Die Anfänge der Fotografie in Kronstadt

Forscherin Camelia Neagoe widmet sich dieser Kunstart und ihren Vertretern

Samstag, 05. Juli 2014

Camelia Neagoe bot einen sehr aufschlussreichen Vortrag über die Anfänge der Fotografie in Kronstadt.

Das Plakat der Deutschen Vortragsreihe des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt kündigte die Einladung zu einem Vortrag unter dem Titel „Die Anfänge der Fotografie in Kronstadt“ (17. Juni l.J) an, den Camelia Neagoe in rumänischer Sprache hielt und der auf die Zeitspanne 1839 – 1875 Bezug nahm. Die Zuhörer waren gleich von der eingehenden Dokumentation, die die Autorin diesbezüglich vorgenommen hatte, positiv überrascht.Das Ergebnis ihrer Forschungen, die sie im Archiv der Schwarzen Kirche und in der Kreisdirektion der Nationalarchivs vorgenommen hatte, wurde mit zahlreichen Archivfotos untermauert und führten somit, anschließend an den Vortrag, auch zu fachkundigen Diskussionen, die von Thomas [indilariu als Leiter der Vortragsreihe moderiert wurden. Er stellte Camelia Neagoe als Forscherin vor, die mit voller Seele bei ihrer Arbeit ist. Die Kronstädterin, die an der Universität für Kunst von Bukarest, an der Filmfakultät Drehbuch und Montage studiert hat, widmet sich seit mehreren Jahren der Kronstädter Fotografie, die da auf rund 150 Jahre zurückblicken kann.

Das fotografische Verfahren wurde  von dem französischen Maler Louis J. Daguerre (1787 – 1851) im Jahre 1839 erfunden. Dieses bestand  darin, eine Silber- oder versilberte Kupferplatte mit einer lichtempfindlichen Silberjodidschicht in der Dunkelkamera  längere Zeit zu belichten. Beim Entwickeln mit Quecksilberdämpfen scheidet sich an den vom Licht getroffenen Stellen nach Maß der Belichtung ein weißer Niederschlag von Quecksilber ab. Nichtbelichtetes Silberjodid wird durch Fixieren in Natriumthiosulfat entfernt. So erhält man ein seitenverkehrtes Bild. Diese Methode nennt man nach deren Erfinder Daguerrotypie. Wenige Tage nach der Bekanntgabe dieser Erfindung werden bereits die Leser des „Siebenbürger Wochenblatt“ darüber informiert. In den nächsten zehn Jahren kamen nach Kronstadt nur zwei Wanderfotografen, Gottfried Barth und Wilhelm Berg, von denen Camelia Neagoe keine Daguerrotypien ausfindig machen konnte. Diese Methode wurde bis um das Jahr 1860 verwendet.

Drei Fotografen, die auch als Maler in Kronstadt wirkten, werden 1859 in der Stadt unter der Zinne vermerkt: Anton Fiala, Samuel Herter und Eduard Fritsch. In gleichem Jahr konnte man in der Buchhandlung Vayna in der Purzengasse 18 Fotos kaufen, die von Eduard Fritsch gemacht worden sind. Dieser stammte aus der Slowakei und hatte sich im Alter von 37 Jahre in Kronstadt niedergelassen. Er baute sich ein Haus in der Johannisgasse Nr. 13, wo er sein Kunstatelier einrichtete, aber auch Emailfarben herstellte. Fotos von Fritsch sind bekannt, da einige dieser schon öfters reproduziert worden sind. Es handelt sich dabei vor allem um Stadtansichten: Klostergasse, Marktplatz aus verschiedenen Winkeln, Schwarzgasse, Waisenhausgässer Tor u.a. Ein Merkmal dieser Aufnahmen sind die menschenleeren Straßen. Dieses ist auf die damalige Technik zurückzuführen, die es, wegen der langen Belichtungszeit, nicht gestattete, sich bewegende Personen im Bild festzuhalten. Auch konnten zu der Zeit die Negative nicht längere Zeit aufbewahrt werden, um weitere Abzüge zu machen. Zehn Fotos von Fritsch sind dank Dr. Eduard Gusbeth (1839 - 1919) aufbewahrt worden und gelangten später in Besitz des Burzenländer Sächsischen Museums und nachträglich in die Bestände des Kronstädter Staatsarchivs.

Camelia Neagoe präsentierte anschließend eine Reihe von Porträts aus  jener Zeit, wobei beginnend mit dem Jahr 1860 diese Fotos das Format von Visitenkarten hatten. Wegen des kleinen Formats sanken auch die Preise beträchtlich. Die erste Kronstädter Persönlichkeit, deren Porträt auch im Handel erworben werden konnte, war Carl Maager, Vorsitzender der Handelskammer. Angefertigt worden war das Porträt in dem bekannten Wiener Fotoatelier Victor Angerer. Der bekannteste Kronstädter Fotosammler des Visitenkarten-Formates war Friedrich Ridely, der 1891 dem Honterus-Gymnasium ein Album mit 550 Porträts Kronstädter Persönlichkeiten hinterlassen hat. 

