Die Altäre in der Schäßburger Bergkirche

Erläuterungen zu den Altären von Dr. Rolf Binder erschienen

Samstag, 26. August 2017

Rolf Binder: „Die Altäre in der Schäßburger Bergkirche“, Schäßburg 2017, herausgegeben mit Unterstützung des Demokratischen Forums der Deutschen in Schäßburg.

In seinem Epilog kritisiert der Pfarrer i. R. Dr. Rolf Binder die landläufige Meinung, dass die bildreiche Ausstattung der Kirchen für die „Armen“ – gemeint sind wohl die Ungebildeten, des Lesens Unkundigen – gedacht gewesen wären. Aber: „Ohne Bibelkenntnis weiß kein Mensch, was er sieht, wenn er die Bilder zur Leidensgeschichte betrachtet.“ Dies gilt sicher auch für die Darstellung der Legenden, die sich um die verschiedenen Heiligen drehen. Dem einen oder anderen heutigen, eher unbedarften Besucher der Bergkirche in Schäßburg wird diese Unkenntnis wohl bewusst werden, wenn er die Bildtafeln der hier aufgestellten Altäre aus den umliegenden Kirchenburgen von Mee- oder Mehburg/Beia, Schaas oder Reußdorf/Cund betrachtet. Wer – insbesondere welcher Protestant – kennt denn genau die Legende der heiligen Ursula und der 11.000 Jungfrauen, oder die der heiligen Anna und ihrer Sippe, oder wer weiß Genaues über die Geschichte der Dominikaner, einst stolze Klosterherren auch in Schäßburg? Aber auch bei geläufigeren Bibelszenen, z. B. der Passionsgeschichte, wird manches laut Binder missverstanden – Kaiphas mit Pontius Pilatus verwechselt und vieles mehr.

Genau vor diesem Hintergrund erweist sich das Buch des Pfarrers Rolf Binder als hilfreich. Als gläubiger Protestant und begeisterter Siebenbürger deutet er aus seiner theologischen Sicht das vorreformatorische Bildprogramm der Altäre. Auch auf die Funktion der gotischen Flügelaltäre, wann sie geschlossen, wann offen gezeigt wurden, ja auf die Bedeutung des Wortes „Altar“ selbst, geht Rolf Binder detailliert ein. Ebenso auf den Wandel, der sich durch die Reformation ergab. Selbst wenn der Bildersturm in Siebenbürgen nicht so radikal ausfiel wie in anderen Gebieten, manches war nicht mehr vereinbar mit der neuen Konfession. So mussten die auf den Altären einstmals aufgestellten Heiligen-Statuen als Gegenstand der Verehrung meist weichen, um z. B. durch eine konformere Christus-Statue ersetzt zu werden.
Zwar verweist Binder kurz auf die Künstler der Altäre, so wenn er die Werkstatt des Johann Stoß, dem Sohn des berühmten Nürnberger Künstlers Veit Stoß, benennt, der in Schäßburg eine Werkstatt unterhielt und dem die malerische Gestaltung des Ursula-Altars aus Meeburg oder des Schaaser Altars, der dem hl. Nikolaus geweiht war, zugeschrieben werden. Aber eine kunstgeschichtliche Abhandlung über die siebenbürgischen Künstlerwerkstätten, wie sie zum Beispiel Emese Sarkadi Nagy mit ihrer Dissertation vorgelegt hat („Local Workshops – Foreign Connections. Late Medieval Altarpieces from Transylvania“, Stuttgart, Thorbecke 2012 - Diss. 2008 Budapest), sollte man an dieser Stelle nicht erwarten. Einige Standardwerke zu den siebenbürgischen Altären finden im Text ihre Erwähnung, so von Victor Roth (1916) oder von Gisela und Otmar Richter („Siebenbürgische Flügelaltäre“, Wort und Welt Verlag, 1992). Eine Bibliografie und – gerade weil die Erläuterungen zu Ortsnamen, Begriffen oder auch dem Symbolgehalt von Pflanzendekorationen so ausführlich ausfallen – ein Glossar wären zusätzlich durchaus wünschenswert gewesen.



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