Deutschsprachige Zeitungen im östlichen Europa

Medientage bei der Deutschen Gesellschaft e. V. in Berlin

Samstag, 24. September 2016

Journalisten von deutschen Medien aus dem östlichen Europa trafen sich auf Einladung der Deutschen Gesellschaft in Berlin.

Zum dritten Mal richtete die Deutsche Gesellschaft e. V. in Berlin Medientage aus und stellte sie diesmal unter das Thema „Meinungsfreiheit und Medienvielfalt“ im östlichen Europa. Geladen waren meist Vertreter deutschsprachiger Zeitungen, aber auch einige Rundfunk- und Fernsehjournalisten aus mittel- und osteuropäischen Ländern, von Tschechien und Polen bis Russland und Georgien, insgesamt etwa 25 Journalisten. Die Deutsche Gesellschaft widmet sich der politischen und kulturellen Bildungsarbeit, sie fördert politische, kulturelle und soziale Beziehungen in Europa, wie Dr. Andreas H. Apelt, Bevollmächtigter des Vorstands, in seiner Begrüßung der Tagungsteilnehmer hervorhob. Michael Reiffenstuel vom Auswärtigen Amt unterstrich angesichts der schwierigen Entwicklungen in Osteuropa – er nannte u. a. die Ukraine-Krise und die Flüchtlingsproblematik – die Notwendigkeit eines aufgeklärten, qualitätsvollen Journalismus, der die Lage differenziert darstellt.

Ein Leser der deutschen Publikationen im östlichen Europa ist der Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft, Hartmut Koschyk, Mitglied des Bundestages und Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Er könne das Spannungsfeld und die schwierigen Bedingungen, unter denen Medienarbeit in diesen östlichen Ländern geleistet wird, oft herauslesen. Der Stellenwert der deutschsprachigen Medien in Osteuropa werde von der Bundesregierung hoch angesetzt. Sie hätten eine Brückenfunktion zwischen der jeweiligen deutschen Minderheit und der Mehrheitsbevölkerung. Über die Weiterentwicklung dieser Medien aus dem Printbereich ins Netz wird bereits verschiedentlich nachgedacht. Hartmut Koschyk erwähnte ein dahingehendes Projekt des Instituts für Auslandsbeziehungen Stuttgart (ifa).

Zur Einführung in die Thematik warf Dr. Manfred Sapper in seiner sehr eloquenten Art einen Kennerblick nach Ost-europa. Als Chefredakteur der Zeitschrift „Osteuropa“ ist er mit der medialen Wahrnehmung dieses geografischen Raums bestens vertraut. Eine anschließende Podiumsdiskussion vereinte Journalisten von mehreren Zeitungen sowie Rundfunk- und Fernsehsendern aus Deutschland: „Deutsche Welle“, „Die Welt“, „Der Tagesspiegel“ und „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) waren vertreten. Sie beantworteten in ihren Stellungnahmen die Frage, wie sie über Osteuropa berichten. Angeschnitten wurde eine ganze Reihe von Themen, im Fokus stand die Ukraine und die russisch gesteuerte Propaganda. Robert Schwartz von der „Deutschen Welle“ bezog sich vor allem auf Rumänien und die Republik Moldau, da werden in den Sendungen unterschiedliche Meinungen zur Entwicklung in der Region dargestellt. Karl-Peter Schwarz von der FAZ betonte die Bedeutung der Nato für Rumänien, das Land habe sich nach dem Beitritt sehr stabilisiert. Zur Sprache kam auch die Rolle der deutschen Medien in Osteuropa für die Recherchearbeit der Journalisten in Deutschland. Für Robert Schwartz spielen sie für die Sendungen bei der „Deutschen Welle“ eine wichtige Rolle, man sei abonniert und habe auch persönliche Kontakte zu den Presseleuten, sagte er. Dr. Gerhard Gnauck von der „Welt“ kann das nicht bestätigen, wenn man über ein Land berichte, so solle das nicht aus dem Blickwinkel der deutschen Minderheit geschehen, da seien örtliche englischsprachige Medien schon hilfreicher.

