Deutsche Wirtschaftsförderung wird fortgesetzt

Kurzgespräch mit Karl Arthur Ehrmann, Geschäftsführer der Saxonia-Stiftung

Freitag, 09. März 2012

Mit Frischgeld 2011 in Deutschland gekauft: der 140 PS-Traktor des Kerzer Landwirtschaftsvereins

Auch 2012, in ihrem 20. Gründungsjahr, vermittelt die Saxonia-Stiftung Förderungen, die vom deutschen Bundesministerium des Inneren (BMI) kommen. Allein die Wirtschaftshilfen, die heuer für Siebenbürgen vorgesehen sind, belaufen sich auf 100.700  Euro. Zu diesem „Frischgeld“ kommen die Rückflussgelder älterer Projekte hinzu sowie  materielle Einzelhilfen im Wert von 18.100 Euro für bedürftige  Personen. Saxonia-Geschäftsführer  Karl Arthur Ehrmann spricht im nachfolgenden Kurzinterview über den aktuellen Stand dieser Wirtschaftsförderungen sowie über die Sozialprojekte.


Wer sind die Nutznießer der Wirtschaftsförderung?

Deren Zielgruppe bilden weiterhin junge und junggebliebene Kleinunternehmer, die eine Existenzbasis gründen oder eine schon bestestehende festigen wollen und die unterwegs noch Hilfe brauchen um markt- bzw. konkurrenzfähig zu bleiben, besonders in Krisenzeiten. Unsere Kredite sind sehr preiswert, weil wir statt Zinsen nur eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 3 Prozent  berechnen.

Damit kann sich unser Kunde entsprechend ausstatten, ohne seine Produktion oder Dienstleistungen zu reduzieren. Im Gegenteil: Er hat Zeit, in fünf Jahren die Kreditraten abzuzahlen, seine Produktion nachfragegerecht zu organisieren, Werbung zu machen. Auch ein gutfunktionierender Betrieb ist oft auf rasch greifbares Geld angewiesen. Kreditlinien bei hiesigen Banken sind für Kleinunternehmen nicht rentabel. Kein Wunder, dass Bauunternehmen und andere Langzeitproduzenten zurzeit sehr gefährdet sind.

Gerade jetzt, wo Großunternehmen und internationale Konzerne Tausende von Arbeitnehmern entlassen, sind kleine, flexible Unternehmen zur Deblockierung der Wirtschaft sehr gefragt. Diese Nischen füllen wir mit unseren günstigen Krediten im Kleinen aus, indem wir den Kleinunternehmern aus der deutschen Minderheit und deren andersnationalem Umfeld unter die Arme greifen. Auch  beispielgebend…

Die seitens des deutschen Staates dafür zur Verfügung gestellten Summen sind 2012 nicht geschrumpft...

Die Wirtschaftsförderung wurde sogar ein bisschen aufgestockt, wohl aus der Einsicht, sowohl des Forums als auch der Geldgeber, dass die Wirtschaft Grundlage aller Existenz ist. Wenn man eine gesunde wirtschaftliche Basis hat,  kann man auch einen kulturellen, wissenschaftlichen oder touristischen Überbau sichern. Noch  sind die Rückflüsse aus den Projekten der letzten fünf Jahre unsere gewichtigere Quelle.

Die Frischgelder hingegen speisen nicht nur diese Quelle stets neu, sondern sie signalisieren die Weiterführung dieser wichtigen Förderung. Nicht zuletzt sind die Frischgelder beim Einkauf der zu finanzierenden Sachmittel in Deutschland beinahe doppelt soviel wert: Mehrwertsteuer und Profit der Importeure entfallen, gelegentlich gibt es sogar Rabatt. Gegenwärtig beträgt das Frischgeld ungefähr ein Drittel der Summe für Wirtschaftsförderung.

Wie wird dieses Angebot angenommen? Warum sollte es weiterhin attraktiv sein?

Es ist oft so, um aus der Schule zu plaudern, dass sich die eigentliche Zielgruppe, nämlich die Mitglieder der deutschen Minderheit ziemlich langsam und schwer entschließen, Anträge zu stellen. Deren  gutdurchdachte Anträge kommen in der Regel erst im August, September und Oktober.

Das ist nicht gut, denn dann können sie nicht die direkten Förderungen in Euro – mit den genannten Vorteilen – nutzen. Aber auch so, aus Rückfluss mitteln sind die Kredite günstiger, als wenn man  sie sich bei Banken holt und die motivierten, schnelleren Antragsteller aus dem Umfeld dienen  dem Hauptzweck dieser Förderungen genauso gut. Attraktiv bleiben diese Förderungen insgesamt, so lange die Banken keine Anstalten treffen, der Wirtschaft und nicht nur sich selbst zu dienen…

Wie steht es um die sozial-humanitäre Hilfe?

