Die Deutschen Kulturtage an der Babeş-Bolyai-Universität

Jugendliche diskutierten über Zukunftsaussichten der deutschen Minderheit

Montag, 16. Dezember 2013

Die feierliche Eröffnung der deutschen Kulturtage in Klausenburg

„Die deutsche Minderheit – Gestern, Heute und Morgen“: Prof. Dr. Wilfried Schreiber, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Klausenburg, Dr. Rudolph Poledna seitens der Fakultät für Europastudien der BBU und Doktorand Raul Rognean standen den Konferenzteilnehmern Rede und Antwort.

Bei der Abschlussveranstaltung der Deutschen Kulturtage wurden Volkstrachten gezeigt und Tänze vorgeführt.

Mitte November war es mal wieder soweit: Die vom Gutenberg-Studentenverein in Zusammenarbeit mit der deutschen Studienrichtung der Babeş-Bolyai-Universität (BBU) organisierten „Deutschen Kulturtage“ fanden statt. Dies ist bereits die zweite Ausgabe des Projekts, das sich zum Ziel setzt, die deutsche Sprach- und Kulturtradition, die seit dem Frühmittelalter auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens fortbesteht, einem jungen Publikum auf zeitgenössische und interaktive Weise zu eröffnen.

Die Deutschen Kulturtage sollen auf Basis des reichhaltigen deutschsprachigen Studienangebots der BBU eine Werbeplattform für die sprachlichen und kulturellen Chrakteristika der deutschen Minderheit in Rumänien sein. Durch dieses Projekt sollen deutschsprachige Studenten die Möglichkeit erhalten, die traditionelle deutsche Kultur in Rumänien zu erforschen und deren zeitgenössiche Manifestation aktiv mitzugestalten.

So bieten wir innerhalb dieser Veranstaltung eine Vielzahl an Workshops, Vorträgen, Seminaren und Freiluftaktivitäten an, die sich unter dem Motto „Deutsche Kultur miterleben und mitgestalten“ mit diversen intellektuellen und künstlerischen Ausdrucksformen beschäftigen und deutschsprachige Jugendliche aus Klausenburg und ganz Rumänien ansprechen sollen. Eckpfeiler dieses Programms sind sowohl die Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Traditionen der deutschen Minderheit, als auch die von dieser Beschäftigung inspirierte freie Entfaltung kreativer Energien. Auf diese Weise soll vor allem der Jugend vor Augen geführt werden, dass trotz der sinkenden Anzahl der Angehörigen der deutschen Minderheit die deutsche Kultur immer noch ein lebendiger Bestandteil der rumänischen Gesellschaft ist und auch in der Zukunft weiterhin sein kann.

Eröffnungsfeier

Die diesjährige Ausgabe war durch eine feierliche Eröffnungsfeier geprägt, die in der Aula Magna der Babeş-Bolyai-Universität stattfand. Diese erfreute sich sowohl der Anwesenheit zahlreicher Gäste, darunter der deutsche Botschafter Werner Hans Lauk, der Vizerektor der BBU Rudolf Gräf und  Judith Orban vom deutschen Generalkonsulat in Hermannstadt, als auch der breiten Aufmerksamkeit seitens der deutschsprachigen Studentenschaft Klausenburgs. Seitens des Gutenberg-Vereins waren der Vorsitzende Mark Adrian Török und die Vizevorsitzende Ioana Iacob als offizielle Redner dabei.

Diese eröffneten dann auch den feierlichen Akt. Ioana Iacob, die als Zeremonienmeisterin fungierte, hieß alle Anwesenden herzlich zu den Deutschen Kulturtagen an der Babeş-Bolyai Universität 2013 willkommen und lud die Redner dazu ein, ihre Visionen und Erfahrungen mit dem jungen Publikum zu teilen.

Als erster kam Mark Adrian Török zu Wort, der in seiner Rede auf die nun schon fast fünfjährige Geschichte des Gutenberg-Studentenvereins zurückblickte und darauf verwies, dass die Veranstaltung eines nationalen Großprojekts wie die Deutschen Kulturtage am Anfang von vielen belächelt oder gar als Witz abgetan wurde, doch nun ist es Realität. Folglich blicke Gutenberg  der Zukunft erwartungsvoll entgegen.

Weiter ergriff der Vizerektor der Babeş-Bolyai Universität, Prof. Dr. Rudolf Gräf, das Wort und eröffnete den Zuhörern der Veranstaltung einen detaillierten Einblick in den vielseitigen Charakter und das breitgefächerte Programm der Deutschen Kulturtage. Diese sind ein Projekt, das sowohl den Geist der traditionellen Kultur der deutschen Minderheit, als auch die Impulse der zeitgenössischen deutschen Kunstszene in einem studentischen Kontext überträgt. Rudolf Gräf sprach auch dem Gutenberg-Verein für die geleistete Arbeit seinen Dank aus und zeigte sich geehrt, dass dieses Projekt an der Babeş-Bolyai-Universität stattfindet.

