Deutsch-Rumänische Stiftung schließt EU-Projekt ab

61 Personen zu Einzelhandelskaufmann und Handelstechniker ausgebildet

Dienstag, 25. September 2012

Die Diplomverleihung fand im Adam-Müller-Guttenbrunn-Saal statt. Für die Vergabe war der Leiter der Industrie- und Handelskammer Ludwigshafen, Michael Böffel, angereist.
Foto: Zoltán Pázmány

Die Deutsch-Rumänische Stiftung in Temeswar/Timişoara hat in Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen Hornbach und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ludwigshafen Weiterbildungen für junge Langzeitarbeitslose veranstaltet. Als Vorbild diente das deutsche Modell der dualen Berufsausbildung. Mitte September dieses Jahres wurde das dreijährige Projekt abgeschlossen und den Teilnehmern in einer Festveranstaltung die Diplome überreicht.
Rumänien braucht ein duales Berufsausbildungssystem. Vieles würde dafür sprechen, meinen Vertreter der deutschen Wirtschaft, die sich schon seit einigen Jahren für eine Einführung desselben aussprechen. Michael Böffel von der IHK Ludwigshafen führt Deutschlands niedrige Jugendarbeitslosigkeit als positives Beispiel auf. Sie sei die derzeit niedrigste innerhalb der Europäischen Union. Auch der Leiter der Deutsch-Rumänischen Stiftung, Nicolae Cernei, sieht in der dualen Berufsausbildung die Zukunft.

Das kürzlich abgeschlossene EU-Projekt der Stiftung hätte erneut gezeigt, wie förderlich eine parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule sein kann. Bei dem feierlichen Abschluss überreichte Böffel als Vertreter der IHK 61 Diplome an Langzeitarbeitslose, die an einer Weiterbildung zum Kaufmann/frau im Einzelhandel sowie zum Techniker im Handel teilnahmen. Zwei Jahre lang besuchten die Teilnehmer Kurse, während sie gleichzeitig bei dem deutschen Unternehmen Hornbach ein Praktikum absolvierten. Insgesamt 47 Absolventen wurden von Hornbach am Ende ihrer Praktikumszeit angestellt. Der Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Klaus Christian Olasz, lobte die Initiative. „Das größte Potenzial eines Landes seien die Menschen”, so der Konsul. „Und das Projekt hätte eben darin investiert.”

Die Praxis

Hornbach eröffnete im Sommer dieses Jahres seinen fünften Baumarkt in Rumänien und seinen ersten in Temeswar. Gerhard Stolz, Ausbildungsleiter bei Hornbach, nannte die Gründe, weshalb sich das Unternehmen für eine duale Berufsausbildung in Rumänien stark macht: Man möchte Mitarbeiter und Führungskräfte aufbauen. Es wurden auch acht Teilbereichsleiter ausgebildet, die in der neuen Hornbach-Filiale arbeiten. Mit einer Ausnahme sind alle unter 30 Jahre alt. Weil der Baumarkt in Temeswar noch nicht stand, wurde der praktische Teil der Ausbildung in Kronstadt/Braşov und Bukarestabsolviert. Die Teilnehmer selbst kommen aus unterschiedlichen Gegenden des Landes. Ein Großteil stammt gebürtig aus Jassy/Iaşi.
„Es wurde nicht bloß Beschäftigungstherapie geleistet”, meinte der Konsul. Stattdessen würde man von klaren, konsequenten Fortbildungen sprechen. Obwohl Temeswar und die Region wirtschaftlich stark sind, dürfte man den sozialen Sektor nicht vernachlässigen, so Olasz weiter, dieser würde große Aufmerksamkeit verdienen.

Die Abschlussveranstaltung wurde auch von einem Zwischenfall überschattet. Bei der Diplomvergabe zerriss einer der Absolventen aus Protest sein deutsches Zeugnis. Er drückte seine Enttäuschung darüber aus, dass er zu den 14 Personen gehörte, die nicht von Hornbach eingestellt wurden. Gerhard Stolz erwähnte diese Begebenheit eher beiläufig während seiner Ansprache. Er drückte seine Zuversicht aus, dass diese Person mit dem erworbenem Diplom auch bei einem anderen Unternehmen mühelos eine Arbeitsstelle finden werde. Gerhard Stolz nahm den Ausbruch des Mannes scheinbar gelassen auf. Aufgebrachter wirkte Michael Böffel von der IHK, denn das deutsche Diplom ist europaweit gültig. Nicolae Cernei meinte im Anschluss: „Damit hat er eher seine eigenen Chancen verspielt.“

...und die Theorie

Die 61 Teilnehmer mussten am Ende der Weiterbildung Prüfungen ablegen, um einen doppelten Abschluss zu erhalten. Von rumänischer Seite wurde den Kursteilnehmern ein Diplom als Handelstechniker verliehen. Die Industrie- und Handelskammer Rheinland-Pfalz stellte über ihre Filiale in Ludwigshafen Diplome als Einzelhandelskaufmann/frau aus.
Für den theoretischen Teil der Ausbildung war die Deutsch-Rumänische Stiftung zuständig. Sie passte die Lehrpläne dem deutschen und dem rumänischen Bildungsprogramm an, organisierte die Prüfungen und kümmerte sich um Unterkunft und Verpflegung der Teilnehmer.

Für das deutsche Diplom wurden die Teilnehmer von einer IHK-Kommission geprüft.
Das dreijährige EU-Projekt kostete 12.618.410 Lei, von denen nur 73 Prozent ausgegeben wurden. Neben der Finanzierung der Weiterbildung konnte im Rahmen dieses Projektes auch eine Beratung für rund 3900 Arbeitslose ermöglicht werden.

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