Der Immobilienhai

Deutsche Justiz soll über Haftstrafe von Ionelaş Cârpaci entscheiden

Mittwoch, 31. August 2016

Auch das Mühle-Haus ist in den Händen der Immobilienmafia unter der Leitung von Ionelaş Cârpaci.
Foto: Zoltán Pázmány

Dem Kopf der berüchtigten Temeswarer Immobilienmafia, Ionelaş Cârpaci, soll es nun endlich an den Kragen gehen: Cârpaci, der 25 Jahre in der Ära der ehemaligen Ciuhandu-Stadtverwaltung nach Gutdünken auf dem städtischen Immobilienmarkt geschaltet und gewaltet hat, ist jedoch seit Ende Juni, seit seiner Verurteilung durch einen endgültigen Beschluß des Obersten Kassations- und Justizhofes unauffindbar. Er befindet sich ganz oben auf der internationalen Fahndungsliste, soll aber als Ionel Sandner und deutscher Staatsbürger in Deutschland untergetaucht sein. Im Januar 2016 verurteilte ihn das Temeswarer Schiedsgericht zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und vier Monaten für einen millionenschweren Immobilienbetrug. Vor Jahren hatte er ein wertvolles Grundstück, das er durch Urkundenfälschung von der Stadtverwaltung ergattert hatte, an eine HG verschachert. Nach einem Einspruch schmälerte der Oberste Kassations- und Justizhof die Haftstrafe auf sieben Jahre und zwei Monate und verpflichtete Cârpaci dazu, diese Firma mit 1,5 Millionen Euro zu entschädigen.

Desgleichen wurde durch diesen Entscheid auch einer seiner wertvollsten Bauten, ein zweistöckiger Palast in der Loga-Straße Nr. 52, beschlagnahmt. Cârpaci hatte sich die in den 50er Jahren durch das Gesetzesdekret 90/52 vom Staat enteignete Villa durch Betrug und Urkundenfälschung angeeignet. Durch sukzessiven Verkauf war der Altbau letztlich in die Hände von Momiţă Bona, eines anderen reichen Immobilienbesitzers gelangt.

Das macht nur einen kleinen Teil seines dicken Strafregisters aus, denn Cârpaci hat sich in der Begastadt nach der Wende durch die gleichen Methoden von groben Fälschungen und von Betrug, mittels der Komplizität von öffentlichen Notaren, Stadtbeamten, Richtern usw. ein richtiges Immobilienimperium geschaffen. Heute befindet er und seine Roma-Familie sich im Besitz von mehr als 140 Immobilien, darunter zahlreiche wertvolle Altbauten und Villen im Stadtzentrum.

Obwohl stark verspätet und dem Ausmaß der Straftaten von Ionelaş Cârpaci kaum entsprechend ist dieses endgültige und unanfechtbare Urteil des Obersten Kassations- und Justizhofes wichtig und als Erfolg der rumänischen Justiz zu werten. Der Verteidiger von Cârpaci-Sandner hat beim Gericht beantragt, dass Cârpaci seine Haftstrafe als Ionel Sandner in einer deutschen Haftanstalt absitzen möchte. Die Prozedur wäre Folgende:

Cârpaci-Sandner müsste erstens gemäß des europäischen Haftbefehls von den deutschen Behörden festgenommen werden. Darauf müsste ein deutsches Gericht über seine Auslieferung an die rumänischen Behörden oder über das Absitzen der Gefängnisstrafe in einer deutschen Haftanstalt entscheiden. Ein letztes Wort in dieser Sache wird also kurioserweise die deutsche Justiz haben.

Kommentare zu diesem Artikel

Peter, 01.09 2016, 16:41
Noch ein Nachschlag – Der Gauner ist nicht ohne Grund nach Deutschland geflüchtet. Mit Sicherheit weiß er genau wo er den Hebel, bei den Richtern, ansetzen muss damit die Auslieferung nicht stattfindet. Auch die Berichte über die rumänischen Gefängnisse werden diese nicht beschleunigen, sobald ein Gefängnisaufenthalt in RO als unmenschliche angesehen wird, wird er die Strafe in Deutschland absitzen. Vermutlich wird er nie wieder rumänischen Boden betreten.
Zum Schluss noch eine Frage an Sie: Wie viele Auszeichnungen hatte Ceausescu, vom westlichen Ausland bekommen? Und er war trotz allen ein menschenverachtender Verbrecher.
Peter, 01.09 2016, 13:51
Hallo Don Emilio, das Problem der Deutschen mit den Roma ist dass die Vergangenheit nicht vergangen ist (Ernst Nolte), es wird auf eine Art Erbschuld herumgeritten. Deswegen tun sich deutsche Behörden schwer Menschen auszuliefern die einer Gruppe angehören, die im 3.Reich verfolgt wurde. Es wird bis ins kleinste Detail geprüft ob der Auszuliefernde eventuell doch wegen seiner ethnischen Zugehörigkeit verfolgt wird. Wäre er ein Rumäne würde er am Tag der Festnahme ausgeliefert.
Don Emilio, 31.08 2016, 22:45
Ach ja, ich habe da noch eine Frage: Warum wird eigentlich der famose Bürgermeister Ciuhandu, in dessen Amtszeit das alles passiert ist, nicht ins Gefängnis gesteckt?
Ach ja geht nicht, der hat ja das Bundesverdienstkreuz! Und, er war der beste in der Lenauschule!
Keine Fragen mehr Euer Ehren!
Nix für ungut, Don Emilio
Don Emilio, 31.08 2016, 22:36
Sehr geehrte Damen und Herren, da bin ich doch mal gespannt ob die Deutschen Behörden, wenn sie ihn dann festnehmen, seine Papiere sorfältig auf Fälschung prüfen. Und die sind gefälscht. Oder, ob sie mit dem "Deutschen "Roma", weil die ja hier, besonders die reichen Zigeuner, so schlimm verfolgt werden, milde umgehen. Neulich stand an der Kreuzung zur Loga ein Maybach mit Münchener Nr. Wieder so ein armer Zigeuner. Mein Gott, wie blöde sind doch die Deutschen. Hat mein Vater schon gesagt. Ja, und der "Roma Abgeordnete" im Parlament hat ja auch seinen armen Roma-Leidensgenossen mit Eurogeldern so mächtig unter die Arme gegriffen.
Ich könnte kotzen.
Nix für ungut,
Don Emilio

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