„Die deutsche Minderheit ist ein aktiver Kulturpartner in Rumänien“

Gespräch mit Dr. Josef Karl, Leiter des Kultur- und Minderheitenreferates der Deutschen Botschaft Bukarest

Mittwoch, 12. März 2014

Foto: Zoltán Pázmány

Studiert hat er Volkswirtschaft und Geschichte, wobei er sich in beiden Fächern in seiner Abschlussarbeit mit Rumänien befasst hat. Für die Promotion führte er sein Interesse für die deutsche Minderheit fort und findet heute: „Es war eine große Chance und eine Herausforderung.“ Dr. Josef Christoph Karl, der Leiter des Kultur- und Minderheitenreferates an der Deutschen Botschaft in Bukarest, kam Ende Februar nach Temeswar/Timişoara, wo er mit der Ehrennadel in Gold seitens des Banater Forums ausgezeichnet wurde. In diesem Jahr geht die Amtszeit des deutschen Diplomaten in Rumänien zu Ende. Mit welchen Gefühlen er auf seine Tätigkeit zurückblickt, verrät er Astrid Weisz und Raluca Nelepcu in folgendem Interview.

Welcher war Ihr erster Eindruck vom Banat?

In der Schule habe ich sehr oft darüber gehört, weil mein Schullehrer eben aus dem Banat stammte und er immer wieder über das Banat erzählte. In den 90er Jahren sind mit der Auswanderung sehr viele Banater Schwaben auch nach Regensburg gekommen, in die Stadt, aus der ich komme. Das heißt, ich habe schon vor 20 Jahren vom Banat gehört. Zum ersten Mal im Banat war ich dann im Jahr 2001, in Begleitung von ausgewanderten Banatern, und es hat mir hier sehr gut gefallen. Danach habe ich beschlossen, mich auch in meinem Studium mit Rumänien näher zu beschäftigen, was ich auch nie bereut habe. Ganz im Gegenteil: Es war genau die richtige Entscheidung!

Welchen Eindruck hat die deutsche Minderheit bei Ihrem ersten Besuch erweckt?

Der Eindruck, den ich hatte, war, dass es lebenslustige, nette Menschen sind, mit denen man gut leben, gut feiern, gut sprechen kann, die sehr weltoffen sind und eine sehr angenehme Gegend haben.

Haben sich denn diese ersten Eindrücke während Ihrer Arbeit an der Deutschen Botschaft in Bukarest geändert?

Nein, im Gegenteil. Ich habe gesehen, dass man hier immer offene Türen findet, immer mit netten Leuten zusammenkommen kann und auch sehr viel gemeinsam anschieben und bewegen kann. Ich hätte meine Arbeit hier nie so machen können, wie ich sie gemacht habe, wenn ich nicht patente Partner auf der anderen Seite gefunden hätte. Diese Partner waren vor allen Dingen bei der deutschen Minderheit und natürlich auch bei der Mehrheitsbevölkerung, bei rumänischen Regierungsstellen, und natürlich auch im Banat.

Welche Projekte haben Sie in Ihrer vierjährigen Amtszeit denn begleiten bzw. anstoßen können?

Wir sind dabei, die Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart der deutschen Minderheit in Rumänien umzusetzen. Das ist eine Ausstellung, die die Leistungen der Zusammenarbeit zwischen Rumänien mit der deutschen Minderheit auf der einen Seite und Deutschland auf der anderen Seite zeigt. Sie soll in Rumänien und in Deutschland vorgestellt werden.
Dann gibt es die Kampagne „Deutsch, Sprache der Ideen“, die seit 2011 bereits in 18 Städten in Rumänien unterwegs war und die darstellen soll, warum Deutsch ein Vorteil ist, wenn man es lernt.
Als Drittes haben wir eine Briefmarke herausgegeben, zum Deutsch-Rumänischen Staatsvertrag, in dessen Zentrum ja die deutsche Minderheit steht. Das sind jetzt drei Beispiele von Projekten, die wir umgesetzt haben. Sie können eigentlich bemerken, dass alle diese Projekte auch immer wieder etwas mit der deutschen Minderheit zu tun haben. Die deutsche Minderheit ist für uns ein aktiver Kulturpartner in Rumänien.

Sie haben die Ausstellung „Deutsch, Sprache der Ideen“ erwähnt. Was halten Sie denn für wichtiger: Die Förderung von Deutsch als Muttersprache oder von Deutsch als Fremdsprache?

