Deutscher Rap aus dem Banat

Ehemaliger ADZ-Mitarbeiter macht Musik in Deutschland

Montag, 11. Juli 2016

Oliver Zsilko – ein Banater rappt in Deutschland
Foto: privat

„Semper atque semper liberi ac indivisi!” (auf Deutsch: „Für immer frei und ungeteilt“) - Der Wappenspruch der Banater Schwaben ist für Oliver Zsilko  ein Leitmotiv im Leben. Der nach Deutschland ausgewanderte junge Mann beschreibt sich immer wieder als Banater – nicht als Rumäne, als Ungar oder Deutscher. Der ehemalige Mitarbeiter der ADZ/BZ lebt seit einigen Jahren in Jena, doch seine Banater Wurzeln hat er nicht vergessen.
Das Banat, die Heimatregion von Oliver Zsilko, steht für ihn als Künstler unter dem Namen Crowly oft im Vordergrund, genauso wie in einem seiner Lieblingssongs „Debandada din Banat”. Das Lied hat Oliver vor mehreren Jahren geschrieben und es kann auch auf Youtube gefunden werden. Doch Oliver will sein ganzes Leben mit Hilfe der Musik zum Ausdruck bringen - seine Gedanken und Gefühle, Erfahrungen und die Gesellschaft, sowie die Bücher, die er gelesen hat. Auch seine Erfahrung als Journalist dient ihm als Inspiration für seine Musik. Er überlegt sich, ein künftiges Album „Feature“ zu nennen. Genau wie im journalistischen Genre sollen darin Charaktere dargestellt werden, sagt der Rapper. Unter dem Motto „Love, Peace, Drums n‘ Soul“ wurde vor kurzem die Single „Dance!“ von JCK feat. Mary L im Internet veröffentlicht. Der Song ist dem Rap-Dance-Genre zuzuordnen und eine Hommage für die 90er Eurodance-Musikrichtung. Der Projektname JCK lässt sich von den Initialen der Künstler ableiten: Jerome, Crowly und Kenny. „Wir wollten durch den Song – genau wie in den 90ern – die Leute zum Tanzen und zu einem friedlichen Miteinander animieren“, sagt der Lugoscher Rapper Crowly. Oliver Zsilko schrieb den Liedtext und hat die zwei Strophen für den Song eingerappt.

Olivers Leidenschaft für die Musik geht auf seine Schulzeit zurück, als er zusammen mit einem Klassenkollegen seine erste Hip-Hop-Gruppe gründete. Anfangs wurden im Musikprogramm Hip-Hop Ejay Beats zusammengestellt und die ersten Texte dafür geschrieben. Zu einer Aufnahme kam es jedoch nicht, da sie nicht über professionelle Aufnahmegeräte verfügten. Erst im Sommer des Jahres 2006 begann für Crowly eine fortlaufende Auseinandersetzung mit dem Hip-Hop, als sein Nachbar Daniel Amzulescu mit einem Text zu ihm kam. „Ich weiß, dass du Gedichte schreibst… Ich habe auch eins geschrieben. Wie findest du es?“, fragte Daniel. Nachdem Oliver den Text durchlas, schlug er Daniel vor, eine Hip-Hop-Gruppe zu bilden. Er wollte eine weitere Strophe schreiben, um ihren ersten Song aufzunehmen. Ein gemeinsamer Freund, Stefan György, erfuhr von der Leidenschaft der beiden und schloss sich ihnen an. Er widmete sich den Musikkompositionen und dem Beatboxing. So entstand das Hip-Hop-Trio „Tripletzii“ (auf Deutsch: die Drillinge). Die drei Lugoscher trafen sich jeden Abend am Ufer der Temesch in ihrem Stadtviertel Cotu Mic und übten sich im MC-ing und Beatboxing. Es dauerte nicht lange, bis Daniel alias Oarekre eines Abends auf Fo’Männchen traf, einen Sänger und Gitarristen der Berliner Punkband Yuki Chan. Dieser war im Rahmen eines internationalen Theaterfestivals in Lugosch zu Gast und hatte Jahre davor auch Hip-Hop-Musik gemacht. Die Lugoscher kamen mit ihm ins Gespräch und nahmen auf einem von Fo’Männchen produzierten Beat den ersten Song, „Lugoj – Berlin“, auf. 

