Der Meister des Lichtes und der Schatten

Rembrandt-Ausstellung im „Casa Mureşenilor“- Museum

Freitag, 06. November 2015

Ein Markenzeichen Rembrandts sind seine Selbstportraits

In Kronstadt sind Reproduktionen nach 273 Radierungen Rembrandts zu sehen.

Die Besucher haben die Gelegenheit, Videomaterial über Rembrandt anzuschauen.
Fotos: Elise Wilk

Schon im August kursierte auf Facebook eine Einladung zum Event „Rembrandt@Brasov“. Auf dem gelben Cover-Foto des „Casa Mureşenilor“-Museums ist das vielleicht bekannteste Selbstportrait des niederländischen Künstlers abgebildet. Auch einen Werbespot hat man erstellt, und seit September schmücken zwei riesige Banner die Purzengasse. Auch auf der Infotafel bei Modarom kann man das Plakat sehen, mit dem für die Ausstellung geworben wird. Es ist das erste Mal, dass Rembrandt in die Stadt unter der Zinne kommt. Dabei handelt es sich nicht um Original-Werke (die Versicherung hätte sicher astronomische Preise verlangt), sondern um Kopien von 273 Radierungen des „Meisters des Lichtes und der Schatten“. Die Ausstellung, die Anfang Oktober eröffnet wurde, ist vom „Casa Mureşenilor“-Museum in Zusammenarbeit mit dem Kronstädter Kreisrat im Rahmen des Projektes  „Kronstadt, Kulturhauptstadt 2021“ organisiert.

Reproduktionen nach berühmten Radierungen

Auf Facebook haben 500 User ihr Kommen angemeldet. In der „wirklichen Welt“ haben jedoch bis Anfang November nur 400 Personen die Ausstellung besucht. „Das ist zwar weniger, als wir erwartet haben, aber trotzdem ist es nicht schlecht. Die Kronstädter und Touristen haben noch einen Monat Zeit, die Ausstellung zu besuchen. Es lohnt sich wirklich!“, meint eine Angestellte des Museums.

Während seines Lebens hat Rembrandt über 200 Skizzen, 600 Gemälde und über 300 Radierungen gezeichnet. In Kronstadt sind Reproduktionen nach 273 seiner Arbeiten zu sehen. Dass es nicht seine originellen Radierungen sind, sollte niemanden enttäuschen: durch die Möglichkeit der seriellen Vervielfältigung dieser graphischen Technik gab es schon zu Lebzeiten Rembrandts Reproduktionen. Diese haben auch zu seinem Ruhm innerhalb Europas beigetragen.     

Die Radierungen, die in Kronstadt zu sehen sind, stammen aus der Privatkollektion von Eugene Dutuit und der Nationalen Bibliothek Frankreichs und umfassen unterschiedliche Themenbereiche. „Es ist nicht mehr nötig, nach London, Paris oder Amsterdam zu reisen, um die Meisterwerke der europäischen Kunst hautnah zu erleben“, meinte Thomas Emmerling, der Vertreter des Inhabers der Kollektion, bei der Ausstellungseröffnung am 5. Oktober.

Ein beeindruckendes Lebenswerk

Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-1669), bekannt unter seinem Vornamen Rembrandt, gilt als einer der bedeutendsten und bekanntesten niederländischen Künstler des Barock. Sein Schaffen fiel in die Epoche des Goldenen Zeitalters, als die Niederlande eine politische, wirtschaftliche und künstlerische Blütezeit erlebten. 1631 zog er nach Amsterdam, wo er sich zu einem gefeierten Künstler entwickelte. Er betätigte sich als Maler, Radierer und Zeichner, führte eine Werkstatt und bildete Künstler aus.  Sein Gesamtwerk umfasst Portraits, Landschaften sowie biblische und mythologische Themen. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen „Die Blendung Simsons“, „Die Nachtwache“, „Die Anatomie des Dr. Tulp“ und „Das Hundertguldenblatt“. Rembrandt griff in seinen Werken zahlreiche Motive auf, die bis dahin nicht künstlerisch bearbeitet waren, oder suchte nach neuen Darstellungsarten traditioneller Motive.