Das sollte man nicht gegeneinander in Stellung bringen. Beides ist in Rumänien heute wichtig. Wir wollen die gewachsenen Strukturen der deutschen Minderheit und den Deutsch-als-Muttersprache-Bereich fördern. 21.000 Schüler werden im Jahr dort unterrichtet, es ist ein außergewöhnliches Netz an Schulen und Einrichtungen, die es in anderen Ländern so nicht gibt. Das wollen wir nach Kräften unterstützen.
Andererseits gibt es auch insgesamt in der rumänischen Gesellschaft großes Interesse für Deutsch als Fremdsprache und das wollen wir natürlich auch unterstützen. Deswegen hat die Botschaft oder Deutschland sich dazu entschlossen, zweigleisig zu fahren. Wir unterstützen beides und sehen das als zwei Seiten einer Medaille. Es kommt einfach darauf an, wer sich für Deutsch interessiert und was wir für Deutsch machen können.

Stichwort „Deutsche Schulen“: Wie fördert die Deutsche Botschaft die deutschen Schulen bzw. die Lehrerschaft, die an diesen Schulen unterrichtet?

Wir schicken über 30 Lehrer aus Deutschland nach Rumänien, an alle möglichen Schulen. Wir haben DSD-Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom anbieten, wir haben die Spezialabteilungen in Bukarest und in Temeswar und wir machen natürlich Fortbildungen. Das Goethe-Institut bietet zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer an. Wir unterstützen das Lehrerfortbildungszentrum in Mediasch, wir bieten Kurse in Deutschland an und wir sind gerade dabei, eine Zusammenarbeit in der Wirtschaft zu starten – Stichwort „Michael-Schmidt-Stiftung“, um die Lehrerausbildung zu unterstützen und auch junge Lehrer zu motivieren, in ihrem Beruf zu bleiben. Ich denke, es wäre als nächster Schritt weiter wichtig, die deutschsprachige Wirtschaft in Rumänien auch etwas an das deutschsprachige Bildungssystem in Rumänien heranzuführen, denn sie bedingen sich gegenseitig. Die deutschsprachigen Bildungseinrichtungen – nicht nur die Schulen, auch die Universitäten, die 73 deutschsprachige Studiengänge in Rumänien anbieten – sollten mit der deutschsprachigen Wirtschaft ins Gespräch gebracht werden, mit Österreichern, Deutschen und Schweizern, um dafür zu sorgen, dass wir dieses außergewöhnliche Ausbildungssystem in deutscher Sprache aufrechterhalten können.

Welche Maßnahmen haben Sie denn getroffen, um die Kultur- und Minderheitenförderung seitens der Deutschen Botschaft in Bukarest zu entbürokratisieren?

Wir haben das, was ein Beamter macht, wenn er etwas vereinfachen will, getan: Wir haben ein Formular entwickelt, und dieses Formular, das sich auf unserer Homepage befindet, ist viel einfacher als alles, was vorher war. Dazu gibt es auch ein Merkblatt. Die beiden Dinge erklären ganz genau, was man tun muss, wenn man Geld beantragen will. Es war früher einfach so, dass sich immer wieder sehr viel geändert hat, und sehr viele Leute bei uns ad-hoc nachgefragt haben, wie es geht. Wir haben versucht, das in ein Schema zu bringen, und dieses Schema hat sich auch sehr bewährt.

Das Zweite war, dass ich durchs Land gefahren bin und immer wieder erzählt habe – in der Minderheit, in den Foren – wie man Anträge stellt. Wir haben natürlich auch ein bisschen den Fokus verengt, auf Jugendprojekte, auf Bildungsprojekte, auf Projekte, die Nachhaltigkeit generieren und weg von Projekten, die nur für den Moment gemacht werden. Der Kulturbegriff ist sehr, sehr weit und dem wollen wir gerecht werden, allerdings sind die Mittel natürlich weniger breit, die wir zur Verfügung haben, und beides müssen wir irgendwie in Einklang bringen. Eins muss ich allerdings betonen: Wir bekommen immer noch einen Überhang an guten Anträgen. Durch die Vereinfachung des Verfahrens haben wir die Leute ermutigt, bei uns Anträge zu stellen.

Ihre Amtszeit an der Botschaft läuft in wenigen Monaten ab. Welche sind Ihre Pläne danach?

Es wird wahrscheinlich ein paar Monate dauern, die ich in Bukarest in einer anderen Funktion verbringen werde. Danach lasse ich mich überraschen. Ich nehme an, ich gehe nach Berlin – die genaue Funktion ist noch unbekannt.

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