Deutscher und hebräischer Dichter

Manfred Winkler gestorben (1922-2014)

Samstag, 19. Juli 2014

Vor wenigen Tagen erreichte uns aus Israel die Nachricht, dass Manfred Winkler, der aus der Bukowina stammende deutsch- und hebräischsprachige Dichter und Übersetzer, im Alter von 92 Jahren gestorben ist.

Geboren in Putila, in der Bukowina, in einer bürgerlichen, deutschsprachig-jüdischen Familie, hat Winkler das Grauen der Verfolgungen des Zweiten Weltkriegs unmittelbar erleben müssen. Sein Bruder und die Eltern wurden von den Sowjets nach Sibirien verschleppt, während er selbst unter den antisemitischen Gesetzen des Antonescu-Regimes schwer zu leiden hatte. Nach Czernowitz im Jahre 1944 zurückgekehrt, entschied sich Winkler 1946 für die Übersiedlung nach Rumänien. Er ließ sich in Temeswar nieder, wo er Arbeit als Techniker fand.

Hier begann er auch, deutsche Gedichte zu schreiben. Seine Begabung wurde sehr früh anerkannt, sodass er mehrere Lyrikbände („Tief pflügt das Leben“,1956; „Fritzchens Abenteuer“,1958; „Kunterbunte Verse“ 1958) veröffentlichen durfte. Inzwischen wurde er zum Mitarbeiter deutscher Sendungen im Rumänischen Rundfunk und zum Mitglied des Rumänischen Schriftstellerverbands.

1959 emigrierte Winkler nach Israel. Er nahm an der Hebräischen Universität in Jerusalem ein Studium im Bereich der hebräischen und jiddischen Literatur auf, das er 1963 absolvierte. Ein Jahr später übernahm er die Leitung des „Theodor-Herzl-Archivs“ und wurde mit der Herausgabe der Schriften aus dem Nachlass des Zionismusgründers beauftragt. Damit beschäftigte er sich intensiv bis 1981.

Inzwischen bahnte sich Manfred Winklers Karriere als hebräischer Dichter und Übersetzer aus dem Deutschen und Rumänischen an. Auf Hebräisch erschienen von ihm vier Lyrikbände. Unter anderem übertrug er ins Hebräische die Gedichte von Paul Celan und den Roman „Die Blutsäule“ von Soma Morgenstern, sowie auch Lyrik von Maria Banu{. Er schrieb weiter Gedichte auf Deutsch, die nach 1997 in Deutschland in mehreren Bänden veröffentlicht wurden.

Seine späte Freundschaft mit dem siebenbürgisch-sächsischen Schriftsteller Hans Bergel war der Anlass eines umfangreichen Briefwechsels zwischen den beiden, von dem eine Auswahl von Briefen 2012 unter dem Titel „Wir setzen das Gespräch fort…“ im Berliner Frank & Timme Verlag (herausgegeben von Renate Windisch-Middendorf) erschienen ist.

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