Des einen Freud, des anderen Leid

Ein Jahr nach der Einführung des Rauchverbots in Rumänien

Mittwoch, 22. März 2017

Qualmen in der Kneipe gehört der jüngsten Geschichte an. Heute wird nur noch vor der Kneipentür geraucht.
Foto: Zoltán Pázmány

Das rumänische Rauchverbot trat am 17. März 2016 in Kraft: umstritten und unklar, löste es zahlreiche Unzufriedenheiten aus und teilte Raucher und Nichtraucher in zwei Meinungsgruppen. Wer hat sich wohl ein Jahr später an die Vorschriften angepasst?

 

Es ist Freitagmittag. Vor dem Café „Cafeneaua Verde“ am Temeswarer Freiheitsplatz stehen im Nieselregen drei Personen – zwei Männer und eine Frau. Nach einem entschlossenen letzten Zigarettenzug lassen sie die Kippen im Aschenbecher vor dem Eingang glimmen. Dann betreten sie das Kaffeehaus und setzen sich wieder an ihre Tische in der Nähe des Eingangs. Nach bloß einigen Momenten wird ihnen das Mittagsessen serviert.

„Könnten Sie mir bitte Ihr Feuerzeug kurz ausleihen?“ fragt Andrei vor dem Eingang in das Scottish Pub in der Savoya-Straße in Domplatz-Nähe. Es ist kurz nach Mitternacht und der 25-jährige Mann ist gerade die Treppen aus dem Club heraufgestiegen, um eine begehrte Zigarette zu rauchen. Auch andere Raucher stehen in der Fußgängerzone. Die meisten sind ziemlich dünn angezogen - so wie im Club eben – und hüpfen von einem Bein auf das andere, um sich zumindest ein bisschen zu erwärmen. Sie lächeln sich wie Komplizen an und kommen ins Gespräch. „Das Rauchen macht uns zu Leidensgefährten“, scherzt Andrei. Seit einem Jahr ist der junge Mann einer von denen geworden, die beim Ausgehen viel Zeit vor Kneipen- und Clubtüren verbringen, denn Rauchen ist in Innenräumen rumänienweit verboten. „Ich hab´ mich daran gewöhnt“, sagt der 25-Jährige. Roxana, die junge Frau neben ihm, macht es auch nichts aus, ab und zu aus dem Lokal zu gehen und dort zu qualmen, lässt sie wissen. „Meine Klamotten und Haare stinken nicht mehr nach Aschenbecher und den Rauch anderer Leute muss ich auch nicht mehr einatmen“, setzt die junge Frau fort.

Kaum ein Thema hat Gemüter in Rumänien so sehr gespalten wie das Rauchverbot. Kneipeninhaber hatten sich Sorgen um das Überleben ihres Geschäfts gemacht und Zigarettenhersteller bangten um ihre Verkäufe. Die meisten Kneipen überlebten das Rauchverbot, jedoch mit kleineren Einnahmen und weniger Kunden in den ersten Monaten, sagen Clubbetreiber in Temeswar. Einige Kneipen mussten schließen, andere - sich neu erfinden. So auch das Café „Cafeneaua Verde“ (zu deutsch: „das grüne Kaffeehaus“). In den ersten drei Monaten nach der Umsetzung des Rauchverbots ist das Einkommen des Lokals um 80 Prozent gesunken, sagt Bogdan Durău, der Besitzer des Temeswarer Cafés. Das Kaffeehaus setzt seitdem den Schwerpunkt auf die angebotenen Speisen und auf das angenehme Ambiente – hier werden Pizza und Burger sowie Suppen und Salate serviert. Volles Haus herrscht hier vor allem während der Mittagszeit. „Es freut uns, dass unsere Kuchen endlich nicht mehr nach Rauch schmecken“, sagt Bogdan Durău. Und die Kunden scheinen das auch zu schätzen. „Ich muss zugeben: Ich habe immer noch Vorurteile manchen Lokalen gegenüber, wo früher viel geraucht wurde. Ich vermeide auch jetzt einige Orte, bloß, weil mir der Rauch bis heute noch tief in den Lungen und im Kopf stecken geblieben ist. Ich war überrascht, das ´Cafeneaua Verde´ heute neu zu entdecken“, sagt der Temeswarer Nichtraucher Árpád.

Im YoYo Café wurde nie geraucht. Die kleine Coffee-To-Go-Stube an der Busiascher-Straße wurde vor wenigen Monaten eröffnet. „Kaffee und Zigaretten waren früher unzertrennlich. Die Leute hingen stundenlang bei einem Getränk und zehn Zigaretten rum. Nun muss man mehr bestellen und auch neue Gewohnheiten entwickeln“, sagt Inhaber Marius Macavei. Die Lokale sind nach dem Inkrafttreten des Rauchverbots kinderfreundlich geworden: Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder in Cafés und Restaurants mit. „Ich sehe das Gesetz als ein Plus für die gesamte Gesellschaft“, sagt die junge Mutter Ina Muntean.

Des einen Freud, des anderen Leid: Kunden bestellen weniger Alkohol, seitdem das Rauchverbot in Rumänien gilt, sagen Temeswarer Clubbesitzer. Auch der Temeswarer Club Molly Malone´s zieht Bilanz nach der Einführung des Rauchverbots im März des vergangenen Jahres. „Die Anzahl der Kunden ist unverändert geblieben, jedoch ist der Konsum gesunken und das geht Hand in Hand mit dem Rauchverbot“, sagt Clubmanager Daniel Vatau. Auch Zigaretten werden im Club weniger verkauft. Das gesamte Einkommen ist im letzten Jahr um 30 Prozent gesunken – betont Daniel Vatau.

Ein Großteil der Raucher hält aber das Verbot für gut, weil sie dadurch weniger rauchen. Tünde Helene Maier ist für die Öffentlichkeitsarbeit beim Scottish Pub zuständig. „Das Verbot brachte mich, eine ehemalige Kettenraucherin, dazu, für sechs Monate das Rauchen komplett zu lassen. Nun zünde ich mir nur noch gelegentlich eine Zigarette an“, sagt die junge Frau. „Es war nicht das Rauchverbot, das Kunden während der Winterzeit zu Hause hielt. Sondern vor allem die Kälte“, glaubt die Frau zu wissen.

Alles begann 2013 in Klausenburg/Cluj-Napoca, als sich eine Online-Petition für die Einführung eines Rauchverbots in Rumänien stark machte. Dies führte zu einem tatsächlichen Gesetz, das März 2016 in Kraft trat.

 

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