„Die anonymen Menschen sind die wahren Helden“

Temeswarer Schriftsteller für sozialen Einsatz geehrt

Freitag, 01. Mai 2015

Der Schriftsteller Petru Ilieşu (li.) und Architekt Radu Radoslav bei der Verleihung des Exzellenz-Diploms
Foto: Sergio Morariu

„Wir zeichnen diese Bürger, diese anonymen Helden, die dem Leben der Stadt, der lokalen Gemeinschaft ein gehobenes Niveau verleihen, aus“, so der Architekt Radu Radoslav, der regionale Vertreter des Registers der Städteplaner in Rumänien (RUR). Dies seine Worte bei der Verleihung des Exzellenz-Diploms im Bereich des sozialen Städtebaus an den Temeswarer Schriftsteller Petru Ilieşu, dem Gründungsvorsitzenden der Stiftung „Timişoara ’89“. Ausgezeichnet wurde Ilieşu für die Förderung der nachhaltigen Entwicklung der lokalen Gemeinschaften, indem er Menschen in Not unterstützt. Dem feierlichen Anlass wohnten auch Mitglieder des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs im Banat bei, unter anderen der deutsche Vizekonsul Siegfried Geilhausen, der Managing Partner von Syonic, Michael Bullert, der Geschäftsführer der Lugoscher Niederlassung von Werzalit, Wolfgang Schaich, und der Vorsitzende der EnduRoMania Stiftung, Sergio Morariu.

Der Schriftsteller, Dichter, Bühnenbildner und Regisseur Petru Ilieşu hat die Stiftung „Timişoara ’89“ kurz nach der Wende ins Leben gerufen und einen großen Teil seiner Tätigkeit den notleidenden Menschen gewidmet. Diesbezüglich hat Ilieşu mehrere soziale Dienste eingeführt: Unter anderen eine zeitweilige Unterkunft für Obdachlose, eine Genesungsstation für alleinstehende Personen ohne Einkommen und Sozialversicherung, die nach einem kurzfristigen Krankenhausaufenthalt entlassen werden, und die Soziale Gemeinschaft „Arhipelag“.

In den 25 Jahren seit der Gründung der Stiftung „Timişoara ’89“ wurden in den Räumlichkeiten der Hilfsorganisation ein Club, ein japanischer Garten (der derzeit beim neuen Gebäude der Einrichtung auf der Martin Gogu Opre-Straße 24 in Temeswar umgebaut wird) und eine Galerie für digitale Kunst eingerichtet. Zu den Tätigkeitsbereichen der Stiftung gehören auch Performance-Vorstellungen, Buchveröffentlichungen zur Förderung der Stadt Temeswar in rumänischer, deutscher und englischer Sprache sowie die Einführung des Konzeptes „Timişoara Open Art City“, das inzwischen als eines der Markenzeichen der Stadt Temeswar gewertet wird.

Film und Multimedia

„Temeswarer Bohème“, „Petru, Return To Europe“ (in Zusammenarbeit mit European Stability Initiative realisiert und 2008 in Wien mit dem Europäischen „Erasmus Euro Media Preis“ ausgezeichnet) und „Leuchten über die Zeit hinaus“ heißen einige Dokumentarfilme, die über die Stiftung „Timişoara ’89“ gedreht wurden. In diesem Zusammenhang wurden auch andere Dokumentarfilme zum Thema der Revolution von 1989 gestaltet.

Im Laufe der Jahre erhielt der mehrfache Buchautor Petru Ilieşu verschiedene Preise, darunter einige Auszeichnungen der Temeswarer Filiale des Rumänischen Schriftstellerverbands, das Exzellenz-Diplom des Bürgermeisteramtes Temeswar für die gesamte Tätigkeit und die Förderung der Stadt Temeswar (2006), den Preis der Jazz-Gala in Bukarest (2011) und das Diplom der Banater Exzellenz-Gala (2014).

