Deutsche Gast- und Auslandslehrer

Ein Wiedersehen mit Jürgen Fischer

Samstag, 12. April 2014

Jürgen Fischer in der KR-Redaktion. Foto: Ralf Sudrigian

Jürgen Fischer war zwischen 1992 und 1995 aus Deutschland (Thüringen) entsandter Gastlehrer am Kronstädter Honterusgymnasium. Zwischen 1995 und 2000 war er in Temeswar, ebenfalls von deutscher Seite entsandt, zunächst als Fachschaftsberater, dann im Bereich berufliche Ausbildung tätig. Seine berufliche Laufbahn führte ihn in der Zwischenzeit auch nach Albanien, Afghanistan und in den Kosovo. Anlässlich seines Aufenthalts in Kronstadt (eine Stadt, der er, verglichen mit früher „ein freundlicheres Gesicht“ bescheinigt) ergab sich die Gelegenheit, mit Jürgen Fischer, der nun ehrenamtlicher Mitarbeiter der deutschen „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“ (Arbeitsgruppe Auslandslehrerinnen und Auslandslehrer/AGAL) ist, über Gastlehrer und ihre Arbeit zu sprechen.

Wer als Gastlehrer/in arbeitet, müsse sich vor allem mit den kulturellen Bedingungen im Gastland vertraut machen. „Es ist ein großer Trugschluss, als Lehrer ins Ausland zu gehen und zu denken: ‘Jetzt kann ich alles in Deutschland Gelernte zu hundert Prozent umsetzen’”, sagt Fischer. Man müsse die Situation vor Ort richtig einschätzen und berücksichtigen, Prioritäten setzen und vor allem bereit sein, seinen eigenen Beitrag zu leisten. Besondere Voraussetzungen müssten eigentlich nicht geschaffen werden, um als Gastlehrer in einem Land tätig zu sein. Er selber sei, sowohl in Kronstadt als auch in Temeswar oder Tirana, durchaus gut aufgenommen worden und habe nette Kollegen und Kolleginnen kennengelernt. Was allerdings, aus seiner Sicht, noch verbessert werden könne, betrifft eher die deutsche Seite: „Die Vorbereitung der Lehrer für den Auslandsschuldienst in Deutschland kommt durch das Bundesverwaltungsamt etwas zu kurz.“

Über seine damaligen Schüler in Rumänien hat er eine gute Meinung. Nach der Disziplin der hiesigen Schüler befragt, sagt Fischer, diese sei, seiner Erfahrung zufolge, wesentlich besser als in Deutschland, was aber wohl von Schule zu Schule sehr unterschiedlich sein könne. Über Schuluniformpflicht werde in Rumänien, wie auch anderswo, kontrovers diskutiert; die Uniform an und für sich sollte eigentlich keine Rolle im Unterricht spielen. Was aber wesentlich sei, besonders für Rumänien, betrifft die Entlohnung der Lehrkräfte: „Eine gute Entlohnung der Lehrer ist, meiner Meinung nach, äußerst wichtig, um auch einen guten qualitativen Unterricht bieten zu können.“ In Deutschland sei die Entlohnung der Lehrer „ausgezeichnet“, allerdings mit der Bemerkung, dass, selbst nach gut 20 Jahren nach der Wiedervereinigung, doch noch große Unterschiede zwischen Ost und West bestehen.

Jürgen Fischer erinnert daran, dass ein guter Lehrer mehr sei als nur ein Wissensvermittler. „Er ist ja auch dazu da, junge Menschen zu befähigen, im Leben bestehen zu können.“ Wenn das auch Schüler in Bezug auf ihre Lehrer erkennen, wie er es in der Rede eines Honterus-Absolventen im Jahrbuch 2012/2013 des Lyzeums lesen konnte, sei das umso bemerkenswerter. Und die Teilnahme des Honterusgymnasiums am Projekt „Fit for future“ ist ein wichtiger Schritt, junge Menschen für die Zukunft vorzubereiten.

Zum Unterschied von Rumänien werde in Albanien Deutsch ausschließlich als Fremdsprache unterrichtet, wobei Deutsch, nach Englisch, die zweite Fremdsprache ist. In Tirana gibt es aber seit mehreren Jahrzehnten eine sehr gute Fakultät für deutsche Sprache, an der sich 50 – 60 Studenten pro Semester einschreiben. Die Präsenz deutscher und österreichischer Firmen stärke auch das Interesse der Jugend für Deutsch.

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