Der Wachtmeister kommt zurück

Polizeireform auf dem Land gescheitert

Donnerstag, 06. September 2012

Stellen in den Polizeirevieren werden abgebaut. Außer den in die Dienststellen auf dem Land versetzten Beamten, werden massiv Absolventen der Polizeischulen zur Aufstockung des Personals aufs Land beordert. Im Bild: der Platz vor dem Polizeirevier in Sanktandres im Dezember 2011.
Archivfoto: Siegfried Thiel

Die Evaluierung der Reform in der rumänischen Dorfpolizei kommt früher als erhofft und von ganz allein: Ein Jahr nach dem Abschluss der Reform und der Einrichtung von Polizeirevieren in einigen Gemeinden der Verwaltungskreise kann diese Umstrukturierung als verfehlt angesehen werden.

Die Diebstähle auf dem Dorf nehmen zu. Geklaut wird aus Wohnungen, aus Autos und Stallungen, aber massiv auch vom Acker. Ein Jahr nach der Reduzierung der Polizeidienststellen und des Personals in den anderen Gemeinden, erweist sich diese Struktur als wenig tauglich und der Dorfpolizist muss erneut zurück auf die Kommunalwache im Dorfzentrum. Quästor Ioan Căbulea, Staatssekretär im Rumänischen Innenministerium, sagt: „Das Schwergewicht der Landpolizei wird erneut auf die Polizeidienststellen in den Gemeinden verlagert, wo in Zukunft statt einem nun im Durchschnitt drei Polizisten ihren Dienst versehen werden“.

Der Versuch aus dem vergangenen Jahr, verstärkte Einsatzkräfte über die Reviere zur Verfügung zu haben, ist grundsätzlich gescheitert. Hauptkommissar Eugen Sfichi, Leiter des Polizeireviers in Sanktandres/Sânandrei, kann oder darf der ADZ nicht viel darüber sagen. Am Telefon will er dies eh nicht tun. Auf Nachhaken sagt er bloß, dass es seiner Ansicht nach nicht daran gelegen habe, dass seine Polizeistreifen etwa zu spät am Tat-, Unfall-, oder Konfliktort angekommen seien. „Im Gegenteil, ich denke, die Streifenwagen aus dem Revier waren rechtzeitig am Ort des Geschehens“, sagt Sfichi.

„Was kann ein einzelner Polizist gegen eine Übermacht ausrichten?“ Mit dieser rhetorischen Frage wurde im vergangenen Jahr begründet, dass es durchaus Sinn macht, in den Kreisen Polizeireviere mit 25-30 Mann zu gründen. Zwölf an der Zahl gibt es im Kreis Temesch. Und verschwinden sollen die ja auch nicht, wie Staatssekretär Căbulea sagt: Allein zahlenmäßig abgebaut sollen sie werden, um das zusätzliche Personal auf die Dienststellen auf den Dörfern verlagern zu können; so heißt die neueste Devise. Die nahezu 90 Gemeinden im Verwaltungskreis Temesch erhalten also ihre alte Struktur mit Dienststellenleiter und durchschnittlich drei Polizeibeamten zurück. Vor einem Jahr, als am 30. September die Umstrukturierung als abgeschlossen galt, waren von den zwei oder drei Polizisten der Dienststelle nur ein einziger als Dorfpolizist mit einem Acht-Stunden-Programm zurückgeblieben. Die anderen sollten in kompakt in Konfliktsituationen aus dem Revier vorfahren sowie Streifendienst absolvieren.

„Ihr neues Amt im System ist attraktiver und besser bezahlt, deshalb glaube ich nicht, dass man da von ´Verlust´ sprechen kann“, hatte Kommissar Florin Bolbos, stellvertretender Leiter der Temescher Kreispolizei, Anfang Dezember 2011 der ADZ/BZ gesagt. Es ging ihm darum zu erklären, dass der Wechsel aus dem Stuhl des Dienststellenleiters auf dem Dorf zum Streifencop auf dem Revier nicht etwa einem Imageverlust gleichkäme.

Ob jeder auf dem Dorf richtig verstanden hat, wie es denn innerhalb eines Jahres um die Polizei im Gemeindezentrum bestellt war, bleibt dahingestellt. Vielleicht ist der Hühnerdieb schon mal von der Tatsache beeindruckt, wenn wieder mehr Polizisten im Ort auf Abruf sind, und zumindest von der Psychologie her dürfte auch der eine oder andere rechtschaffene Bürger um einiges ruhiger schlafen. Und nicht zuletzt: Der entmachtete ehemalige Dienststellenleiter liebäugelt wohl erneut mit seinem gewesenen Job, auch wenn der Chefsessel in der Zwischenzeit ein wenig vom Staub des ein Jahr lang leerstehenden Büros mitgenommen ist.

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