Die Journalisten aus den osteuropäischen Ländern bekamen ebenfalls Gelegenheit, ihre Zeitungen und fallweise Sendungen zu präsentieren. Da konnte man die „Neue Zeitung“ aus Budapest und die „Budapester Zeitung“, die „Prager Zeitung“ aber auch das „Landesecho“ ebenfalls aus Prag, das „Baltikum-Blatt“ und den „Königsberger Express“, das „Karpatenblatt“ aus der Slowakei, aber auch die „Moskauer Deutsche Zeitung“ oder auch das „Wochenblatt“ aus Polen und ebenso die in Georgien erscheinende „Kaukasische Post“ kennenlernen. Aus Rumänien waren die „Hermannstädter Zeitung“ und die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“ dabei. Es wurde deutlich, unter welch unterschiedlichen und oft schwierigen Bedingungen und finanziellen Voraussetzungen diese Blätter entstehen. Manche sind Tages- oder Wochenzeitungen, andere erscheinen alle zwei Wochen oder einmal im Monat, manche gar einmal im Jahr. Einige davon richten sich an die Angehörigen der deutschen Minderheit in dem betreffenden Land, andere allgemein an die Deutsch Lesenden, die nächsten wiederum nur an die deutschen Geschäftsleute.

Manche der Zeitungen wurden ausführlicher vorgestellt, darunter die „Hermannstädter Zeitung“ von der Chefredakteurin Beatrice Ungar . Interessant war das Beispiel der Tageszeitung „Der Nordschleswiger“ der deutschen Minderheit in Dänemark. Es war die einzige nicht in Osteuropa erscheinende Zeitung, die bei der Tagung anwesend war. Sie entsteht in Zusammenarbeit mit jener der dänischen Minderheit in Deutschland, „Flensborg Avis“, und mit zwei größeren Regionalblättern in den beiden Ländern. Zu den Texten der vier Redaktionen haben alle vier Zugriff, die Nachrichten und Berichte werden fallweise übersetzt und die Publikationen haben dadurch eine größere thematische Bandbreite.

Nachgedacht wurde auch über die Möglichkeiten, jüngere Leser heranzuziehen. Dazu sprach Björn Akstinat von der Internationalen Medienhilfe, ein Netzwerk zwischen deutschsprachigen Medien in aller Welt. Gerade auch für dieses Lesersegment ist der Internetauftritt der Zeitungen sehr wichtig, doch wurde ebenso unterstrichen, dass eine Minderheit, die nicht über ein regelmäßig erscheinendes Druckwerk verfügt, sehr viel weniger sichtbar ist.

Zum Schluss der von ihr konzipierten Tagung konnte Dr. Ingeborg Szöllösi, bei der Deutschen Gesellschaft für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, feststellen, dass alle anwesenden Zeitungen und Sendungen entschlossen sind, ihre Arbeit weiterzumachen und auf diese Weise weiterhin ein Bindeglied zwischen den Deutschen in einem bestimmten Land oder in einer Region zu sein. Das Bewusstsein, sich als Deutscher zu begreifen, ist eine Sache der andauernden Bindung. Man kann es nur erhalten, indem man voneinander weiß, durch die Medien voneinander erfährt.

Kommentare zu diesem Artikel

Anton Delagiarmata, 27.09 2016, 23:21
Es wäre von Vorteil, wenn die Deutsche Gesellschaft e. V. sich auch um den Vertrieb dieser Zeitungen in Deutschland kümmern könnte, obwohl oder gerade weil das wahrscheinlich ein Verlustgeschäft sein wird. So ist z. B. die ADZ aus den Zeitungsregalen in den Bahnhofsbuchhandlungen in Ingolstadt und Nürnberg verschwunden. (Ich kann mir gut vorstellen, dass es in anderen deutschen Städten genauso ist.)
Eine derartige Subvention von deutscher Seite könnte hierzulande Menschen (natürlich nicht massenweise) auf die Existenz deutscher Kulturwerte in Ost- und Südosteuropa aufmerksam machen.
Deutsche Sprache und deutsche Kultur existiert auch außerhalb des deutschen Sprachraums und kann als Bereicherung auch von interessierten Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wahrgenommen werden.

Ingolstadt, 27. September 2016
Anton Delagiarmata

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