Deutscher Hobbyhistoriker mit neuem Buch über Großsanktnikolaus

Hans Haas wurde zum Ehrenbürger seiner Geburtsstadt ernannt

Freitag, 09. September 2016

Hans Haas stellte seinen jüngsten Band in seiner Heimatstadt Großsanktnikolaus vor.
Foto: Zoltán Pázmány

Es war eine gelungene Überraschung, als dem aus Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare gebürtigen und zurzeit in Deutschland lebenden Hans Haas im Rahmen einer feierlichen Kommunalratssitzung der Titel eines Ehrenbürgers von Großsanktnikolaus verliehen wurde. Bürgermeister Dănuţ Groza leitete die Sitzung, die im großen Saal des Náko-Schlosses stattfand. Anlass dazu bot das alljährliche Stadtfest, das in diesem Jahr mehrere Veranstaltungen bot. Zum einen war es die Ausstellung des Zeichenkreises „Farbe aus der Farbe“, der von der bildenden Künstlerin Cristina Lihat geleitet wird.

Im Náko-Schloss waren verschiedene Zeichnungen und Malereien der Schüler aus Großsanknikolaus ausgestellt, was den Saal mit Farbe füllte. Andererseits war es die feierliche Kommunalratssitzung, in der nicht nur Hans Haas, sondern auch dem Kriegsveteran Nicolae Pesecan der Titel eines Ehrenbürgers verliehen wurde. Im vollen Saal des ehemaligen Kastells der Adelsfamilie Náko fand die Vorstellung des rumänischsprachigen Bandes „Contribuţii la istoria localităţii urbane Sânnicolau Mare şi a împrejurimilor sale“ (Beiträge zur Geschichte der Stadt Großsanktnikolaus und ihrer Umgebung) von Hans Haas statt. Das Buch erschien mit Unterstützung des Deutschen Ortsforums und wurde von der Kommune finanziert.

„Für mich ist es sehr wichtig, dass man in der heutigen Bevölkerung von Großsanktnikolaus etwas über die Vergangenheit dieser Ortschaft liest, und zwar auch aus der Perspektive der deutschen Minderheit, die hier einmal eine große Rolle gespielt hat. Herr Haas hatte schon vor Jahren, in Deutsch, in einem handgeschriebenen Manuskript alles zusammengeschrieben und ich habe immer wieder versucht, ihn zu motivieren, das Ganze ins Rumänische zu bringen“, sagte Dietlinde Huhn, die Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Großsanktnikolaus, die die Biografie des Autors kurz Revue passieren ließ. Hans Haas wurde 1939 in Großsanktnikolaus – damals noch Deutschsanktnikolaus geboren. Nach seinem Schulabschluss ging er nach Temeswar zur Landwirtschaftshochschule. Bereits seit der Kindheit ließ sich Hans Haas von der Geschichte begeistern. 1975 verließ er Rumänien, um nach Deutschland zu gehen. Seine Erinnerungen nahm er damals zwar mit nach Deutschland, er brachte sie aber später wieder zurück nach Hause, in geschriebener Form, betonte Dietlinde Huhn.

„Mit meinem Band wende ich mich an die Bewohner von Großsanktnikolaus, an sämtliche Ethnien dieser Stadt. Die bisher geschriebenen Monografien in rumänischer Sprache waren fast ausschließlich nur auf die rumänische Nation fokussiert. Deswegen fand ich, dass wir uns zu Wort melden müssen, denn die Geschichte von Großsanktnikolaus wurde nicht nur von der rumänischen Mehrheit, sondern von allen Minderheiten geschrieben, die hier im Laufe der Jahre gelebt haben“, sagte Hans Haas. In seinem jüngsten Band stellt Hans Haas die Geschichte von Großsanktnikolaus durch den Blickwinkel der deutschen Minderheit vor. Es ist nicht das erste Buch, das Hans Haas über seine Heimatstadt verfasst. 2011 erschien im Banatul-Montan-Verlag aus Reschitza sein Band „Das Adelsgeschlecht Nakó de Nagyszentmiklós. Aufstieg und Niedergang einer Grafendynastie”. Im Anschluss an die Buchvorstellung signierte der Autor die verschenkten Bücher und unterhielt sich mit seinen Landsleuten. Bei der Buchpräsentation anwesend war auch der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Peter-Dietmar Leber, der ebenfalls aus Großsanktnikolaus stammt.

Die Festtage der Stadt Großsanktnikolaus füllten das ganze Wochenende zu Septemberbeginn. Nach der Buchvorstellung von Hans Haas stand ein Folklore-Abend auf dem Programm, bei dem unter anderem auch die deutsche Kindertanzgruppe „Buntes Sträußchen“ unter der Leitung von Tanzlehrer Hansi Müller auftrat. Bürgermeister Dănuţ Groza prämierte auf der Freilichtbühne die Sportler und Schüler aus Großsanktnikolaus, die besondere Leistungen erbracht hatten, er gratulierte öffentlich auch den Ehepaaren, die die Goldene Hochzeit feierten. Jung und Alt konnten sich am späten Abend an Konzerten auf der Freilichtbühne erfreuen.

Die deutsche Gemeinschaft aus Großsanktnikolaus wird bald erneut einen Anlass zum Feiern haben: Am 3. Oktober findet hier das bereits zur Tradition gewordene Erntedankfest statt, bei dem die Kinder und Jugendlichen in banatschwäbischer Tracht durch die Temescher Kleinstadt marschieren.

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