Deutsch-Kreuz im Vorfieber

Sechs Dörfer bereiten sich auf die Haferland-Kulturwoche vom 6.-10. August vor

Sonntag, 26. Juli 2015

Sofia Folberth zeigt in der Kirche von Deutsch-Kreuz die Nachbarschaftszeichen und erzählt, wie die sächsische Dorfgemeinschaft in ihrer Jugend organisiert war.

Mariana Purghel von der Organisation „Viscri începe“ weist uns in die Kunst des Filzens mit buntgefärbter Naturwolle ein.

Die Journalistengruppe beim Hanklich-Backen im Kellergewölbe der Begegnungsstätte „Casa Kraus“ in Deutsch-Kreuz

Mit dem Mountainbike vier Kilometer durch herrliche Naturlandschaft - auf dem Radweg von Deutsch-Kreuz nach Bodendorf.

Störche bewohnen das Nest über dem Eingang zur Kirchenburg.
Fotos: George Dumitriu

Mit dem Mountainbike am Bach entlang, vorbei an duftenden Wildblumenwiesen... Eben noch die Hände im Teig vergraben - und Minuten später goldgelbe Hanklich, ofenfrisch, mit einem kühlen Glas Weißwein verkosten... In der schattigen Kirchenburg den spannenden Erzählungen von Sofia Folberth lauschen, der 93-jährigen Sächsin, die jeden Sommer als „Burgführerin aus Leidenschaft“ in ihr altes Heimatdorf zurückkehrt... Oder bei strahlendem Sonnenschein auf der Terasse des Pfarrhauses aus bunter Schafwolle witzige Pantoffeln filzen: So bereitet uns Deutsch-Kreuz/Criţ auf die Haferlandwoche vor! Hier ein kleiner Vorgeschmack auf die Aktivitäten und zahlreichen Überraschungen, die Sie dort und in den übrigen fünf Dörfern erwarten.

 Die Kulturwoche unter dem diesjährigen Motto „Die Sachsen im Haferland“ ist Ideenkind des aus Deutsch-Kreuz stammenden Unternehmers Michael Schmidt und des Rocksängers Peter Maffay, der im nahen Radeln/Roadeş eine Stiftung für traumatisierte Kinder betreibt. Mit ihrer alten Heimat tief verwurzelt, haben die beiden  vor drei Jahren damit eine Vision zum Leben erweckt  - Erinnerungen an altes Kulturgut, Brauchtum und traditionelles Handwerk in der Region wieder aufleben zu lassen und gleichzeitig die dortigen Organisationen zu vernetzen, die sich Bildung, Naturschutz, dem Erhalt von altem Handwerk, traditioneller Landwirtschaft und Baukunst sowie sozialen Projekten verschrieben haben: die Michael Schmidt Stiftung, die Tabaluga Stiftung von Peter Maffay, der Mihai Eminescu Trust (MET) aus Deutsch-Weißkirch/Viscri und die Stiftung Adept aus Keisd/Saschiz.

Von Anbeginn an erwies sich die Idee als Erfolg: Etwa 5000 Besucher aus dem In- und Ausland strömten bereits im ersten Jahr ins Haferland, freut sich Wolfgang Köber von der Michael Schmidt Stiftung.650-700 kamen allein zu der Präsentation von Deutsch-Kreuz. Die Veranstaltung steht außerdem unter der Schirmherrschaft des Bauftragten der deutschen Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, MdB Hartmut Koschyk.

Sechs Dörfer stellen sich vor:
Während der Haferlandwoche steht täglich eines der sechs teilnehmenden Dörfer  - Schweischer/Fişer, Radeln, Deutsch-Weißkirch, Deutsch-Kreuz, Keisd und Meschendorf - im Vordergrund.  Das Programm beginnt am 6. August um 17  Uhr im evangelischen Seniorenheim von Schweischer mit einem Generationentreffen.

Am 7. August wird um 10 Uhr in Keisd die neue Töpferwerkstatt der Adept-Stiftung eingeweiht. Hier soll die typische Keisder Keramik - filigrane weiße Motive auf kobaltblauem Grund - originalgetreu reproduziert und zum Verkauf angeboten werden, Demonstrationen und Workshops inbegriffen. In Keisd lohnt sich auch eine Stippvisite ins Büro der Adept-Stiftung mit ihren zahlreichen Projekten zum Erhalt von Biodiversität und traditioneller Landwirtschaft. Die Kirchenburg von Keisd gehört  zum UNESCO-Welterbe und ist selbstverständlich ein Muss! Besonders beeindruckend: ein Aufstieg über das Gewölbe der Kirche, mit Zugang zu den Schießscharten und Pechnasen, von wo aus einst die Verteidigung erfolgte.

Am Nachmittag desselben Tages präsentiert das im Ensemble als UNESCO-Welterbe eingetragene Dorf Deutsch-Weißkirch die  bisherigen Ergebnisse  einer erfolgreichen Denkmal- und Kulturpflegestrategie.  Um 17 gibt Organistin Gerhild Gross ein Konzert in der Kirchenburg, gefolgt von einem sächsischen Geschichtenabend mit Dietmar Gross um 20. Uhr in der Scheune des Pfarrhofes. 

Liebhaber von Handarbeitskunst finden im  Bastelladen- und Cafe der Organisation „Viscri începe“ sicher ein passendes Souvenir: witzige Filzpantoffel, Täschchen, Wollsocken und viel mehr - das Werk von über 80 Dorffrauen aller Altersklassen. Der Erlös fließt sozialen Projekten  zu. Wer Lust hat, selbst Filzen zu lernen, kann sich zu einem Workshop anmelden. Dass die Arbeit mit Naturwolle und Seifenschaum vor allem im Sommer Spaß macht, durften wir anläßlich des Info-Trips für Journalisten nach Deutsch-Kreuz  miterleben - neugierig beäugt von vier Storchenjungen, die über dem Eingang der  Kirchenburg thronen. „Seit 74 Jahren gibt es dieses Nest - und es war immer belegt“, frohlockt Sofia Folberth.

