Der Weg in die Freiheit

Eine Kunstausstellung des Malers Arik Brauer in Bukarest

Samstag, 16. April 2016

Arik Brauer auf der Vernissage „Von Generation zu Generation“
Foto: Sarah Bioly

Im ersten Bild ist ein einzelner Mann zu sehen. Rechts und links auftürmende Wassermassen. Eine rote Spur, gesäumt von vereinzeltem Grün und Blumen, markiert den Weg. Die Bildunterschrift lautet: „Wenn Gott das Meer nicht für uns gespalten hätte...“. Das Bild demonstriert Israels Weg in die Freiheit, aber er scheint blutig zu sein – blutig vom Tod vieler Ägypter. Die Kunst des Sängers und Malers Arik Brauer lässt Raum zur Interpretation. Er wollte kein Abbild der Realität erschaffen, er wollte das Unsichtbare zwischen den Zeilen festhalten, erzählte er bei der Vernissage seiner neuesten Bilderreihe „Von Generation zu Generation“ . Vom 5.April bis zum 15.April wurde diese in der Creart Galerie in der Nähe des Kiseleff-Parks in Bukarest ausgestellt. Dabei sollte jeder die Gemälde und somit die jüdische Befreiung auf seine eigene Weise verstehen können. Geboren wurde Arik Bauer 1929 als Jude in Wien. Die Herrschaft der Nationalsozialisten beendete seine unbeschwerte Kindheit. Sein Vater starb im Konzentrationslager, er selbst überlebte nur, weil er in seinem Versteck nicht entdeckt wurde. Nach dem Sieg der Alliierten besuchte er die Akademie der bildenden Künste in Wien. Er wollte immer Geschichten erzählen, so Brauer. Sein ganzes Leben lang schon war er deshalb Maler.

Ihm gelang es jedoch nie, die Realität exakt abzubilden. Eine Fotografie könne dies viel besser als er, meinte Brauer. Er fand sich viel eher im phantastischen Realismus wieder – eine Stilrichtung, die nach dem Zweiten Weltkrieg als revolutionär galt. Zusammen mit Rudolf Hausner, Ernst Fuchs, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden gründete er damals die Wiener Schule des Phantastischen Realismus, der er auch mit seiner neuen Bilderreihe treu blieb. Dieses Mal entführte er uns zurück in die Zeit, als das Volk der Israeliten seinen Weg aus der Sklaverei antrat. Noch vor Christi Geburt soll dieses Ereignis stattgefunden haben. Jedes Jahr am Sederabend,zum Beginn des Pessach, feiern die Juden die damaligen Geschehnisse mit Liedern und symbolischen Speisen – die Anweisungen dafür sowie die Geschichte der jüdischen Befreiung stehen in dem Buch Haggada. Von Generation zu Generation werden dadurch die Erinnerungen an die Befreiung der Israeliten weitergegeben.

Mit seinen Gemälden bietet Brauer eine neue Perspektive auf die jüdischen Schlüsselereignisse und gleichzeitig einen leichteren Zugang zu den Geschehnissen für Nichtjuden. In der Creart Galerie ließ sich die Erzählung in vierundzwanzig Bildern bis zum Auszug der Israeliten aus Ägypten zurückverfolgen. Die Bibel spielte in seinem Leben immer eine große Rolle, erzählte Brauer. Die Idee des geteilten Meeres, um einen Weg aus der Sklaverei zu schaffen, faszinierte und inspirierte ihn – auch wenn er nicht an die Existenz des Ereignisses glaubt. Vielmehr war die Fantasie über diese Wunder für ihn ein Meisterstück der Kunst. Er griff einzelne Merkmale aus der Haggada heraus, um diese auf seine Art sichtbar zu machen.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 19.04 2016, 21:43
ist der Herr Brauer auf seine alten vielleicht noch religiös geworden, wenn er sich auf einmal künstlerisch mit der Geschichte der antiken Israeliten beschäftigt? Würde ein Goi ähnliche Bilder über den Auszug der Germanen aus Gotland, oder die Landnahme der Sachsen in Siebenbürgen malen, wäre das mediale Echo wohl etwas anders. Schrauben wir jetzt alle unseren auf die eigene Ethnie bezogenen Patriotismus zugunsten einer heterogenen pluralistischen Multi-Kulti-Gesellschaft zurück, oder nicht? Oder darf eh jede Ethnie ihren Patriotismus ausleben und wir tolerieren uns halt alle gegenseitig und keiner ärgert sich mehr über die glorifizierenden Heldengeschichten der anderen?

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