Die ADZ wird 70! – Kontinuität und Diskontinuität

Die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“ blickt auf eine 70-jährige Geschichte zurück

Mittwoch, 13. März 2019

Zensur im Kommunismus: links der Originalbeitrag über die Kommunisten in Österreich, rechts dieselbe Seite mit Nachrichten aus der Sowjetunion an dessen Stelle

Genau genommen, kann man nicht sagen, dass die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“, kurz ADZ, 70 Jahre alt wird. Es gab eine Geschichte vor dem Beginn der Geschichte der ADZ.
Am 13. März 1949, genau heute vor 70 Jahren, erschien in Bukarest die erste Ausgabe der Tageszeitung „Neuer Weg“. Es wurde damit eine reiche und langwährende Tradition der deutschen Presse in diesem Land wieder aufgenommen, die vor allem im Banat und in Siebenbürgen bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht und die im Herbst 1944 fast völlig zum Erliegen kam.

Für jeden Deutschsprachigen, der sich mit Rumänien oder gar mit der Geschichte der Deutschen in Rumänien ab 1950 beschäftigt, sind die in Bukarest erscheinenden Zeitungen „Neuer Weg“ (1949 bis 1992) und das Nachfolgeblatt „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“ (seit Januar 1993) eine wichtige Forschungsquelle, selbst wenn wichtige Ereignisse im Land, die die Bevölkerung hart trafen, die deutsche Minderheit manchmal besonders, in der Zeitung vor 1989 mit keinem Buchstaben vorkommen. Es ist eine Geschichte von Kontinuität und von Diskontinuität, die diese beiden Publikationen kennzeichnen.

Herausgeber der ab 1949 erscheinenden Tageszeitung „Neuer Weg“ war das erst kurz davor gegründete Deutsche Antifaschistische Komitee. Es war die erste überregionale Zeitung für die Deutschen in ganz Rumänien und sie hat wesentlich zur Herausbildung eines gemeinsamen Bewusstseins der deutschen Identität der unterschiedlichen deutschen Gruppen in unserem Land – Banater Schwaben, Siebenbürger Sachsen, Bukowinadeutsche, Sathmarschwaben und Zipser sowie Altreichdeutsche – beigetragen.

Der damalige „Neue Weg“ hatte das vorgegebene Ziel, die kommunistische Ideologie in der deutschen Bevölkerung zu verbreiten und diese für den sozialistischen Aufbau der Gesellschaft zu gewinnen. Dass er es mit den Jahren geschafft hat, auch zu einem Sprachrohr und einer Institution der Deutschen in Rumänien zu werden und diese Eigenschaft auch über die Jahre hin bewahren konnte, ist eine Leistung, die den langjährigen Chefredakteuren der Zeitung und den Redaktionsmitgliedern zu verdanken ist. In den endsechziger Jahren erreichte die Zeitung eine Auflage von 60.000 – 70.000 Exemplaren.

Schon die Geschichte der ersten Nummer der Zeitung vom 13. März 1949 spiegelt die Bedingungen und die Zwänge wider, unter denen diese Zeitung in kommunistischen Zeiten stand. Der Leitartikel „Unser Weg“ auf der ersten Seite spricht von der Nationalitätenpolitik des Landes, die für die „zusammenlebenden Nationen” gute Voraussetzungen für eine ersprießliche Entwicklung geschaffen hat. Als Beispiele werden Schulen, Kulturtätigkeit und Zeitungen in den verschiedenen Muttersprachen angeführt, aber auch der „Gebrauch der Muttersprache in Verwaltung und Gerichtswesen“. Dieser Gebrauch der Muttersprache in den genannten Bereichen wurde für die deutsche Minderheit nie umgesetzt.

Die erste Seite der ersten Ausgabe liegt in zwei Ausfertigungen vor, wobei in der zweiten Fassung, die tatsächlich erschien, etwa die Hälfte der Beiträge ausgewechselt und die verbliebenen Artikel – darunter auch der Leitartikel – überarbeitet wurden. So finden sich beispielsweise in der ersten Fassung Artikel über die Kommunisten in Österreich und Deutschland, diese wurden von der Zensur aber beseitigt und mit Nachrichten aus der Sowjetunion ersetzt.

