Deutsch schlägt Brücken

Bachelor-Abschluss an der Abteilung für Bauingenieurwesen

Mittwoch, 02. Juli 2014

Brückenbauer von morgen: Das sind die Absolventen der deutschen Abteilung für Bauingenieurwesen Jahrgang 2014. Prof. Dr.-Ing. Radu Bancila (mitte) gründete vor 23 Jahren die Abteilung und kämpft bis heute um ihren Erhalt. Foto: Privat

Ilisie Lucian wollte eigentlich Architektur oder Schauspiel studieren. Das Erste hat nicht geklappt, das Zweite war ihm dann doch zu unsicher. Bauingenieurwesen wurde somit sein Plan B. Der Arader hatte nach einem Studium in deutscher Sprache gesucht und stieß auf die Abteilung für Bauwesen an der Polytechnischen Universität Temeswar. Heute studiert Lucian in München. Gleich zwei Bachelor-Diplome hat er in der Tasche: Im Herbst 2013 schloss er sein Studium an der TU München ab und Ende Juni an der „Politehnica“. In zwei Jahren wird Lucian seinen Master in München abschließen und dann als Ingenieur in Deutschland arbeiten. Denn junge Fachkräfte von seinem Schlag werden im Ausland dringend gesucht. Vielleicht wird er auch nach Rumänien zurückkehren. Irgendwann. Dafür müssen sich aber die Arbeitsbedingungen ändern und der Gehalt stimmen. In Deutschland würde ein junger Ingenieur wie Lucian das Vierfache verdienen als in Rumänien. Umsonst kriegt man dann Heimweh, wenn man sich keine vernünftige Existenz aufbauen kann.

Seine Kommilitonin Firan Mirabela möchte später eine akademische Laufbahn einschlagen. Sie will nach dem Master ihren Doktor machen und danach unterrichten. Sie hat genau wie Lucian die Hälfte ihres Bachelorstudiums in Deutschland an der TU München gemacht. 1993 hat die „Politehnica“ und die TU München einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Dieser ermöglicht rumänischen Studenten von der deutschen Abteilung für Bauingenieurwesen ihr Studium ab dem zweiten Studienjahr in Deutschland fortzusetzen und dort auch abzuschließen. Nach erfolgreichen Abschluss der notwendigen Anzahl an Semestern und der Verteidigung ihrer Bachelorarbeit sowohl in München als auch in Temeswar/Timisoara, erhalten die Studierenden ein deutsches und ein rumänisches Diplom.

Für die Studenten ist es eine große Chance. Aber auch die deutsche Industrie profitiert davon, weil immer weniger junge Menschen eine Ausbildung zum Ingenieur anstreben und durch den Kooperationsvertrag die Hochschulen aufstocken können. Wer davon kaum einen Nutzen zieht, ist das rumänische Baugewerbe. Das Land verliert zunehmend ausgebildete und talentierte Menschen. Das sogenannte „Brain Drain“ ist ein Problem, das auch Industrieländer wie Deutschland belastet. Auch Österreich verliert seit Jahren Hochqualifizierte – pro Jahr rund 10.000 Personen.  Diese Länder können aber das entstandene Vakuum mit qualifizierten Fachkräften aus Entwicklungsländern füllen, zumindest in der Theorie. In Österreich würde man pro Jahr einen Zustrom von 30 000 vorwiegend ungelernten ausländischen Arbeitskräften verzeichnen. Rumänien hat es noch schwerer, weil es eben kein Einwanderungsland ist. Darum kann es selbst auf eine Anwerbe-Taktik nicht zurückgreifen. Was es auch nicht macht. Das Arbeitsministerium bringt kaum Ansätze, wie man junge Fachkräfte im Land behalten soll.

Bei der BA-Diplomvergabe an der deutschen Abteilung für Bauingenieurwesen wurden auch zwei Sonderpreise verliehen, die jährlich vom Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar gestiftet wird. Es handelt sich um zwei Urkunden und Buchpreise für die beste und die originellste Diplomarbeit.

Mirabelas Arbeit befasste sich mit den in Deutschland gebauten Brücken über die Donau. Es gibt mehrere hundert, entschieden mehr als in Rumänien. Deutschland kennt sich mit dem Bau von Brücken eher aus. Darum bleiben auch hoch qualifizierte junge Menschen wie Ilisie Lucian und Firan Mirabela dort. Und man kann es ihnen nicht verdenken, schließlich muss gute Arbeit belohnt werden. Ein Grundsatz den Rumänien noch lernen muss. 

Kommentare zu diesem Artikel

Johann, 05.07 2014, 23:13
Lieber Robi,

Wer ist Runaenien ? In diesem Sinne sind es die Summe aller Arbeitgeber in Rumaenien. In Rumaenien wird Arbeit gerecht entlohnt werden, wenn dafuer gekaempft wird. Gekaempft kann nur werden, wenn die Rechte der Arbeitnehmer gestaerkt werden. Ein deutsches Betriebsverfassungsgestz muss her. Ohne Staerkung der Arbeitnehmerbank bleibt alles nur Makulatur. Ohne Druck werden Arbeitgeber nie das Entlohnungsniveau anheben. In anderen Volkswirtschaften traegt sicher der Arbeitsmarkt (Angebot-Nachfrage) zu einer gewissen Regulierung bei, aber nur bei funktionierenden Marktwirtschaften. Marktwirtschaft, die in Rumaenien weitestgehend ausgehebelt ist. Deine kritische Anmerkung zum Thema Abwanderung ist begrueßenswert, ist aber nicht bis zu Ende gedacht. Ich denke, dass der Verkauf von Deutschen und Juden mit etwas Wohlwollen zu bewerten ist. Einige Volkswirtschaften verlieren, andere gewinnen. Wie koennte ein Ausgleich aussehen ? Ist er gefragt / Will man ihn ?
Wenn man dem EU Gebot der gleichmaeßigen , harmonischen Entwicklung aller Regionen in Europa, sprich Reduzierung OST-WEST , NORD-SUED Gefaelle, Rechnung traegt, dann muesste ein Ausgleich falls er nicht fakultativ gewaehrt wird, rechtlich durchsetzbar sein. Es gilt also: "Wo kein Klaeger , da kein Richter " oder "Wo kein Antrag, da kein Verwaltungsakt" Also rufe ich zur Quantifizierung des volkswirtschaftlichen Verlustes , sprich Schadens , auf.

Gruß,

Johann

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*