Der Mittelstand und seine Werte

Konferenz stellte aktuelle Probleme des rumänischen Wirtschaftsmarktes vor

Mittwoch, 14. November 2012

Rund 50 Schülerinnen und Schüler von Temeswarer Lyzeen nahmen an der Konferenz zum Thema „Der Mittelstand und seine Werte“ teil. Foto: Zoltán Pázmány

Der gemeinnützige Verein Agora Unit hat zusammen mit dem Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rumänien eine zweitägige Veranstaltung zum Thema „Der Mittelstand und seine Werte“ für Schülerinnen und Schüler von Temeswarer Lyzeen veranstaltet. Im alten Sitzungssaal des Kreisrates Temesch fand am vergangenen Freitag eine fast dreistündige Konferenz statt, an der sich als Hauptreferenten Florin Şari, Programmkoordinator des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rumänien, sowie der Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Klaus Christian Olasz, beteiligten. Sie zogen Parallelen zum deutschen Mittelstand und stellten die aktuelle Lage in Rumänien vor. Nebenbei warfen die beiden Referenten auch die Frage in den Raum, welche Zukunft der rumänische Mittelstand hat und wie diese zu verwirklichen sei. Im Anschluss stellten neun Gäste – Vertreter des Mittelstandes aus der Region – ihre beruflichen Erfolge vor. Am Samstag unternahm die Schülerschaft eine Ausfahrt zum Wahlfahrtsort Maria Radna und in die Arader Stadt Lippa/Lipova. Als Führer wurden sie von Dr. Walter Kindl begleitet. Unter Aufsicht des Journalisten Siegfried Thiel arbeiteten die Teilnehmer an journalistischen Artikeln, die sich mit dem Thema „Mittelstand“ auseinandersetzten. Sämtliche Berichte werden in einer eigens zusammengestellten Zeitschrift erscheinen.

Fast kein Mittelstand in Rumänien

In Deutschland ist der Mittelstand das Rückgrat der Wirtschaft, in Rumänien fehlt diese fast gänzlich. Florin Şari, verwies in seinem Vortrag auf die Ergebnisse einer Umfrage des Tagesblatts „Adev²rul“: Kleine bis mittlere Unternehmen machen nur 15 Prozent der rumänischen Wirtschaft aus, rund 73 Prozent der Rumänen glauben fest, dass sie der Mittelschicht angehören, obwohl 45 Prozent von ihnen 2012 den Gürtel enger schnallen müssen.  In ärmeren Regionen des Landes wie die Moldau wird man schon als reich angesehen, wenn man mindestens ein Auto oder eine Wohnung besitzt. Rumänen könnten mit ihrer eigenen Armut nicht umgehen, darum würden sie sich etwas vormachen, so der ehemalige Journalist. 

Auch der Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Klaus Christian Olasz, sprach von spürbaren Unterschieden zwischen Ost und West. Das schwerste Erbe des Kommunismus sei der Untergang des Mittelstandes in Ländern wie Rumänien, so der Konsul. Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich sei deutlich sichtbar.

Auch Rumänien selbst ist nicht so reich, wie manche immer wieder behaupten mögen, enttäuschte Şari eine Schülerin, die sich über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage des Landes wunderte. Rumänien sei relativ arm, erklärte er. Die einzige überschüssige Ressource ist das Salz. Ansonsten importiert das Land mehr als es produziert. Der Vertreter der Adenauer Stiftung zählte weitere Faktoren auf, weshalb das Land wirtschaftlich am Boden ist und der Mittelstand keinen Aufschwung erlebt: ein braches Bildungssystem, eine fehlende Infrastruktur, der Staat als Hauptarbeitgeber und nicht zuletzt die Finanzkrise. Letzteres lastet besonders auf den Mittelstand schwer, der nicht über die notwendigen Geldmittel verfügt, die harten Zeiten zu überstehen.

Temeswars Mittelstand erzählte

Aufbauender waren die Geschichten der neun Vertreter des regionalen Mittelstandes. Teodora Borghoff, Geschäftsführerin des Kulturvereins Temeswar Kulturhauptstadt 2021, sprach davon, wie sie als Sechszehnjährige zwei Regeln mit sich vereinbart hatte, die ihren Werdegang maßgeblich beeinflusst haben. Die erfolgreiche Kulturmanagerin hatte sich damals vorgenommen, immer auf dem Laufenden zu sein und immer in Bewegung. Grund, weshalb sie drei Fremdsprachen beherrscht und an zahlreichen Stipendienprogrammen teilgenommen hat. Mit 24 Jahren arbeitete sie bereits an einem mehr als 100.000 Euro teuren Projekt. Wie man in Krisenzeiten sein Unternehmen über Wasser hält, davon sprach der Kleinunternehmer Radu Dimeca. Er selbst hatte in den 1980er Jahren als Plattenverkäufer auf Flohmärkten angefangen. Ramona Olasz und Marius Schiell haben ursprünglich Journalismus studiert, ehe sie ihre Hauptberufung entdeckt haben. Schiell arbeitet als erfolgreicher Hairstylist, während Olasz als Schauspielerin eigene Vorstellungen für Kinder produziert. Iulius Farcau hatte als unqualifizierte Arbeitskraft angefangen und ist heute Lagerleiter bei Continental Contitech. Farcau war Schüler von Simona Hochmuth gewesen, der Vorsitzenden und Gründerin des Vereins Agora Unit.

Die gemeinnützige Organisation arbeitete in den letzten Jahren an mehreren Projekten mit der Konrad-Adenauer-Stiftung zusammen. Im vergangenen Sommer veranstaltete Agora Unit auch ein Sommercamp für Jugendliche zum Thema „Demokratie“. 

 

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