Viele seiner Werke zeichnen sich durch starke Hell-Dunkel-Kontraste aus. Bereits zu Lebzeiten wurde der Künstler durch Nachstriche und Kopien seiner Bilder rezipiert. Trotzdem litt er zeitweise unter erheblichen finanziellen Problemen und starb in Armut. Nach seinem Tod erfreuten sich seine Werke bei Sammlern großer Beliebtheit. Im 18. Jahrhundert fand Rembrandt Nachfolger unter deutschen und englischen Künstlern. Rembrandts Leben wurde in dieser Zeit mystifiziert und mit Legenden ausgeschmückt; erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus diesem Rembrandt-Bild durch Quellenforschung seine reale Biographie extrahiert. Eine Untersuchung auf die Authentizität der Bilder erwies in den 70er Jahren, dass die Zahl der von Rembrandt selbst gemalten Bilder viel kleiner ist. Von einst über 700 reduzierte sich die Zahl auf etwa 350.

Absolut sehenswert: die Selbstportraits

In acht Räumen im „Casa Mureşenilor“-Museum werden Werke ausgestellt, die in mehrere Kategorien eingeteilt sind: Szenen aus dem Alten Testament, Frauenportraits, Männerportraits, Akt-Zeichnungen, Landschaften, Selbstportraits, Figurenstudien von Bettlern und Heiligen, Szenen aus dem Alltagsleben. Am interessantesten sind die Selbstportraits. Es ist allgemein bekannt, dass der Künstler gerne sich selbst malte, meist zu Übungs- und Studienzwecken. Über seine Lebenszeit verteilt gibt es über 50 Selbstportraits, die Rembrandt in jedem Alter und in unterschiedlichen Gemütszuständen darstellen.

So kann man das Altern auf den Bildern klar verfolgen. Der Blick auf sich selbst ist immer sehr realistisch.
Durch die aggressive Werbeaktion im Internet will das „Casa Mure{eni-lor“-Museum auch junge Leute für die Radierungen des niederländischen Kün-stlers begeistern. Eins der vielen Werbeplakate zeigt einen jungen Rembrandt mit Smartphone in der Hand. Gezeichnet wurde es vom jungen Kronstädter Künstler George Ro{u. Ebenfalls  von ihm stammen eine Infografik mit dem Leben Rembrandts und ein Poster, das für 4 Lei an der Kasse des Museums erhältlich ist. Darauf sind wie in einem Malbuch nur die Konturen eines Rembrandt-Portraits sichtbar. „Mal deinen eigenen Rembrandt“, steht darauf.

Die Werbematerialien zur Ausstellung ähneln denen von ausländischen Museen. Die Besucher haben die Möglichkeit, T-Shirts, Kannen und Kühlschrankmagnete mit dem Portrait des Künstlers zu kaufen.  „Rembandt ist im Trend!“, schrieb das Museum am 27. Oktober  auf seiner Facebook-Seite. Besonders die jungen Leute, die normaler-weise nicht in Ausstellungen gehen, sollten wissen: Museen sind cool und nicht altmodisch. Es ist vielleicht die erste Aktion, die auf diese Weise von einem Kronstädter Museum veranstaltet wird. Eigentlich war es schon längst an der Zeit.

Die Ausstellung „Rembrandt@ Brasov” kann bis zum 30. November, von Montag bis Samstag zwischen 9 und 19 Uhr besucht werden. Der Eintrittspreis beträgt 20 Lei (10 Lei ermäßigt für Schüler, Studenten und Rentner). Mehr Informationen unter http://muzeulmuresenilor.ro/rembrandt/ oder auf der Facebook-Seite „Muzeul Casa Muresenilor“.

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