Danach kam der Ehrengast der Eröffnungsfeier, der deutsche Botschafter Werner Hans Lauk, zu Wort. Dieser bedankte sich bei den Organisatoren und erläuterte die Charakteristika eines der Höhepunkte der diesjährigen Ausgabe,  und zwar die Austellung  „Deutsch – Sprache der Ideen“, die Gutenberg in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft veranstaltet. Im Rahmen dieser Ausstellung wurden mittels Informationstafeln die individuellen Sichtweisen diverser deutschsprachiger, rumänischer Persönlichkeiten auf die ideelle Zeitlosigkeit der Sprache der Dichter und Denker präsentiert.

GUK

Der erste „Kulturtag” war aber nicht nur vom zeremoniellen Charakter der Eröffnungsfeier, sondern auch durch die künstlerischen Akzente, die das Gutenber-Kurzfilmfest (GUK) setzte, geprägt. Dieses wurde bereits in dritter Ausgabe organisiert und bot auch diesmal den zahlreichen Klausenburger Bewunderern des deutschsprachigen Films eine Vielzahl an anspruchsvollen Produktionen.

Diesmal fand das GUK in Zusamenarbeit mit dem ältesten Kurzfilmfestival der Welt, den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, statt. So wurden alle Filme gezeigt, die sich für die „German Competition“ der IKTO qualifiziert hatten. Die Vorführungen fanden wie immer in angenehmer und gemütlicher Atmosphäre statt und lockten, zur Freude der Veranstalter, Zuschauer aller Altersgruppen an.

Die deutsche Minderheit – Gestern, Heute und Morgen

Die Deutschen Kulturtage trumpften in diesem Jahr mit einem weiteren Höhepunkt auf. Alle deutschsprachigen Studierenden der BBU waren aufgerufen, an der Konferenz „Die deutsche Minderheit – Gestern, Heute und Morgen“ teilzunehemen. Diese hatte das Ziel, die aktuelle Situation sowie die Zukunftsaussichten der deutschen Minderheit in Rumänien im Spiegel ihrer achthundertjährigen Geschichte zu beleuchten.

Die Konferenz erfreute sich der Teilnahme zweier Sprecher, zum einem Prof. Dr. Wilfried Schreiber, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Klausenburg, und zum anderem Dr. Rudolph Poledna seitens der Fakultät für Europastudien der BBU. Die Moderation der Veranstaltung übernahm der Doktorand Raul Rognean. Dr. Poledna lieferte dem Publikum der Konferenz einen Überblick über die historische und kulturelle Entwicklung der deutschsprachigen Volksgruppen im rumänischen Raum, die über Jahrhunderte hinweg ihre Identität bewahren konnten. Prof. Dr. Schreiber wiederum verwies auf die komplexe Position, die die deutsche Minderheit im heutigen Rumänien innehat und wie diese trotz der stetig sinkenden Zahlen ihrer Angehörigen die rumänische Gesellschaft bereichern und voranbringen kann.

Lesung von Frieder Schuller und Malworkshop

Fortgesetzt wurde das Programm mit einer doppelten künstlerischen Veranstaltung. In erster Linie erfreuten sich die Kulturtage der Anwesenheit des renommierten deutschen Dichters und Regisseurs rumänischer Herkunft, Fieder Schuller. Dieser stellt einen der poetischsten und zugleich kritischsten Geister des siebenbürgischen Kulturmosaiks dar. Der am 13. Juli 1942 in Katzendorf geborene Schuller verließ, unter dem Druck des kommunistischen Regimes, Rumänien in den 1970er Jahren, in seinem Werk spiegelt sich jedoch die Seelenwelt seiner alten siebenbürgischen Heimat im vollen Umfang wider. Frieder Schuller las aus seinem vielseitigen Werk vor und beteiligte sich an einer lebhaften Diskussion mit dem Publikum, die unter der Moderation von Prof. Andras Balogh durchgeführt wurde.

Ergänzt wurde diese Reflektion der deutschsprachigen Literatur durch eine Hommage an die bildende Kunst. Unter der Leitung der Philosophie-Doktorandin und Malerin Roxana Stoenescu waren die Teilnehmer der Lesung dazu aufgerufen, ihre Verbundenheit mit den Themen ihrer Lieblingsbücher plastisch in Form von Zeichnungen auszudrücken. Dabei entstanden diverse Abstraktionen  literarischer Motive und Prinzipien, die den Universalismus der menschlichen Essenz in der Kunst offenbarten.

Und so kamen die Deutschen Kulturtage schließ-lich zu ihrem Ende. Alle bedeutenden deutschsprachigen Persönlichkeiten Klausenburgs waren zu einem feierlichen Cocktail geladen, im Rahmen dessen eine professionelle Tanzgruppe diverse Volkstänze der deutschen Minderheit präsentierte und damit noch einmal das Hauptziel der Kulturtage, die materielle und immaterielle Kultur der deutschen Minderheit zu bewahren, zu fördern und weiterzuentwickeln, betonte.

Damit auf ein baldiges Wiedersehen bei den Deutschen Kulturtagen 2014!

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*