Die Chefredakteure des „Neuen Weg“ beugten sich wohl dem politischen Zwang, und trotzdem taten sie das Machbare im Dienst der deutschen Gemeinschaft. In erster Linie muss hier Ernst Breitenstein (1949 – 1954; 1976 - 1988) genannt werden, der bestrebt war, jenseits der verpflichtenden parteiideologischen Artikel dem Leser auch eine lesbare Zeitung anzubieten, in der sich dieser wiedererkennen konnte. Außerdem machte er wie auch Chefredakteur Anton Breitenhofer (1954 – 1976) seinen Einfluss in politischen Kreisen geltend, um sich für die Belange der deutschen Minderheit einzusetzen – eine Tätigkeit, die nicht im Licht der Öffentlichkeit geschehen konnte und sich im „Neuen Weg“ nicht widerspiegelt, die aber bedeutende Erfolge verzeichnet hat. Die Zeitung hat in jener Zeit Forumsstelle vertreten, in der es keine legitime Vertretung der deutschen Gemeinschaften Rumäniens in diesem Lande gab, bemerkte einmal der ehemalige Ehrenvorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Paul Philippi, treffend. Die Redaktion hat bei der Gründung des Deutschen Staatstheaters Temeswar (1953) mitgewirkt und ebenso bei der Gründung der deutschen Abteilung des Hermannstädter Staatstheaters (1956). Die Erhaltung des deutschen Schulwesens in Rumänien war Thema zahlreicher Berichte in der Zeitung, aber auch vieler Eingaben an die zuständigen Stellen. Um das traditionelle Brauchtum der deutschen Bevölkerung hat sich die Zeitung mit Nachdruck bemüht, sodass die Banater schließlich wieder ihre Kirchweih feiern und auch die Agnethler Urzeln wieder laufen konnten. Der „Neue Weg“ setzte sich für die Rückgabe der Bauernhäuser ein, die 1945 enteignet worden waren, was schließlich 1956-1960 durchgeführt wurde. Ebenso hat die Zeitung darauf gedrungen, dass die von den Rumäniendeutschen in der Sowjetunion mit Zwangsarbeit verbrachten Jahre bei der Rentenberechnung als Arbeitsjahre anerkannt werden.

Emmerich Reichrath hat die Leitung des „Neuen Wegs“ unter veränderten Verhältnissen übernommen. Es war nach der Wende von 1989. So froh man darüber war, dass man nun in Freiheit Zeitung machen konnte, so groß wuchsen auch gleich die Sorgen. Es stellte sich zum einen in nachdrücklicher Weise die Frage der Finanzierung und dann auch des Personals, denn unsere Kollegen verließen – wie die anderen Deutschen in Rumänien auch – in Scharen das Land. Allen Unwägbarkeiten zum Trotz arbeitete Reichrath ein neues Konzept aus und ab 5. Januar 1993 erschien die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“, eine in Inhalt und Layout modern gestaltete Publikation, die vom Bleisatz zum Computersatz übergegangen war.

Emmerich Reichrath und Hans Frank ist es zu verdanken, dass die Zeitung Anfang der 90er Jahre auf neue Grundlagen gestellt wurde. Mit der Gründung des ADZ-Verlags, dessen Leiter Hans Frank war, wurde eine Struktur aufgebaut, die das Fortleben der Publikation sicherstellen konnte. Franks Einsatzbereitschaft, sein unerschütterlicher Optimismus waren ein Teil der Voraussetzungen, dass wir heute 70 Jahre überregionale deutsche Zeitung in Rumänien feiern können.
Durch die finanzielle Unterstützung gewährleistet das Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien, die legitime Interessenvertretung der Rumäniendeutschen, das Erscheinen der ADZ. Heute ist es der Herausgeber und Eigentümer der Publikation.

Die Redaktionsmitglieder sind darum bemüht, eine qualitätsvolle Tageszeitung zu erstellen, die über das politische, wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Leben in Rumänien berichtet und sich breitere Leserkreise erschließt, die alle umfassen, die an deutscher Sprache und Kultur interessiert sind, zunehmend auch deutschsprachige Ausländer, die sich geschäftlich oder aus sonstigen Gründen in Rumänien niedergelassen haben, oder auch deutschsprachige rumänische Leser.
Die Temeswarer „Banater Zeitung“ und die Kronstädter „Karpatenrundschau“ erscheinen seit November 1993, beziehungsweise seit Januar 1996 als Beilagen der ADZ.

Das Bewusstsein, sich als deutsche Gemeinschaft in Rumänien zu begreifen, ist eine Sache der andauernden Bindung. Man kann es nur erhalten und festigen, indem man voneinander weiß, durch die Medien voneinander erfährt. Das Ziel der ADZ ist es, die Deutschen, die deutsch Lesenden in den verschiedenen Teilen des Landes zu verbinden, sie übereinander zu informieren, sodass sie sich als Gemeinschaft verstehen können. Die Zeitung sieht sich da als einen wichtigen Faktor zur Bewahrung der deutschen Identität.

 

Kommentare zu diesem Artikel

Mark, 22.03 2019, 00:00
Zur Zeit meiner Kindheit im Banat waren 70-Jährige im Gassentürchen sitzende alte Leute, die auf ihr Leben zurückblickten.
Heute sind 70-Jährige (fast meine Altersgenossen) aktive Senioren mit den Blicken in die Zukunft gerichtet.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin kreatives Schaffen!
Mark Jahr aus Ingolstadt
wolfgang, 13.03 2019, 19:18
Welche Auflage hat die Zeitung wohl jetzt?
wolfgang, 13.03 2019, 19:11
Liebe Rohtraut,

ich wünsche dir und dem gesamten Team weiterhin eine segensreiche Arbeit.
Eben habe ich festgestellt, dass ich drei Jahre nach der Geburt des NW zur Welt gekommen bin.

Viele Grüße aus Nürnberg
Herbert, 13.03 2019, 13:41
Sehr informativ und interessant

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