„Die beste Botschaft, die die Schweiz an Rumänien senden kann“

Zehn Jahre seit der Aufnahme der Tätigkeit der Orgelbauschule in Honigberg

Donnerstag, 15. Mai 2014

Auch in der Kirche von Honigberg erklingt die von den Schweizer Fachleuten restaurierte Orgel.

otschafter Jean-Hubert Lebet (rechts) im Gespräch mit Senator George Severin am Hof der Orgelbauschule von Honigberg.

An der Interviewrunde beteiligten sich Árpád Magyar, Ernst Leonhardt, Andrea Hajdu, Barbara Dutli, Ferdinand Stemmer, Daniel Popovici, Mirela Kulin Năftănăilă (v.l.n.r.)
Fotos: Dieter Drotleff

Die am Freitag, dem 9. Mai, stattgefundenen Festlichkeiten anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Orgelbauschule von Honigberg standen unter der Schirmherrschaft seiner Exzellenz Jean-Hubert Lebet, Botschafter der Schweiz in Rumänien, und erfreuten sich einer großen Beteiligung. Begrüßt wurden die Gäste im Gemeindesaal von Orgelbauer  Ferdinand Stemmer, langjähriger Leiter der Schweizerischen  Stiftung für Orgeln in Rumänien, die er 1999 gründete und die er bis 2010 als Vorsitzender leitete, und die Initiative zur Gründung der Lehrwerkstatt für Orgelbauer und Schreiner in Honigberg hatte, die im Oktober 2003  festlich eröffnet wurde.

Ferdinand Stemmer begrüßte Botschafter Jean-Hubert Lebet, George Severin, Vorsitzender des Kulturausschusses im Senat des rumänischen Parlaments, Reinhart Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, Prof. Dr. Paul Philippi, Ehrenvorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Ernst Leonhardt, Vorsitzender der Schweizer Stiftung für Orgeln in Rumänien, die Mitglieder des Stiftungsrates, den Kronstädter Stadtpfarrer Christian Plajer, den Bürgermeister von Honigberg Mihai Dişor,  Wolfgang Wittstock, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt, Pfarrer Kurt Boltres und die Mitglieder des Presbyteriums der Honigberger evangelischen Kirchengemeinde, die Vertreter der Kronstädter Fakultät für Holzverarbeitung der Transilvania-Universität. Auch richtete er seinen Dank an die Vertreter der Kirchengemeinde, an die Lokalbehörden für die in diesen Jahren gebotene Unterstützung. Sein Dank ging desgleichen an die Michael Schmidt-Stiftung  für die Finanzierung des Dokumentarfilms „Wiederbelebung Barocker Orgeln“ in der Regie von Dan Pădureanu, der den anwesenden Gästen vorgeführt werden konnte, an die beiden Musiker Sabine Rehn (Violine) aus Stuttgart und Steffen Schlandt (Orgel), die  die Festveranstaltung durch ihre musikalischen Einlagen bereicherten.  

In seinem Grußwort betonte Botschafter Jean-Hubert Lebet, der auch ein großer Musikliebhaber ist, dass „diese bemerkenswerte Institution  die beste Botschaft, welche die Schweiz an Rumänien senden kann“ ist.  Durch vereinte Kräfte wurde dieses Projekt realisiert, ohne auf die Hilfe des Staates zurückzugreifen.  Die vor zehn Jahren in Honigberg eröffnete  Orgelbauschule, eine Schweizer Initiative, wird von freiwilligen, engagierten Personen und vermittels großzügiger Sponsoren getragen. Diese ermöglicht heute  die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte im Orgelbau die diese Vielzahl der in Siebenbürgen bestehenden „Königinnen  der Instrumente“ für die Zukunft aufbewahren soll. Dank der Rolle von Ferdinand Stemmer und Barbara Dutli, die konsequent da war, Dank der Unterstützung der Gemeinde Zumikon  aus der Schweiz und der Anerkennung die sich diese Schule erworben hat, findet heuer im September in Rumänien der Weltkongress der Orgelbauer statt. George Severin bezeichnete das Projekt von Honigberg  als besonderen Ausdruck der schweizerisch-rumänischen Beziehungen und versprach die weitere Unterstützung auch seitens des rumänischen Kulturministerium nach Möglichkeit auch finanziell, für diese Schule.