Am  8. August lädt Deutsch-Kreuz zu einem vielseitigen Festtag ein:  Um zehn Uhr starten die Teilnehmer des Transilvania Bike Trails Race, mit dem die Stiftung Adept auf Umweltschutz und sanften Tourismus aufmerksam machen will. 62 Kilometer Radwege wurden von dieser schon angelegt. Insgesamt 100 Kilometer sind geplant, um zehn Dörfer mit Schäßburg zu verbinden. Die Radwege sind nur für Mountainbikes geeignet; Verleihe mit über 60 modernen Rädern und Abholservice stehen in Deutsch-Kreuz (Pension Elena), Bodendorf und Schäßburg zur Verfügung. Kartenmaterial und Smartphone Apps hierzu sind in Arbeit, erklärt Cornel Stanciu von Adept.

Um 11Uhr hält der evangelische Bischof Reinhart Guib in der Deutsch-Kreuzer Kirche den Festgottesdienst ab. Nach einem  Mittagessen mit regionalen kulinarischen Köstlichkeiten folgt ein außergewöhnliches Konzert unter der Leitung von Steffen Schlandt: Orgel- und Kammermusik in der Kirche. Dank der besonderen Akustik im Kirchenschiff kann sich der Klang der 2013  restaurierten Thois-Orgel dort optimal entfalten.

Als besondere Überraschung kündigt Wolfgang Köber die Eröffnung einer Ausstellung zum „Jahr der Bildung“ an, realisiert von der Michael Schmidt Stiftung, die sich der Förderung des deutschsprachigen Schulwesens in Rumänen verschrieben hat.  Für den Höhepunkt des Abends in Deutsch-Kreuz sorgt ein traditioneller sächsischer Ball mit Live-Musik. Dort wird die originelle Pfarrer-Band „Trio Saxones“, die schon beim Heimattreffen in Dinkelsbühl für Furore gesorgt hatte, ihr erstes großes Konzert in Siebenbürgen geben.

Am 9. August präsentiert sich ab 14 Uhr die Tabaluga Stiftung von Peter Maffay in Radeln mit einem kleinen Sommerfest. Dabei werden die Stiftungseinrichtungen vorgestellt, eine neue Werkstatt eröffnet und über die Arbeit der Stiftung informiert.

Am 10. August klingt die Haferlandwoche in Meschendorf - dem „unberührten Dorf“ - mit einer geführten Tour durch die Wehrkirche aus dem 15.-16. Jh aus. Eine  Besichtigung der lokalen Wasserbüffelfarm  und der sogenannten Teufelsschlucht wird ebenfalls geboten.  
Längst hat das Haferland sein Image von einst gewandelt  - von dem kargen Landstrich, in dem kein Wein, sondern nur Pferdefutter wächst, wie die Siebenbürger Sachsen selbst spöttisch bemerkten -  zu einem spannenden Abenteuerland für authentisches Erleben von Natur und Kultur!

Kommentare zu diesem Artikel

Hans, 30.07 2015, 23:29
Man merkt, daß sich hier einer ausläßt, der wie andere seiner Art sich nicht ausreichend dokumentiert hat.
Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tuhen bzw. schreiben/sagen.
Dan: undurchsichtige Geschäfte? Was verstehst Du unter durchsichtig? Hat er auch mit Kindern gehandelt, wie man es auch anderen schon vorgeworfen hat?
Neureich? Der Mann hat vielen Leuten geholfen und gibt auch anderen etwas ab davon. Kann dir zahlreiche nachhaltige Beispiele im Haferland nennen. Frag ihn am bessten selbst. Er wird Dir sicher gerne geduldig auf deine Fragen antworten. Vorher aber: was hast Du im diesem Leben nachhaltiges gemacht, außer diesen Stänkertext zu posten, der bleibt?
dan, 28.07 2015, 08:38
Michael Schmidt ist ein neureicher Sb. Sachse, der sein Geld in undurchsichtigen Geschäften in Bukarest gemacht hat/macht.

Was die "Abenteuerland"-Aktivitäten betrifft, die auch die Kultur der Sb. Sachsen heben sollen, sind alle, außer der Töpferwerkstatt der Adept in Keisd, nur einmalige Angelegenheiten- d.h. Eintagsfliegen.

Von Nachhaltigkeit dieser Aktivitäten keine Spur.
So entsteht der Eindruck, daß die Neureichen, die sich dort niedergelassen haben, unter dem Nicken der Kirche nur ihren eigenen Namen durch die Aktivitäten verschönern wollen.

Denn sofort nach Beendigung der "Haferlandwoche" wird die Gegend leer sein, genauso leer wie davor-- und nichts wird sich ändern.
Es sei denn, daß rumänische und massentouristische Mountainbiker, Quadfahrer, Endurofahre, Autobusse nach Weisskirch fahren werden.
Wo dann solche Aktivitäten, kann man bei Bran oder noch besser in Schäßburg oder Rosenau hautnah miterleben: Zerstörung der Umwelt, Verschwinden der lokalen authentischen Bräuche und Kulturen zulasten einer Massenkonsum-Kitschkultur, die zwei Neureiche noch reicher werden lässt, ansonsten aber der lokalen Bevölkerung mitnichten hilft.

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