In den Jahren 1860 - 1880 hat es laut Forscherin Camelia Neagoe zehn Fotoateliers in Kronstadt gegeben, wobei das bedeutendste, das von Samuel Herter war. Geboren 1830 in Baden-Württemberg hat er sich als 16-Jähriger in Siebenbürgen niedergelassen und heiratete 1854 in Kronstadt. Zehn Jahre später baute er sich ebenfalls in der Johannisgasse einen Fotosalon aus Glas. An dessen Stelle wurde später das Hotel Aro-Sport gebaut. Ein Fotoatelier musste mindestens über einen Warteraum verfügen, in dem man sich in einem Eck, Kleidung und Haarpracht zurecht rücken konnte, außerdem über einen sogenannten gläsernen Raum, wo die Aufnahmen gemacht wurden und das Labor. Auf dem Plakat zur Ankündigung des Vortrages wurde das Bild von Charlotte Jacobi, geboren 1843, Gattin des Senators und späteren Bürgermeisters von Kronstadt Karl Jacobi, reproduziert, das im Atelier Herter gemacht worden war. Herter gelangte durch seine Arbeit zu einem gewissen Reichtum, doch durch eine falsche Geldanlage blieb ihm  fast Nichts. Er starb im Juni 1880 in Kronstadt an einem Schlaganfall, im Alter von nur 50 Jahren. Seine letzte Ruhe fand er am Innerstädtischen Friedhof. Sein Sohn Wilhelm Herter kam 1905 aus Schäßburg nach Kronstadt, wo er ein erfolgreicher Fotograf wurde. Er starb noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Die weitere Fotoateliers jener  Jahre (1860 – 1875) in Kronstadt waren:

Rudolf Ottroban, der in der Klostergasse zwischen 1862 bis 1865 gewirkt hat. Von ihm gemachte Fotografien konnte die Forscherin nicht ausfindig machen.

Lamberg & Decsey, ebenfalls in der Klostergasse. Moritz Lamberg war aus Prag gekommen und schloss eine Partnerschaft mit dem hiesigen Maler und Fotografen Eduard Decsey.

Josef Klement, ein Maler aus Wien, wurde in Kronstadt Leiter des städtischen Theaters. In der Waisenhausgasse eröffnete er ein Atelier, wo er auch zwischen 1866 – 1870 fotografierte.

Oskar Luckhardt war Zivilbauingenieur. Nachdem er 1860 nach Kronstadt kam, eröffnete er auch ein Fotoatelier in der Schlossbergzeile, das zwischen 1866 – 1867 funktionierte. Er widmete sich dann anderen Geschäften und betrieb sogar eine kleine Erdölraffinerie, baute sich dann eine Villa in der Blumenau.

Carl Blösz war der erste Fotograf mit Kronstädter Abstammung und wirkte als solcher von 1865 bis 1883. Dieser hatte sein Atelier ebenfalls in der Johannisgasse, direkt neben der Kirche gleichen Namens. Er war ausgebildeter Maler und hatte an der Kunstakademie in München studiert. Aus Kronstadt übersiedelte er nach Galaţi.

Carl Bömches war der erste Kronstädter Sachse, der in der Klostergasse Nr. 5 – 7 sein Fotoatelier eröffnete und bis 1879 da wirkte. Nachträglich widmete er sich seinen Fotosalons, die er in Buz²u und Ploie{ti hatte. Bömches war Techniker, dann Unteroffizier in der österreichischen Armee, wobei er an dem Feldzug 1859 in Italien teilgenommen hatte. Er verzichtete auf die Armee. Unbekannt ist, wo er die Fotokunst erlernt hat, da er um 1870 zu den wichtigen Kronstädter Fotografen gehörte. In seinem Studio arbeitete auch Leopold Adler, bis er sich das eigene Atelier eröffnete. 1873 hat der Stadtingenieur Peter Bartesch bei Carl Bömches zwei Fotografien mit Ansichten des Schwarzgässer Stadttors bestellt, da dieses abgetragen werden sollte, um die neue Kaserne zu bauen.  Diese Bestellung stellte eine Premiere in der Geschichte der Kronstädter Fotografie dar, da es sich um einen ersten Auftrag einer öffentlichen Institution handelte, um ein Zeugnis der Existenz eines Denkmals für die Zukunft aufzubewahren.

Ende des Jahres 1880 gab es nur zwei Fotoateliers in Kronstadt: Das von Leopold Adler, das 65 Jahre funktionieren sollte,und das von Carl Blösz, welches 1883 geschlossen wurde.
Es folgte ab diesem Jahr einen Generation junger Fotografen wie Robert Klement, Veress Gyula, Carl Muschalek, Michael Knapp, Johann Lenz, Heinrich Adleff, Knauer Gyula.

Camelia Neagoe setzt ihre Forschungen fort. Vielleicht kommt es dazu, dass auch eine Geschichte der Kronstädter Fotografie ausgearbeitet wird. Ansätze dafür gibt es, wie es auch der Vortrag belegte.

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