Der verrückte April

Banater Radeltour führte über die Lippaer Hügel

Dienstag, 30. April 2013

Durch Felder und Wiesen, Wälder und Hügel – die Route umfasst fast 100 Kilometer und etwa 12 Stunden auf dem Fahrrad.

Der Stonehenge-Park - Treffpunkt für die „April“-Fahrt

Carol Varga führt die Gruppe und leitet den Weg. Fotos: die Verfasserin

Alle Jahre wieder treffen sich begeisterte Mountainbiker, um bei der sogenannten „Verrückten April“-Tour, geführt von Carol Varga, mitzumachen. Eine Fahrradtour, die auf versteckten Routen und Wegen aller Art durchs Banat und wieder zurück in die Stadt führt.  Temeswar - Ghiroda – Bega-Deich - Remetea Mare - Ianova - Herneacova - Dealul Câmpul Lat – Nadăş - Dealul Pământul Roşu - Buzad - Dealul Păzit - Dealul Torcoşa - Dealul Hatului - Dealul Andrica - Stanciova - Herneacova - Ianova - Remetea Mare - Ghiroda – Temeswar: Dies war die vorgeschlagene Route in diesem Jahr. Das sind nicht mehr und nicht weniger als zwölf Stunden und etwa 100 Kilometer an einem einzigen Tag – und das mit dem Fahrrad.

Samstag Morgen, 8 Uhr. Treffpunkt ist der Stonehenge-Park in Temeswar/Timişoara. Draußen ist es immer noch kühl, doch es sieht so aus, als werde das Wetter wieder gut, denn schon kann man die Sonne – etwas bescheiden - auf dem Himmel erblicken. Das verspricht eine schöne Fahrt für den Tag. Etwa 40 Leute sind mit passendem Outfit und ihren Fahrräder gekommen und warten auf den Start für die lange Radeltour. Carol Varga und einige Vertreter der Gemeinschaft Cicloturism TM sind die Veranstalter der Tour. Tourleiter Varga nimmt seine Pfeife hervor und pfeift ein Mal, dann bittet er alle Teilnehmer, näher zu kommen, damit er die Details bezüglich der Fahrt an alle weitergeben kann. „Unser erster Stopp ist in der Ortschaft Ianova, vor der Kneipe. Dort werden wir eine Pause einlegen. Bis dann aber, los geht´s!“, pfeift er und klettert auf seinen Fahrradsattel. In einer organisierten Reihe folgen ihm alle. Es ist immer noch kühl, aber nach etwas Bewegung scheint das Radfahren am Morgen ganz angenehm zu sein. Manche treten stärken in die Pedale, andere strampeln langsamer. Doch die Gruppe bleibt immer wieder kompakt. Auch wenn einige Radfahrer ein stärkeres Tempo setzten, wartet man unterwegs auch auf die langsameren Radler. Immer wieder sorgt ein Vertreter des Temeswarer Cycleclubs, dass alle Teilnehmer da sind und bieten Unterstützung im Falle einer Reifenpanne. Und solche Pannen sind etwas Übliches auf solchen Fahrten, denn das Gelände ist oftmals holprig: Mal fährt man über Felder, mal durch den Wald, dann wieder über Felder und Hügel. Der Boden bereitet auch immer wieder Überraschungen: Die Erde ist mal feucht und weich, mal trocken und hart, die Blätter auf dem Boden im Wald können für die Radfahrer sehr rutschig sein. Doch mit Vorsicht kann man es schaffen, auf seinem Fahrrad zu bleiben.

 

Nach eineinhalb Stunden kommt der meist erwartete Augenblick: die Pause. Rund um die Kneipe in Ianova setzen sich alle auf das Gras und gönnen sich ein Sandwich, Wasser oder Saft. Gleich nach der Pause geht es wieder los: Nun beginnt die eigentliche Herausforderung, denn nun soll es über die Hügel auf und runter gehen. Mit frischen Kräften radelt man bis am späten Nachmittag, ab und zu gibt es Pausen. Die Fahrradfahrer kommen in Temeswar erst gegen 21 Uhr an.

Fahrradtourismus - Gegend auf dem Sattel entdecken

„Aprilie Nebun“, auf gut Deutsch: „Der verrückte April“ ist in Temeswar schon seit einigen Jahren bekannt. 2008 sind die Fahrten unter diesem Namen ins Leben gerufen worden und gewannen von einem Jahr zum anderen immer mehr an Bedeutung. „Bei der erster Tour waren wir sieben Leute. Im kommenden Jahr 13, dann kamen jährlich immer mehr Teilnehmer hinzu“, erinnert sich Carol Varga an die Anfänge des „Verrückten Aprils“.

Carol Varga möchte aus dem einfachen Radfahren mehr machen. Seit Jahren veranstaltet er Touren durchs Banat, vor allem im Banater Bergland. Bereits in den Jahren vor der Wende 1989 fuhr er mit seinem Fahrrad durchs Montanbanat. Der Temeswarer wollte und will weiterhin das Fahrradfahren in der Natur fördern. „Ich sehe das als eine pure Erweiterung der menschlichen Mobilität”, sagt Carol Varga. „Radtourismus ist fast eine Naturerscheinung, etwas, was in der Natur stattfindet. Dazwischen kommt auch die künstliche Seite, die aus dem Fahrrad und der modernen Ausrüstung besteht“, fügt er hinzu.

