Deutsche im fremden Rumänien

Freitag, 20. Juli 2012

Kaputte Straßen, renovierungsbedürftige Häuser, zerrissene Gehwege, fremde Menschen und Pferdekutschen auf der Hauptstraße sind Bilder, die für immer in meinem Kopf bleiben werden.

So lebenslustig und risikobereit meine Eltern vor einigen Jahren waren, entschlossen sie sich, nach Rumänien zu ziehen, obwohl wir in Deutschland ein gutes Leben geführt hatten. Meine Geschwister und ich konnten uns mit dem Gedanken nicht sofort anfreunden, aber waren bis zuletzt damit einverstanden. Also nahmen wir dieses Risiko in Kauf und wagten einen großen Schritt: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge gaben wir Rumänien eine gewaltige Chance.

Dort angekommen, waren wir alle erst einmal optimistisch und freuten uns auf das große Haus und den Garten mit den lebensfreudigen Hunden und Katzen. Die Zeit verging und wir versuchten, so gut wie es nur möglich war, uns an das neue Leben zu gewöhnen. Mein Vater hat sich sehr schnell an die rumänischen Lebensbedingungen angepasst, meine Mutter, meine Geschwister und ich versuchten das Beste aus der Stadt zu machen. Ich persönlich gab mir sehr viel Mühe zu lächeln, um das Positive zu sehen. Aber das verging mit der Zeit, als ich erst einmal richtig gemerkt hatte, was ein neues Land bedeutete: Nun war ich keine Gymnasiastin einer sehr guten und renovierten Schule mehr. Nun war ich Schülerin einer deutschen Schule, die einem Gefängnis ähnlich sieht und in der die Schüler nur Rumänisch redeten. Komischerweise konnten auch einige Lehrer oder Sekretärinnen kein Deutsch. Daraufhin hörte ich den Satz „Lern doch endlich einmal Rumänisch. Du bist doch in Rumänien“ immer öfters. Eigentlich hatten die betreffenden Personen recht, deswegen tat ich mein Bestes. 


In der Schule hatte ich anfangs große Probleme, mich mit der rumänischen Sprache anzufreunden. Auch das rumänische Schulsystem war für mich eine gewaltige Katastrophe. In Deutschland hatten wir eine logische Lernart, die keinesfalls etwas mit dem Auswendiglernen zu tun hatte.

Dies konnten in Rumänien aber viele Lehrer nicht wirklich verstehen. Manche von ihnen hatten aber auch ein Problem damit, dass ich nicht so gut rumänische Wörter aussprechen konnte. Eine bestürzende Erfahrung hatte ich auch in so einem Bereich gesammelt: Eine Lehrerin beleidigte mich vor der ganzen Klasse und nahm Wörter in den Mund wie „geh doch ins Theater, da passt du gut rein, denn du kannst Rumänisch und das weiß ich, du schwindelst mich an. Steh auf und du kannst sofort einen Mimik-Kurs besuchen. Dort wirst du einen Preis gewinnen, du Lügnerin“. Ich gebe aber auch zu, dass ich am Anfang auch nicht wirklich den Mut gehabt hatte, Rumänisch zu reden. Ich hatte einfach Angst, dass mich die Klasse auslacht - was eigentlich auch der Fall war. Anschließend hatte ich noch ein Geschenk von dieser Lehrerin bekommen: Eine schlechte Note in den Katalog. So etwas kannte ich gar nicht.

Ich habe nicht gewusst, dass Lehrer das Recht besitzen würden, mit einer Schülerin so zu reden, die eigentlich im Endeffekt nichts Schlimmes getan hatte. Dies war der erste große Schock, den ich hier erlebt hatte. Aber viele andere Lehrer halfen mir, den Schulalltag zu überstehen und diesen war und bin ich sehr dankbar.

Was mich auch sehr gewundert hat und meiner Meinung nach respektlos und unangebracht war, als ich gehört habe, dass eine Lehrerin Schimpfwörter in den Mund genommen und einen Schüler beleidigt hat. Dies konnte ich nicht verstehen und auch heute noch wundere ich mich, dass so etwas akzeptiert wurde.

Das dritte Drama meines Lebens war im Bus. Zwei Kontrolleure zerrten meine Freundin und mich aus dem Bus. Sie haben gewusst bzw. gehört, dass wir Deutsch untereinander reden und nicht so gut Rumänisch können. Sie packten uns einfach gierig am Ärmel und schubsten uns aus dem Bus. Einige Mitmenschen, die den Vorfall gesehen hatten, haben sie angeschrien und darauf bestanden, uns loszulassen.

