Deutschland lockt mit Kultur und Natur

Konzepte für 2014 und 2015: Nachhaltiger Tourismus ist gefragt

Freitag, 20. Dezember 2013

Die spektakulären Kaskaden im Bergpark Wilhelmshöhe, Kassel, der seit 2013 zum UNESCO-Welterbe gehört.

Umrahmt von schmucken Häusern, wie aus einem historischen Film – der Marktplatz in der Altstadt von Wittenberg.

Das Pergamonmuseum in Berlin beinhaltet eigentlich drei Museen: die Antikensammlung, das Vorderasiatische Museum und das Museum für Islamische Kunst.

Essen und Trinken – hier in einer Bamberger Brauereigaststätte – sind Schlüsselbegriffe im deutschen Kulturtourismus. Pressefotos DZT

Deutschland als Kulturreiseziel Nummer eins in Europa – wer hätte das erwartet? Vielleicht denkt man jetzt an Berlin, an die Barockkirchen von Bayern und an Neuschwanstein, an die trutzigen Burgen am Rhein, in denen ich als kleines Mädchen immer das Burgfräulein gesucht habe. Ein paar Erinnerungsfragmente – nicht mehr – aus einem früheren deutschen Leben. Die touristischen Ziele im eigenen Land kennt man meist nicht besonders. Denn was so nah liegt, kann man ja immer noch besuchen - irgendwann. So dachte ich jedenfalls. Und nun, ein gutes Jahrzehnt später, ist Deutschland in weite Ferne gerückt. Schulter an Schulter sitze ich am 19. November mit rumänischen Journalisten in der von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) veranstaltenen Pressekonferenz in Bukarest und lasse mich aufklären über ein bekanntes, und doch so unbekanntes Reiseland...

Deutschland als Kulturreiseziel liegt weltweit auf Platz fünf. Unter den EU-Ländern rangiert es sogar auf Platz eins. Dies liegt nicht zuletzt an den 38 Stätten, die zum Welterbe der UNESCO zählen  –  genauso viele wie in Frankreich. Im Rekordjahr 2012, verrät die Statistik weiter, wurden 525.000 Übernachtungen durch Auslandstouristen verzeichnet –  gut acht  Prozent mehr als im Vorjahr. Krise? Nicht für Deutschland! Vom Januar 2013 stiegen die Zahlen bis zum August um fast 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit beansprucht Deutschland über die Hälfte des auf dem gesamten Tourismusmarkt verzeichneten Wachstums für sich allein!

Deutschland hat viele Gesichter

Was macht dieses Land der Superlative als Reiseziel so attraktiv – vor allem auch für rumänische Touristen, wie die Statistiken zeigen? Guter Service, hervorragende Fluganbindungen, die kulturelle Vielfalt und zahlreiche Angebote zu Aktivitäten in der Natur, verrät der deutsche Botschafter, seine Exzellenz Werner Hans Lauk. Vor den über 40 rumänischen Journalisten schwärmt der Chefdiplomat von den 2013 abgehaltenen Musikfestivals anläßlich des 200-jährigen Geburtstags von Richard Wagner in Bayreuth und Leipzig. Vom Charme der Fachwerkhäuser in süddeutschen Städten – Regensburg, Memmingen, Landsberg, nicht zu vergessen seine eigene Heimatstadt, Tübingen.

Von romantischen Weihnachtsmärkten und Volksfesten mit langer Tradition. Von der ausgeprägten Museumskultur – erwähnenswert im Hinblick auf Technik ist vor allem das Deutsche Museum in München, zur Natur das Ozeanum in Stralsund. Vom Aachener Dom, der seit 1978 als erste Stätte Deutschlands im Welterbe der UNESCO eingetragen ist. Und vom Naturpark Wilhelmshöhe bei Kassel, der es in diesem Jahr auf die prestigereiche Liste geschafft hat. Die Vielfalt Deutschlands als Reiseziel für jede Kategorie Touristen erschließt sich am besten auf der offizielle Webseite der DZT.

Zweitbeliebtes Reiseziel der Rumänen

Für die ohnehin deutschbegeisterten Rumänen gilt „Germania“ immerhin als zweitbeliebtestes Reiseziel, und dies mit steigender Tendenz. Damit hat sich das Karpatenland – gleich nach Kroatien und gefolgt von Bulgarien – zu einem der wichtigsten Quellenmärkte für den Tourismus in Deutschland entwickelt. 13 Prozent aller Auslandsreisen der Rumänen führen mittlerweile nach Deutschland. Damit liegt Deutschland in der Beliebtheitsskala zwar hinter Ungarn, doch spielen auch geografische Gründe bei der Wahl eines Reiseziels mit.

