„Deutschsprachige Literatur im rumänischen Kulturraum“

Internationale und interkulturelle Herangehensweise an die Literatur

Mittwoch, 21. Februar 2018

Deutschsprachige Literatur im rumänischen Kulturraum (19.-21. Jahrhundert) / Interkulturelle Begegnungen, Herausgeber: Roxana Nubert, Graziella Predoiu, Ana-Maria Dascălu-Romițan

Zwölf Texte von Germanisten, die aus Rumänien, Deutschland, Österreich, Bosnien-Herzegowina, Ungarn und Norwegen stammen, sind in dem Band „Deutschsprachige Literatur im rumänischen Kulturraum (19.-21. Jahrhundert) / Interkulturelle Begegnungen“ veröffentlicht worden. Ende 2016 hatte der Germanistik-Lehrstuhl an der West-Universität Temeswar sein 60. Jubiläum im Rahmen einer internationalen Tagung gefeiert. Die Arbeiten der Sektion „Deutschsprachige Literatur im rumänischen Kulturraum (19.-21. Jahrhundert)“ sind vergangenes Jahr in einem Band im Mirton-Verlag erschienen. Herausgeber sind die Germanistinnen Roxana Nubert, Graziella Predoiu und Ana-Maria Dascălu-Romițan.

Die Bandbreite und die Attraktivität der Themen können den Germanisten, aber auch den Literaturliebhaber ansprechen, der ein bisschen über seinen Tellerrand hinausschaut und nicht nur Literatur verschlingt, sondern auch mehr darüber wissen will.

So nimmt sich Erich Unglaub, der Präsident der Internationalen Rainer-Maria-Rilke-Gesellschaft, der „Briefe an einen jungen Dichter“ an, Briefe die Rainer Maria Rilke dem im Banat geborenen Schriftsteller Franz Xaver Kappus geschickt hatte. Der Briefwechsel war auf Initiative des sieben Jahre jüngeren Kappus 1903 gestartet und hatte bis 1908 stattgefunden. Die späte Veröffentlichung des Briefwechsels stellt, so Unglaub, „Die große Tat des Franz Xaver Kappus“ dar.

Drei Germanistinnen haben sich vorrangig des Werks von Herta Müllers angenommen: Helgard Mahrdt von der Universität Oslo sowie die Temeswarer Germanistinnen Graziella Predoiu und Lorette Brădiceanu-Persem. Dabei geht es jedoch um die Beleuchtung verschiedener Aspekte. So liegt der Schwerpunkt bei Helgard Mahrdt in der Schönheit, die, so Herta Müller, „einem Halt gibt, einen behütet oder schont“. So lautet der Titel der wissenschaftlichen Arbeit „Auch um sich selbst nicht zu verlieren, braucht man Schönheit“ (Herta Müller). Graziella Predoiu geht auf „Das Motiv des Koffers in der rumäniendeutschen Literatur“ ein, wobei sie vor allem Herta Müller und Franz Hodjak berücksichtigt. Eine andere Perspektive wählt Lorette Brădiceanu-Persem, die über „Nudelsuppe und Kartoffelschalen. Vom Essen und Hungern bei Herta Müller“ schreibt: „Von schwäbischen Gerichten über kommunistisches Essen bis hin zur ‚Ration Chleb auf der russischen Waage‘ wird somit eine Brücke zwischen den Banater Essgewohnheiten und dem Hungern im Lager geschlagen“.

Andere beliebte Gegenwartsautoren, die von den Teilnehmern an der Tagung unter die Lupe genommen wurden, sind Catalin Dorian Florescu und Ursula Ackril. Ljiljiana Acimovic schreibt über „Frauenfiguren in Catalin Dorian Florescus Roman Zaira“, Maria Sass über die „Literarische Rekonstruktion historischer Vergangenheit: Ursula Ackrills Roman Zeiden, im Januar“.

Adolf Meschendörfers „Stadt im Osten“ wird vom österreichischen Universitätsprofessor Sigurd Paul Scheichl als „Raumroman“ interpretiert. Der Begriff wurde vom deutschen Literaturwissenschaftler Wolfgang Kayser und charakterisiert jene Werke, die nicht die Figuren oder die Handlung, sondern die Darstellung der Welt im Mittelpunkt haben.

Aus der Perspektive der interkulturellen Biografieforschung beleuchtet Ana-Maria Dascălu-Romițan Titu Maiorescus Tagebuch, wobei die Forscherin überprüft, „ob und inwiefern die Mehrsprachigkeit und die interkulturellen Begegnungen auf den persönlichen und beruflichen Werdegang des späteren Literaturkritikers und Politikers einen Einfluss ausgeübt haben“.

Der Band beleuchtet die aktuelle Auseinandersetzung mit der deutschsprachigen Literatur und wiedergibt durch die verschiedenen Perspektiven, die angewandt werden, die vielfältigen Beschäftigungen in diesem Bereich sowohl im In- als auch im Ausland.

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