Dies war kein Erfolg, denn sie versuchten immer wieder mit uns zu kommunizieren und redeten Spanisch und noch andere unbekannte Sprachen. Dabei spreche ich nur Deutsch, Englisch und  Französisch. Daraufhin nahm ich mein Handy und wollte meine Mutter damit anrufen. Diese rissen es mir aus meine Hand, genau so wie mein Geldbeutel. Ehrgeizig griff ich nach meinen Sachen und holte sie mir zurück. Die zwei Kontrolleure, die aber keinen Kontrolleur-Ausweis besaßen, redeten immer wieder von irgendwelchem Zeugs. Bis zuletzt rettete uns ein Mann, der alles beobachtet hatte und die komischen  Personen wegschickte. Am Ende der Woche rechneten sie mit einer Beschwerde vom deutschen Konsulat.

Ich will Rumänien nicht schlecht reden, denn ich habe kein Recht dazu. Das Land ist an manchen Stellen bezaubernd und wunderschön. Oftmals habe ich auch viel Spaß.  Jeden Tag versuche ich einfach aus meinem Leben das Beste zu machen und versuche, alles zu akzeptieren. Eigentlich gibt es auch viele positive Tage, Wochen oder Monate, die mich immer wieder faszinieren. Ich habe viele Dinge kennengelernt, die ich in Deutschland niemals gesehen hätte.

Jedoch ist es im Endeffekt nicht einfach, in ein fremdes Land zu ziehen. Aber mit Hilfe von neu gewonnenen Freunden, mit einem positiven Auge und anderen Aspekten ist es nicht sehr schlimm, sich an den rumänischen Alltag zu gewöhnen, auch wenn mein Herz immer noch Deutschland gehört.

Kommentare zu diesem Artikel

Konrad, 26.07 2012, 21:01
Hallo, Laura,
das sind bestimmt keine schoenen Erlebnisse gewesen, aber sie sind in keiner Weise typisch fuer Rumaenien und die Menschen, die hier leben.

Ich bin 1993 aus beruflichen Gruenden aus Deutschland nach Rumaenien gekommen, habe das Land und die Leute schaetzen, ja lieben gelernt und moechte nicht mehr nach Deutschland zurueckkehren - hier bin ich jetzt zuhause.

Ein anderes Thema ist natuerlich die Sprache. Mir ist es auch so ergangen; Die Erlernung der Sprache war nicht einfach und auch nach fast 20 Jahren weiss jedermann, ich bin Auslaender. Aber schlecht behandelt wurde ich deswegen nur ganz selten - es aergert einen natuerlich, wenn so etwas passiert, aber man muss es auch einmal deutlich sagen duerfen: "Wir werden hier in Rumaenien im Allgemeinen viel freundlicher behandelt, als wir in Deutschland "unsere" Auslaender behandelt. Deswegen " Kopf hoch" fuer Dich, liebe Laura und "Daumen hoch" fuer die ueberwaeltigende Mehrheit freundlicher und aufgeschlossener Menschen in diesem Lande.
Hanns, 24.07 2012, 17:47
Liebe Laura, ich kann Deine Erlebnise in der Schule sehr gut nachvollziehen. Mein Stiefsohn, kam mit 15 Jahren von Rumänien nach Österreich. Er wechselte von einem Lizeum in Bukarest in ein Gymnasium in Baden bei Wien. Es ist zwar die umgekehrte Situation, aber auch er hatte einen Schock. Auswendig lernen war nicht mehr gefragt - man mußte nunmehr selbstständig die Dinge erarbeiten.
Ich wünsche Dir alles Gute und bin sicher, dass Du die schwierige Situation in der Schule meisterns wirst. Ich halte Dir auf jeden Fall die Daumen.
Ovidiu, 21.07 2012, 16:06
Liebe Laura, ich habe gerade Deinen Artikel gelesen und bin sehr schockiert von den unangenehmen Sachen, dir Dir widerfahren sind. Glücklicherweise hast Du auch positive und angenheme Sachen erlebt. Ich arbeite als Realschullehrer in der Nähe von Stuttgart, habe aber sowohl in Rumänien als auch in Deutschland studiert. Ich weiß, dass die Unterschiede sehr groß sind und dass wir in Rumänien im Schulbereich vieles ändern müssen.
Schön, dass Du dich getraut hast, diesen Artikel zu schreiben.

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