Die Autoritäten sind jetzt gefordert

Rettung des Reschitzaer Maschinenbauwerks UCMR soll eingeleitet werden

Mittwoch, 07. November 2012

Reschitza - Die Gewerkschaft Reşiţa 1771 und der Kreisverband der Gewerkschaften CNSLR Frăţia Karasch-Severin haben durch ein Schreiben den Karasch-Severiner Präfekten Silviu Hurduzeu aufgefordert, im November eine außerordentliche Tagung der Kommission für Sozialen Dialog der Präfektur anzusetzen, auf der die Lage des Reschitzaer Maschinenbauwerks UCMR in Anwesenheit möglichst aller Implizierten besprochen wird.

Der amtierende Präsident des Kreisverbands der CNSLR Frăţia, Jivomir Tovladinaţ – der lange Jahre im Maschinenbauwerk Reschitza Gewerkschaftsführer war –. ist der Meinung, dass UCMR mit seinen gegenwärtig noch rund 2000 Arbeitnehmern mindestens die selbe Aufmerksamkeit auf nationaler Ebene verdient wie die staatlichen Großunternehmen, die seit geraumer Zeit im Blickpunkt des nationalen öffentlichen Interesses stehen. Schließlich sei die potenzielle wirtschaftliche und soziale Rolle von UCMR unvermindert und jederzeit mit Oltchim oder anderen Großbetrieben vergleichbar.

„Wir wünschen uns eine zivilisierte Lösung der gegenwärtigen Situation des Maschinenbauwerks, durch sozialen Dialog, ohne Machtdemonstrationen und Straßendemos derjenigen, die direkt betroffen sind von den aktuellen wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten“, erklärte Tovladinaţ. „Nur so werden wir die Übernahme eines Modells und die Wiederholung einer Situation vermeiden können, die droht, in Rumänien chronisch zu werden: Spannungssituationen mit sozialen Konvulsionen von einer Intensität und Art, die schwer zu kontrollieren sind.“

Die unterschwellige Drohung im Ton des Schreibens von Jivomir Tovladinac wird durch seine Vorschläge abgeschwächt betreffs die personelle Besetzung der Teilnehmer an der geforderten außerordentlichen Tagung der Kommission für Sozialen Dialog. Es geht Tovladina] in erster Linie um die Teilnehmer, die repräsentativ sein müssen und aus allen bei UCMR implizierten Kreisen kommen sollen.

Einzuladen seien also Vertreter des Mehrheitseigners von UCMR, der in der Schweiz registrierten INET AG, Vertreter der Firmen, die im Insolvenzverfahren von UCMR impliziert sind, die Geschäftsführung der SC UCMR SA, alle Vertreter des Verwaltungskreises Karasch-Severin in den beiden Kammern des rumänischen Parlaments, aber auch Vertreter der direkt in der Wirtschaftsproblematik des Landes implizierten Ministerien: des Ministeriums für Arbeit, Familie und Sozialschutz, des Ministeriums für Öffentliche Finanzen, des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Fragen der Geschäftswelt, nicht zuletzt auch von der für Steuerfragen verantwortlichen Nationalen Agentur ANAF.

Der rasante Niedergang des Reschitzaer Maschinenbauwerks UCMR begann mit der Einstellung aller Arbeiten an hydroenergetischen Baustellen Rumäniens nach der Wende und dem gleichzeitigen Aufgeben des Schiffsbaus in staatlicher Regie in den Werften am Schwarzen Meer.

Das Reschitzaer Werk, das von der Kommunistischen Führung des Landes ab 1965 nach und nach auf Großmaschinen für Sonderbereiche – Schifffahrt, Wasserkraftwerke, Kernenergiewesen, Zementindustrie, Schienenverkehr u. ä. – spezialisiert worden war und das in den 1990er Jahren, während jener von außerordentlich hoher Inflation gezeichneten Jahre, wegen der langen Bauzeyklen (bis zu drei Jahre) starke Einbußen erlitt und praktisch trotz Aufträgen finanziell verarmte, geriet dann in die Hände der von Präsident Băsescu so genannten Interessensgruppe der „gscheiten Jungs“ (im Original: „Băieţii deştepţi“) aus dem Energiewesen. Diese setzten auf eine Initiative der Regierung von Adrian Năstase, den Bau von Wasserkraftwerken wieder aufzunehmen, und rissen sich den einzigen rumänischen Erzeuger von Turbinen und Generatoren für den hydroenergetischen Bereich, eben UCMR, über die Schweizer INET AG unter den Nagel.

Über den von der INET AG eingesetzten „Präsident-Generaldirektor“ Adrian Chebuţiu (sein Titel zeigt schon die unbegrenzten Vollmachten, über die er verfügte und die er effektiv ausnutzte, auch zum eigenen Vorteil, wie sich zu guter Letzt zeigte) begann aber ein steiler Abstieg, erst durch die Zerstückelung des Werks in über ein Dutzend quasiunabhängige „Profitzentren“ und danach durch das allmähliche „Verschwinden“ in bis heute nicht vollkommen transparenten Privatbesitz der profitabelsten unter den ehemaligen Abteilungen von UCMR.

Nach wie vor befremdlich ist allerdings, dass kaum etwas von diesem Prozess je an die Öffentlichkeit kam, dass sowohl die Führungsebene des Werks als auch die Lokalpolitiker und die sonst so eifrigen diversen Ebenen der Überwachungskräfte des Staates ein in der Öffentlichkeit wie abgesprochen empfundenes Stillschweigen über die Vorgänge im Maschinenbauwerk bewahrt haben und dass erst durch einen – inzwischen ebenfalls anscheinend unter den Teppich gekehrten – Skandal rund um die Erstattung einer millionenschweren Mehrwertsteuer für exportierte Schrottmaschinen einiges (man könnte auch sagen: kontrolliert) aufgeflogen ist (impliziert waren ein in Rumänien lebender libanesischer Staatsbürger, der Präsident-Generaldirektor des Reschitzaer Maschinenbauwerks und sein Spezi, der UCMR-Handelsdirektor sowie Verantwortliche des Hafens Konstanza).

Mit dem (nicht ganz freiwilligen) Abgang des Präsidenten-Generaldirektors und seiner Handlanger im Laufe des Jahres 2011 und der Insolvenzerklärung von UCMR begann eine Phase der Schadensbegrenzung, die heute noch anhält und als deren Teil auch die jetzt geforderte außerordentliche Tagung der Kommission für Sozialen Dialog der Präfektur anzusehen ist.
Zwischendurch ist die Zahl der Arbeitnehmer von UCMR von nahezu 4000 auf knapp die Hälfte zurückgegangen.

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