Bischof Reinhart Guib  richtete seinen Glückwunsch an alle, die sich an diesem Projekt beteiligt und es gefördert haben. Dadurch konnten  rund 30 Orgeln in Siebenbürgen restauriert werden und ihnen die Klänge wiedergegeben werden. Durch diese Restaurierungen „wird die Kirche wiederbelebt“ betonte er. Auch wies Bischof Guib  auf das Projekt der evangelischen Kirche A.  B.  „Entdecke die Seele Siebenbürgens“ hin.

Ernst Leonhardt, Vorsitzender der Schweizerischen Stiftung für Orgeln in Rumänien, unterstrich dass die 28 restaurierten Orgeln  und acht Neubauten die Auszeichnung „Schweizer Qualität“ voll verdienen. Jährliche Wohltätigkeitskonzerte haben nicht nur ein weites Echo für die Stiftung und deren Aktion ausgelöst, sondern auch Sponsoren herangezogen.

Die anschließende Interviewrunde, moderiert von Andreea Hajdu, an der sich Ernst Leonhardt, Ferdinand Stemmer, Barbara Dutli, zwei der Absolventen dieser Schule Árpád Magyar und Daniel Popovici beteiligten, gab weiteren Aufschluss über diese Schule  die nach schweizerischem und deutschem Modell aufgebaut wurde und dementsprechend funktioniert. Die Schule die offiziell in Rumänien anerkannt ist, und somit ein neuer Beruf der des Orgelbauers eingeführt wurde, besteht zu 80 Prozent aus dem Praktikum und nur zu 20 Prozent aus der theoretischen Ausbildung die  einmal wöchentlich an der Fakultät für Holzverarbeitung vorgenommen wird. Bewerben für die Orgelbauschule können sich nur Lyzeumsabsolventen. Die Dauer der Ausbildung beträgt drei Jahre. Árpád Magyar beispielsweise erläuterte wie er vor zehn Jahren von der Existenz dieser Schule erfahren hat. Damals war er Student an der Mechanikfakultät und Mitglied einer Musikband. Er entschloss sich für diese neue Ausbildung und wurde 2004 an der Schule angenommen.

Ferdinand Stemmer berichtete über seinen Kontakt zu Rumänien. Er  kam 1993 mit einem Hilfstransport ins Land und erhielt Einblick in die reiche Orgellandschaft Siebenbürgens, lernte Steffen Schlandt und dessen Familie kennen. Von 1998 bis 2001 folgte die Restaurierung der Buchholzorgel in der Schwarzen Kirche. Da er nicht Orgelbauer zur Ausbildung in die Schweiz führen konnte, kam die Idee der Gründung einer Orgelbau- und Schreinerschule auf, die vermittels der von ihm gegründeten Stiftung ins Leben gerufen werden konnte. Orgelbauerin Barbara Dutli konnte als Hauptlehrerin dafür gewonnen werden.

Bisher konnten in Honigberg 22 Lehrlinge ausgebildet werden. Zu den restaurierten Orgeln gehören beispielsweise die von Mühlbach, Reps, Honigberg, Rosenau, Rothberg, Deutsch-Kreuz. Eine besondere Leistung ist der Neubau der Orgel an der Musikhochschule von Bukarest. Somit kann man sagen durch die Orgelbauwerkstatt von Honigberg, aber auch der des Orgelbauers Hermann Binder liegt die Zukunft dieser Instrumente in guten Händen. Die Werkstatt von Honigberg soll ihre Nachfolge in der Gesellschaft SC COT SRL finden, die sich aber weiterhin der Beratung der beiden Schweizer Orgelbauer Ferdinand Stemmer und Barbara Dutli erfreuen wird.

Mit Recht betonte Ernst Leonhardt: „Der Handwerksbetrieb in Honigberg hat eine Qualität und ein Image erreicht, welche gute Voraussetzungen für erfolgreiche Tätigkeit in den kommenden Jahren sind.  Auch wenn die schweizerische Stiftung SSOR in Zukunft den direkten Einfluss auf das betriebswirtschaftliche Geschehen in der Betriebsgesellschaft COT abbauen wird, so will ich doch auch weiterhin die Ausbildung junger Menschen in Rumänien unterstützen. Die Idee, welche am Anfang unseres Engagements gestanden hat, besteht auch heute noch, und verdient es, erhalten zu werden“.„Die beste Botschaft, die die Schweiz an Rumänien senden kann“.

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