Der Ziegenbock als Gärtner

Umweltschützer: RNP Romsilva fällt nach wie vor „legal” in geschützten Arealen

Samstag, 11. März 2017

Berichten der Umweltschützer zufolge, verlassen täglich mindestens zehn mit Buchenholz vollbeladene Forsttransporter (das sind, bei einer durchschnittlichen Ladekapazität eines Holztransporters von 40 Tonnen, mindestens 400 Tonnen Ladung) den Nationalpark Domogled - Cerna-Tal. Und das soll in völliger Legalität geschehen, wie die staatliche Forstverwaltung RNP (Nationaler Regiebetrieb) Romsilva versichert. Die Holzeinschläge passieren in den Buchenwäldern unterhalb des Oslea Românescă-Gipfels im Domogled-Massiv, belegen Satellitenaufnahmen, die von den Umweltschützern auf www.inspectorulpadurii.ro veröffentlicht wurden.

Auf der Facebook-Seite der Umweltschützer über den Nationalpark Domogled - Cerna-Tal kann nachgelesen werden: „Der Nationale Regiebetrieb Romsilva genehmigt problemlos Holzeinschläge in den Hunderte Jahre alten Buchenwäldern des Parks, unter dem Vorwand, dass diese nicht in den Arealen des strengen Schutzes/Vollschutzes liegen, die im Managementplan des Nationalparks verzeichnet sind. Dies belegen auch die Fotos aus dem Weltraum auf www.inspectorul padurii.ro! Täglich kommen mindestens 10 vollbeladene Lkws aus jener Zone. Wir haben es mit legalisierten Holzeinschlägen zu tun, die durch die Genehmigung des Managementplans möglich wurden, auf dem eine unkorrekte Zonenaufteilung gemacht wurde, für welche die technisch-ökonomische Kommission des RNP verantwortlich zeichnet.”

Auf derselben Seite können zwei rhetorische Fragen nachgelesen werden, die es allerdings in sich haben: „Wie ist es möglich, dass ein Nationalpark bloß aus einer Fläche von 40-50 Prozent besteht, wo menschliches Eingreifen verboten ist – und diese ausschließlich in Gegenden mit Felsstürzen und auf den Alpinen Hochweiden liegen? Wo auf der Welt kann so etwas noch gesehen werden, während alle Empfehlungen des Internationalen Nationalparkverbunds IUCN betreffs Sonderschutzgebiete vorsehen, dass diese in einem Nationalpark ein Minimum von 75 Prozent der Fläche als Vollverbotsgebiet für menschliches Eingreifen umfassen müssen?”

Aufgrund der Berichte der Umweltschützer und der Medien reagierte der Nationale Regiebetrieb RNP Romsilva über sein Pressebüro mit einer Presseerklärung, dass nämlich die von den Umweltschützern in Umlauf gesetzten Informationen „total falsch” seien: „Eine Botschaft wie die (weiter oben – wk) zitierte ist von der Verwaltung des Nationalparks Domogled - Cerna-Tal nicht veröffentlicht worden. Wir haben es in den Medienbeiträgen mit schwerwiegenden journalistischen Fehlgriffen zu tun. Zur korrekten Information: In Natur- und Nationalparks können Forstarbeiten nur außerhalb der klar abgegrenzten Schutzzonen durchgeführt werden, im Einklang mit der Forsteinrichtung. In ihrer Mehrheit werden diese Eingriffe zur Konservierung der Wälder vorgenommen, für eine nachhaltige Entwicklung des zu bewahrenden Forstbestands.”

Fakt ist, dass es zwei Facebook-Seiten mit dem bis auf Details identischen Titel (Nationalpark Domogled - Cerna-Tal – in der rumänischen Schreibung Parcul Naţional Domogled - Valea Cernei und Parcul National Domogled - Valea Cernei, der Unterschied liegt nur in einem ţ oder t) gibt, von denen bloß eine von der Parkverwaltung, die andere von Umweltschützern aktualisiert wird. Inhaltlich und als Fakten stimmt jedoch das von den Umweltschützern Beanstandete: Nach wie vor geht es der staatlichen Forstverwaltung ums Prinzip: Wirtschaft vor Umwelt, nach wie vor ist mit der RNP Romsilva als Oberhoheit über die geschützten Areale der Ziegenbock zum Gärtner, der Wolf zum Hüter der Schafherde berufen worden.

Der Oslea Berg/-Gipfel liegt auf dem Hoheitsgebiet des Verwaltungskreises Gorj. Zum Nationalpark Domogled - Cerna-Tal gehören aus dem Banater Bergland die Gemeinden Cornereva (die größte Streusiedlung Rumäniens, mit über 35 Weilern), Mehadia, Teregova, Topletz, Zăvoi, Stadt und Kurort Herkulesbad, die Gemeinde Padeş und das Städtchen Tismana im Verwaltungskreis Gorj und vier Gemeinden im Verwaltungskreis Mehedinţi. Der Nationalpark Domogled - Cerna-Tal erstreckt sich über 60.000 Hektar.

Kommentare zu diesem Artikel

Helmut, 12.03 2017, 20:19
Ich werde an der Bushaltestelle abgeholt, um ein paar Wochen in einem entlegenen Dorf in Siebenbürgen zu verbringen. Zuerst redet am über die Neuigkeiten: Das Köhler-Ehepaar hat aufgeben müssen. Ihre Arbeit schädige den Wald und nach einer EU-Richtlinie sei die Köhlerei nicht mehr zulässig. Ich kann mir das schlecht vorstellen. Bei den Köhlern habe ich nie eine Motorsäge oder Rückfahrzeuge gesehen, ein paarmal Pferdefuhrwerke. Aus der engen Straße der Köhlerei kommen uns zwei riesige Langholz-Trucks entgegen. Wieder etwas gelernt: Durch das Ausstreuen von „alternativen Fakten“ spart man sich die Korruption.

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