Oliver kann sich auch als Wegbereiter für andere Jugendliche aus Lugosch bezeichnen – denn kurz darauf sind mehrere Gruppen und Hip-Hop-Veranstaltungen in der Stadt entstanden. Tripletzii verhalfen auch Valan, einen 16-jährigen Rapper zu seinem ersten Album, "14 Ani", das in einem professionellem Studio in Bukarest aufgenommen wurde. Crowlys Highlight auf der Bühne fand 2008 beim jährlichen StudentFest in Temeswar statt, wo dieser mit seiner Lyrical Crew als Vorband von Da Hood auftrat. Nun geht für Oliver Zsilko das Musikhobby auch in Deutschland weiter. Im Jenaer Kinder- und Jugendzentrum Klex absolvierte er 2010 den Europäischen Freiwilligendienst (EFD), war nach dem Masterstudium „Literatur-Kunst-Kultur“ auch als Assistent im Interessenverband Selbstbestimmt Leben e.V. eingestellt. Dabei unterstützte er Menschen mit einer körperlichen Behinderung in ihrem Alltag. „In diesem Verein habe ich Jerome Klark, einen Musiker aus Jena kennengelernt. Wir haben viel über Musik gesprochen und er war derjenige, der mich überredet hat, wieder Texte zu schreiben. Durch ihn habe ich auch Kenny Laakkinen, einen bekannten DJ und Produzenten aus Jena getroffen, der in den 90ern bei weltbekannten Produktionen als Ghostproducer mitgewirkt hat“, erzählt Oliver Zsilko.

In Kennys Studio kam es zu einer Zusammenarbeit mit der Erfurter Musikband Under Burning Skin, für die der Rumäne Strophen zum Song „Haunting Voices“ schrieb und einrappte. Der Song wurde auf dem 2013 erschienenen Album „Hands Up“ veröffentlicht. Dies verhalf ihm dazu, die ersten Erfahrungen auf einer deutschen Bühne zu sammeln, lässt Oliver wissen. „Bei der Release-Party im September des gleichen Jahres führte ich den gemeinsamen Song mit der Band auf dem Zwiebelmarkt in Weimar vor Tausenden von Menschen auf“, erinnert sich Oliver. Derzeit arbeitet der leidenschaftliche Rapper gemeinsam mit Kenny Laakkinen an einer gemeinsamen Hip-Hop-EP. „Die Idee für ein Album, das unter dem Künstlernamen Crowly & Big Buddah erscheinen soll, entstand, nachdem wir den Song ‚Inspektor Erl König‘ aufgenommen haben. Er ist eine Anspielung auf Goethes Ballade und eine satirische Umdichtung. Ziel des Songs ist es nicht, Goethes Ballade zu verunglimpfen“, so Oliver alias Crowly. Als Projekt hat Oliver Zsilko noch vor, auch die Verse von Heinrich Heine auf Beats zu setzen. In Jena gibt es bereits einen Rapper, der Ähnliches mit Versen von Goethe und Schiller gemacht hat. Der Lugoscher möchte die Musik nicht aufgeben, auch wenn ihm oft dafür die Zeit fehlt. Neben dem dualen Pflegestudium, das er an der Ernst-Abbe-Hochschule und im Universitätsklinikum Jena macht, sowie der Zeit, die er mit seiner Familie verbringen will, bleibt nicht mehr viel Freizeit übrig. „Musik bleibt deshalb ein Hobby für mich“, sagt Oliver Zsilko.








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