Die meistbesuchten Bundesländer sind Bayern (30,2 Prozent Übernachtungen), Baden-Württemberg (19,7 Prozent), Nordrhein-Westfalen (12,5 Prozent) und Hessen. Dabei entfallen 41 Prozent auf Geschäftsreisen und 35 Prozent auf Urlaubsreisen, 24 Prozent besuchen Verwandte und Freunde. 93 Prozent der rumänischen Touristen bleiben länger als vier Tage und geben im Mittel 685 Euro aus. Beliebt sind Städtereisen, Events, aber auch Rundreisen.

Schwerpunkte 2014 und 2015: Kultur und Natur

DZT analysiert den Reisemarkt in Deutschland seit gut zehn Jahren. Auf dieser Basis lassen sich Trends voraussagen und langfristige Pläne erstellen. Die beiden Säulen, die in den nächsten Jahren Erfolg versprechen sollen, sind Städtereisen und Naturtourismus.

Erwartete Megatrends sind  Kultur- und Gesundheitstourismus. Schlüsselressourcen für Kulturreisen sind: Städte, Events, UNESCO, Museen, Essen und Trinken. 2014 soll insbesondere das UNESCO-Kulturerbe unter dem Slogan „Weltkulturerbe UNESCO – Kulturtourismus, nachhaltig und natürlich“ in den Mittelpunkt gerückt werden.   Die  38 UNESCO-Monumente entfallen auf sechs Kategorien: Schlösser und Festungen (4), Natur, Landschaften und  Gärten (7), Altstädte (5), industrielle Kultur (3), Kirchen und Klöster (8) sowie andere Welterbestätten (11) – mehr unter www.germany.travel/unesco. Die meisten Kulturtouristen kommen aus den USA (22 Prozent) und Großbritannien (17 Prozent). Für 34 Prozent aller Touristen ist das UNESCO-Siegel bereits Grund genug für eine Reiseplanung.

Aber auch nachhaltiger Tourismus gewinnt immer mehr an Bedeutung. Weil 20 Prozent aller Befragtren in einer 2010 realisierten Studie Nachhaltigkeit als bedeutenden Faktor bei der Auswahl eines Reiseziels betrachten, sollen 2014  vor allem die 14 Nationalparks, 16 Biosphäre-Reservate und 104 Naturreservate im Zentrum touristischer Kampagnen stehen.

Konkrete Kampagnen

2014 jährt sich zum 300-sten Mal der Geburtstag des deutschen Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach, Sohn von Johann Sebastian Bach, in Weimar. Zu diesem Anlass sollen Leben, Werke und Wirkungsorte des berühmten Komponisten dem internationalen Publikum vorgestellt werden. Geplant ist  eine Medienreise durch Städte, die mit seinem Namen verbunden sind.

2014 wird außerdem 600 Jahre Kirchengeschichte gefeiert. So fand zwischen 1414 und 1418 das Konzil von Konstanz zur beendigung des abendländischen Schismas statt. Delegierte Kirchenvertreter versammelten sich in Konstanz, um das Schicksal der gespaltenen Kirche zu diskutieren und einen neuen Papst zu wählen. Unter dem Slogan „Das Mittelalter, zum Leben erweckt“ sollen Veranstaltungen in Konstanz und am Bodensee bewerben werden. Weil in der letzten Zeit auch ländliche Regionen immer beliebtere Reiseziele werden, hat man sich für 2015 eine gezieltere Vermarktung unter dem Motto „Traditionen und Bräuche“ vorgenommen. Im Schwerpunkt stehen Volksfeste, Kurse in lokalem Kunsthandwerk und kulinarische Rundreisen.

2015 wird zudem der 500-ste Geburtstag des Malers Lukas Cranach der Jüngere in Wittenberg begangen. In einer internationalen Kampagne sollen Ausstellungen und Wirkungsorte vermarktet werden.  Ein weiterer Schwerpunkt für 2015 sind pittoreske Straßen fernab der Hauptverkehrsadern, die zum Entdecken landschaftlicher Schönheiten mit dem eigenen Auto auf über 150 Routen einladen. Am bekanntesten sind die romantische  Straße von Würzburg nach Füssen und die deutsche Alpenstraße vom Bodensee zum Königssee.

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