Der Neujahrsempfang im Hermannstädter Bischofspalais

Philippi: Viele Gemeindemitglieder werden durch Gottesdienste nicht mehr erreicht

Dienstag, 12. Januar 2016

„Es ist zu spät, wenn unsere Kirche erst bei einem Begräbnis (eines Gemeindemitglieds) wieder in Erscheinung tritt.“
/ Foto: Michael Mundt

Hermannstadt – Anlässlich des Jahreswechsels 2015/16 luden Reinhart Guib, der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien und seine Gattin Henriette, am Freitag in das Bischofshaus in der Sporergasse/General Magheru ein. Zahlreiche haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Evangelischen Kirche und des Deutschen Forums folgten der Einladung genau wie Vertreter deutschsprachiger Einrichtungen, der diplomatischen Vertretungen der Bundesrepublik sowie der Republik Österreich und Interims-Bürgermeisterin Astrid Fodor. In seiner Ansprache begrüßte Bischof Guib die Anwesenden und erinnerte mit einem Rückblick auf das Jahr 2015 an die Ereignisse des Vorjahres sowie die in einigen Regionen der Welt turbulenten ersten Tage des neuen Jahres.

Einem sehr wichtigen Thema nahm sich Landeskirchenkurator Prof. Friedrich Philippi in seiner Rede an. Denn ein Teil der Gemeindemitglieder, die in Kleinstgemeinden leben, werden schon seit geraumer Zeit nicht mehr durch Gottesdienste erreicht. Dabei halten viele Pfarrer schon Sonntag für Sonntag zwei bis drei Gottesdienste, zwischen denen häufig auch weite Strecken zurückzulegen sind. Besteht für die Gläubigen dann trotzdem weder die Möglichkeit sich in das eigene Auto zu setzen, noch einen Abholdienst zu organisieren, dann muss über andere Formen der geistlichen Betreuung, der oft auch unter Vereinsamung leidenden Gläubigen, nachgedacht werden, so Philippi.

Dazu zählen auch Formate, die wochentags stattfinden, wie beispielsweise ein regelmäßiger Besuchsdienst mit Hausandachten. Sehr beeindruckt sprach Philippi diesbezüglich von Pfarrer Walther Sinn im Banat, der zu Weihnachten neben zwei Gottesdiensten in seiner Semlaker Gemeinde auch in Liebling und weiteren Ortschaften des Banats Gottesdienste und Hausandachten abhielt und dabei hunderte Kilometer Fahrt auf sich nahm. Denn tritt die Kirche erst wieder beim Begräbnis eines Gemeindemitglieds in Erscheinung, so müsse man sich nicht wundern, wenn die Gläubigen sich den Freikirchen zuwenden, so Philippi weiter.

Ein herzliches Dankeschön sprach der Landeskirchenkurator dann auch den Lektoren aus, welche in einigen Gemeinden ebenfalls zur Aufrechterhaltung eines gottesdienstlichen Lebens beitragen. Weitere Grußworte an die Anwesenden richteten Interims-Bürgermeisterin Astrid Fodor, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Paul-Jürgen Porr, der Honorarkonsul der Republik Österreich, Andreas Huber sowie Judith Urban, die Konsulin der Bundesrepublik Deutschland und der Bukarester Stadtpfarrer sowie Bischofsvikar Dr. Daniel Zikeli. Für die musikalische Untermalung des Empfangs sorgten Musikwart Jürg Leutert und Erika Klemm.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 12.01 2016, 12:43
wenn in einer Gemeinde eine Veranstaltung stattfindet, dann sollten immer auch alle Mitglieder dieser Gemeinde persönlich eingeladen werden, auch wenn es eine Fachveranstaltung über Architektur, Zeitgeschichte, Literatur, Theologie oder Krankenpflege ist. Ganz egal. Die paar wenigen die noch da sind sollen ruhig auch zu solchen Ereignissen kommen und wenn einer den Mut hat auch man was zu sagen, dann ist das nur gut, auch wenn er fachlich nicht so ein Experte ist. Das schadet gar nicht und würde den Leuten das Gefühl geben willkommen zu sein und auch etwas beitragen zu können. Aber leider schottet sich die Hierarchie gerne gegenüber einfachen Gemeindeglieder ab. Das ist aber nicht mehr zeitgemäß.

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