Deva baut auf Tourismus

Nicht nur die Burg ist Anziehungspunkt

Donnerstag, 06. Juli 2017

„Diemrich, rief Herr Kuno Konrad Rescher in das Coupé Zweiter Klasse, in dem eine blaue Lampe brannte. Hier ist Siebenbürgen zu Ende. Aber noch beginnt das Banat nicht. Schlimm, wenn etwas zu Ende ist und nichts hat begonnen.“ So beginnt Eginald Schlattners Erfolgsroman „Das Klavier im Nebel“. Ein paar Absätze weiter heißt es dann: „Konradine zischte: Kein normaler Mensch sagt Diemrich, weder bei uns im Banat noch bei der Großmama in Schäßburg. Alle Welt sagt Deva.“ Ob Diemrich oder Deva, die Kreisstadt von Hunedoara ist einen Abstecher wert, wenn einen der Weg von Siebenbürgen in das Banat oder umgekehrt führt. Von den Krisen der Transformationsjahre ziemlich hart getroffen, genauso wie die nahe liegenden Industriereviere um Hunedoara und Kalan/Călan oder das etwas entferntere Schiltal/Valea Jiului, setzt Deva nun auf Tourismus: Die mittelalterliche Burg, in deren Kerker der siebenbürgische Reformator Franz Davidis 1579 starb, ist saniert und kann seit mehreren Jahren per Seilbahn erreicht werden. Restauriert wurde auch der frühbarocke Hof des Fürsten Gabriel Bethlen, die Magna Curia, die sich am Fuße der Burg befindet. In unmittelbarer Nähe steht die Villa des ersten kommunistischen Regierungschefs Rumäniens, Dr. Petru Groza. Sie ist ein mustergültiges Beispiel für die Architektur der 1920er Jahre, entworfen von einem der Stararchitekten der rumänischen Zwischenkriegszeit, Horia Creang˛. Und wer der Multikulturalität und Interkonfessionalität in diesem Raum nachgehen will, besuche den dreigeteilten Friedhof von Deva: Auf den Grabsteinen des orthodoxen Teils sind hie und da deutsche und ungarische Vornamen eingemeißelt, es gibt viele rumänische Namen im katholischen genauso wie im reformierten Teil des Friedhofs. Nicht selten trauert die rumänische Witwe ihrem ungarischen Mann nach, oft versteckt sich ein deutscher Vorname auf der langen Liste geadelter Ungarn, die dort ruhen.
Das kaum beachtete Deva, mit 61.000 Einwohnern inzwischen fast zur Kleinstadt verkommen, ist eindeutig besser als sein Ruf. Und es liegt Schlattners Herrn Rescher zum Trotz eindeutig in Siebenbürgen, die siebenbürgische Aussprache ist unverkennbar.

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