Abgesehen davon, dass die Wirtschaftsförderung das sozialste aller Projekte ist, gibt es auch die sozial-humanitäre Hilfe für die Generation, die nicht mehr erwerbsfähig ist und das ist ja leider die Mehrheit unserer Landsleute. Massiv und gezielt geschieht das unmittelbar durch die großen und kleineren Altenheime.  Für die dort Versorgten  müssen wir nicht sorgen. 

Die Saxonia bringt in diesem Bereich ihren Beitrag durch die sogenannten materiellen  Einzelhilfen. Früher waren es Lebensmittelpakete. Inzwischen hat man gemerkt, dass es sinnvoller ist, den Leuten den Gegenwert eines deutschen Lebensmittelpakets bar auszuzahlen, weil viele den Paketinhalt eigentlich nicht ganz selbst verwenden, sondern teils verschenken oder zu einem kleinen Preis verschleudern. Mit Bargeld  bezahlen sie eher die Strom- oder  Gasrechnung. Die Hilfen verteilen wir auf Grund von Bedürftigenlisten.

Sie werden nach gewissen Bedürftigkeitskriterien zusammengestellt, die überprüft werden können. Dafür, dass diese Hilfen nicht der sprichwörtliche “Tropfen auf dem heißen Stein” bleiben, setzt sich das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen aus München wesentlich ein, indem es diese BMI-Hilfen  nicht nur kostensparend  vermittelt, sondern  aus eigenen Mitteln  verdoppelt und verdreifacht und somit gerecht und flächendeckend wirksam macht.

Es ist hier wohl nicht die richtige  Stelle, die zahlreichen sozialen  Hilfen diverser Körperschaften und Privatpersonen aufzuzählen, die ebenfalls langzeitig  über die Saxonia-Stiftung abgewickelt werden.

Die Saxonia selbst kann sich das zur Ausführung dieser Hilfen nötige Personal nicht leisten. Wir sind deshalb auf die ehrenamtliche Hilfe der Kirchengemeinden und der Foren angewiesen und diesen im eigenen wie auch im Namen unserer Schutzbefohlenen  sehr dankbar. Unsere Bitte an sie ist, die Bedürftigenlisten, die jedes Jahr aktualisiert werden müssen, rechtzeitig (bis Monatsende). an uns abzugeben. Je schneller wir sie nach Deutschland schicken, desto schneller können sie vom deutschen Budget abgerufen werden und dann zu den Betroffenen gelangen.

Das Gespräch führte Ralf Sudrigian

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BMI-Wirtschafts-förderungsprogramm  in Siebenbürgen


Wer wird gefördert?

Privatbetriebe (GmbH, AG, KG, eingetragene Familienvereine und Landwirtschaftsvereine, PFA) von Kleinunternehmern deutscher Herkunft oder aus dem andersnationalen Umfeld in den Bereichen Handwerk, Landwirtschaft, Dienstleistung, Medizin aus den Kreisen Alba, Bistritz/Bistriţa Năsăud, Covasna, Harghita, Hermannstadt/Sibiu, Hunedoara, Klausenburg/Cluj, Kronstadt/Braşov, Muresch/Mureş die nur privates und inländisches Stammkapital haben (ohne ausländische Gesellschafter)

Vorausgesetzt wird:

gültige Genehmigungen für die Tätigkeit
entsprechende Räumlichkeiten
überzeugender Geschäftsplan
Kreditgarantie durch Immobilienhypothek

Was für Dokumente braucht man?

Antragsformular (per E-Mail von „Saxonia-Transilvania“-Stiftung erhältlich)
Firmendokumente (Satzung, Registrierschein u. a.)
Berufszeugnis
Nachweis über Grundbesitz und Immobilienbesitz

Was umfasst die Förderung?

Produktions- und Ausstattungsmittel im Wert von 5.000 bis 15.000 Euro - Maschinen, Anlagen, Werkzeuge, Apparatur, Bürotechnik, medizinisches Zubehör, Möbel (Gästehäuser, Pensionen), Lüftungsanlagen, Heizungen, Nutzfahrzeuge

Welches sind die Rückzahlbedingungen?

100-prozentig rückzahlbar in 3 bis 5 Jahren, zinsenlos aber mit einmaliger 3-prozentiger Bearbeitungsgebühr

Wer koordiniert das Wirtschaftsförderungsprogramm in Siebenbürgen?

Saxonia-Transilvania - Stiftung
str. Republicii nr. 53
500030 Braşov
Tel: 0268-473.902; 0268-472.050
Tel./Fax: 0268-476.976
E-Mail: office@saxonia.ro
www.saxonia.ro

(weitere Informationen: täglich zwischen 8.00-14.00 Uhr beim Stiftungssitz)

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