Umweltfreund Varga veranstaltet zusammen mit der Radtourismus-Gemeinschaft jährlich mehrere Touren im Freien: „Aprilie Nebun” (Verrückter April), „OoctOOmbrie pe două roţi” (Oktober auf zwei Rädern”), „NightRide”, „CoolTour” oder „Astenia Tour”. All diese Touren wenden sich an eine Fahrradgemeinschaft, die sich übers Internet kennengelernt hat. Viele dieser Fahrten werden spontan von einem Tag auf den anderen veranstaltet. „Das ist auch das Besondere daran”, sagt der Fahrradbegeisterte.

Die meisten Teilnehmer sind körperlich gut auf das Vorhaben vorbereitet. Dies ist auch notwendig, denn manche Radtouren erstrecken sich sogar auf 100-160 Kilometern auf den verschiedensten Strecken und Wegen aus dem gesamten Banat. Die meisten Fahrradfahrten dauern ungefähr zwei-drei Stunden und finden in der Gegend um die Stadt Temeswar auf Entfernungen von bis zu 40 Kilometern statt, im Jagdwald oder auf den Wiesen entlang des Temesch-Flusses. Andere Touren dauern bis zu acht Stunden auf Strecken von 60 bis 100 Kilometern oder zwischen zehn und zwölf Stunden für die Touren „Aprilie Nebun” oder „Astenia Tour”. Carol Varga und seine Radfahrerfreunde begeben sich auch auf längere Radelerlebnisse. An manchen Wochenenden verbringen sie beispielsweise zwei Tage in Weidenthal/Brebu Nou im Banater Bergland oder in der Donauklamm. Die Begeisterten treffen sich bei solchen Fahrten meistens am Temeswarer Nordbahnhof, fahren dann mit dem Zug nach Karansebesch/Caransebeş, um von dort aus mit den Fahrrädern auf Asphalt und Pflasterwegen, durch Wald und Wiesen nach Weidenthal zu gelangen. Die Strecke von Karansebesch bis Weidenthal beträgt 50 Kilometer und wird auf zehn Stunden Radfahren  geschätzt. Nachdem sie die Nacht in einer Unterkunftsstätte verbringen, starten sie am kommenden Morgen in Richtung Reschitza/Reşiţa, um von dort aus entweder mit dem Zug oder sogar auf ihren Fahrrädern zurück nach Temeswar, auf einer 140 Kilometer langen Strecke, weiter zu fahren.

Es gibt auch längere Touren, wie zum Beispiel „MTBCamp” oder „Tour in der Donauschlucht”. Diese dauern bis zu einer Woche und werden bereits von den jeweiligen Reiseagenturen als Pakete für Radtourismus verkauft und gefördert. „Was den touristischen Aspekt angeht, so ist die Konkurrenz sehr groß, vor allem, seitdem der Öko-Tourismus in Westrumänien gefördert wird. Trotzdem ist dieser Tourismusbereich hierzulande noch ziemlich unbekannt und unterentwickelt, wenn wir uns mit dem Ausland vergleichen sollten”, erklärt Carol Varga. Durch seine Radtouren macht Carol Varga nicht nur für das umweltfreundliche Verkehrsmittel Lobby, sondern auch für seine Heimatregion, das Banat.

Weidenthal-Eibenthal – ein Konzept für die ganze Sommersaison

In diesem Jahr soll der Fahrradtourismus im Gebirge mehr gefördert werden. So entstand das Projekt „Weidenthal – Eibenthal – Mountainbike Experience“. Das Konzept ist laut Carol Varga einfach und sehr flexibel. „Es ist die Rede von einem saisonbezogenen Event. Dieses wurde 2011 initiiert und möchte das Potenzial des Cyclotourismus in der südwestlichen Bergland-Gegend fördern“, sagt Varga. Das Ereignis erstreckt sich über die ganze Sommersaison, vom 1. Mai bis zum 30. September. „Interessenten können sich die Zeitspanne wählen, die einzige Bedingung ist, dass sie in Weidenthal/Brebu Nou starten. Die Endstation ist die Ortschaft Eibenthal im Almăjului-Gebirge, in der Nähe der Donauklamm“, erklärt Förderer Varga. Die Route führt die Radfahrer über das Nemanu-, Semenik-, Aninei- und Almajului-Gebirge, über zahlreiche Kreis- und Gemeindestraßen, Forstwege und Pfade. Ein Team soll aus wenigstens drei Leuten gebildet sein. Jede Mannschaft bekommt in Weidenthal eine detaillierte Karte für die Route und andere Alternativstrecken, damit letztendlich das Ziel erreicht werden kann. Nachdem das Ziel erreicht wurde, müssen die Teilnehmer eine Fotoreportage und einen Bericht schicken. Diese werden auf einem öffentlichen Forum für den Informationsaustausch gepostet. 

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