Bei der Verleihung des Exzellenzdiploms an Petru Ilieşu wurde auch der Film „România post-scriptum“ des Rumänischen Fernsehsenders in Temeswar ausgestrahlt. „Ein Happening, angeregt von Petru Ilieşu“, stand auf dem Bildschirm. Gefilmt wurde Anfang der 1990er Jahre nachts auf der Straße vor dem ehemaligen Gebäude der Stiftung auf der Nicolae Titulescu-Zeile unter anderem mit Unterstützung des Bürgermeisteramtes und der Gendarmerie, erinnert sich der Schriftsteller. Es handelt sich dabei um eine Performance der Stiftung „Timişoara ’89“. „Eine Performance von sehr hohem Niveau, eine Mischung von Figuren, wo besondere Menschen der Stadt mitgewirkt haben,  wie der Regisseur Diogene V. Bihoi“, erzählt Ilieşu. Bihoi führte auch die Regie des Films.

Die Multimedia-Ausstellung „BarOk reDESIGNed“ der jungen Künstlerin und Hochschullehrerin Corina Nani begleitete die Preisverleihung. Die Arbeiten der Designerin präsentierten bekannte historische, im Barock- und im Stil der Jahre 1900 errichtete Bauten auf dem Domplatz,  Marienplatz oder Trajansplatz. Die Zeichnungen umfassten außer Architekturdetails auch Elemente aus der Natur: Pflanzen- und Blumenmotive und nicht zuletzt Details des menschlichen Körpers. Zur Ausrichtung der letzteren ließ sich Corina Nani während des Schaffens von den Worten der kanadischen Architektin und Koordinatorin der Designschule der Universität von Quebec in Montreal, Louise Pelletier, leiten: „Die Architektur ist wie eine schöne Frau: sie muss durch sich selbst Freude bereiten; sie braucht nur wenige Ausschmückungen“.

Vier Exzellenz-Diplome im Jahr

„Die einfachen Bürger sind die wichtigsten Akteure, denn sie kennen am besten die Bedürfnisse der Gemeinschaft“, begründet Radu Radoslav die Verleihung der Exzellenz-Diplome seitens des Regionalamtes des Registers der Städteplaner für die Entwicklungsregion West. Wenn mit dem vor Kurzem an Petru Ilie{u überreichten Exzellenz-Diplom Verdienste im sozialen Bereich anerkannt wurden, so würdigt das RUR auch Leistungen in Sparten wie Gestaltung und Wiederbelebung des öffentlichen Raumes, Sport, bildende Kunst oder Musik. Das Regionalamt der Städteplaner überreicht Exzellenz-Diplome seit 2011, vier in jedem Jahr. Die Auszeichnungen sind eine Folge der Anerkennung der Verdienste von privaten, unabhängigen, freiwilligen Initiativen in der Stadterneuerung.

Ein Novum in diesem Unterfangen des RUR sind die Stadtfarmen, ein derzeit auch in Deutschland herrschender Trend, so Radoslav. Ein Vorhaben des Regionalamtes der Städteplaner ist die Auszeichnung der „schönsten Gärten zwischen oder vor den Wohnblocks, denn dies sei der Trend der Zukunft“, meint der Architekt. Zusammen mit den Beiräten der Stadtviertel sollen dann drei-vier Gärten besichtigt und anschließend einer davon ausgezeichnet werden.

In diesem Jahr plant das RUR auch den aus Temeswar stammenden und derzeit in Deutschland lebenden Architekten und Städteplaner Mihai Opriş für seine etwa 40-jährige Forschungsarbeit im Bereich der Temeswarer Architekturgeschichte und des Städtebaus zu würdigen. Mihai Opriş hat unlängst in Zusammenarbeit mit dem Temeswarer Architekten Mihai Botescu den Band „Die historische Architektur in Temeswar“ herausgegeben – der jüngste Beweis seines umfangreichen Wissens.

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 02.05 2015, 08:45
Weiter so, Temeswar! Ein Vorbild für andere Städte in Rumänien, was dieses Thema betrifft!
"„Die einfachen Bürger sind die wichtigsten Akteure, denn sie kennen am besten die Bedürfnisse der Gemeinschaft“..
und nicht diejenigen, die reich sind, aber nur an sich selbst denken, und ansonsten keinerlei Kultur und Notwendigkeit in Richtung Gemeinschaft haben.
Bürgerinitiativen, das Interesse für den einfachen Bürger zeichnen "lebende" Städte aus, und nicht Prunktprojekte und Milliardäre.

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