türen. Der Friedhof auf dem Huet Platz, der größte Friedhof der deutschstämmigen Bevölkerung in Siebenbürgen, ist die erste in dieser Weise erforschte archäologische Stätte in Osteuropa und schon ganz und gar in so kurzer Zeit. Die Ausgrabungen fanden 2005 statt. In nur vier Monaten wurden knapp 2000 Gräber untersucht und Gebeine geborgen. Die Daten wurden zunächst in einer Monographie veröffentlicht. Es folgten Analysen der Anthropologen 2007-2009 am Institut für Anthropologie Francisc I. Rainer, in Bukarest, bei denen mehr als 1000 Skelette untersucht wurden mit verfügbaren Mitteln und Technologien, noch vor wenigen Jahren ganz andere als heute bereits zur Verfügung stehen.

So wurde zum Beispiel keine Radiokohlenstoffdatierung durchgeführt, die bei organischen Funden häufig angewendet wird, so Dr. Istrate. Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse aussagekräftig und erzählen über das Leben der Menschen, die Lebenserwartung, die Lebensqualität und vieles mehr, im Zeitraum 12. – 16. Jahrhundert, solange der Friedhof genutzt wurde. Die Gebeine wurden längst wieder begraben, ganz in der Nähe des ehemaligen Friedhofs. Aber das erworbene Wissen bleibt und stiftet weitere Forschungsarbeit und Erkenntnisse darüber, wer unsere Vorfahren waren, wie in unseren Städten gelebt wurde und, nicht zuletzt, wer wir sind.

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