Die Dorfschulen in Siebenbürgen im 14. - 16. Jh.

Samstag, 19. August 2017

Das Schulsystem der Siebenbürger Sachsen war vor dem Ersten Weltkrieg autonom, es wurde von der Evangelischen Kirche A.B. getragen. Als der ungarische Nationalstaat immer stärker gegen die in Ungarn lebenden nationalen Minderheiten vorging, gab es auch immer wieder Versuche diese Schule zu vereinnahmen, diese Angriffe konnten aber, unter Zugeständnissen, abgewehrt werden.  
Nach dem Weltkrieg versuchte auch der rumänische Staat die Schulen der Minderheiten zu schwächen, um sie schlussendlich in Staatsschulen zu überführen, unsere Schule konnte aber auch das überleben.
Den ersten schweren und existentiellen Schlag erhielt unsere Schule aber 1942 als die „Volksgruppe“ auf Grund des „Gesamtabkommens“ mit der Kirche die Schulen von dieser übernahm, denn sie sollten die Jugend den Ideen des „Führers“ zuführen. Als dann 1944 der braune Spuk vorüber war, gab es eine Zeit der Konfusion bis es Bischof Müller gelang, der Kirche wieder ihr Recht bezüglich der Schulen zurück zu erhalten.
 
Aber schon 1946 mussten wir eine Schulreform erleiden: Die Volksschulen wurden auf vier Klassen reduziert und eine „Gymnasialstufe“ eingeführt. Das betraf vor allem die Schulen im ländlichen Gebiet, auf den Dörfern wurden nur rumänische Gymnasialstufen eingerichtet, so dass viele sächsische Schüler, deren Eltern damit nicht einverstanden waren, dass ihre Kinder nun in eine rumänische Schule gehen sollten, aus den umliegenden Gemeinden nach Kronstadt an das Honterusgymnasium kamen.
Ich erinnere mich noch gut, wie wir im Herbst 1946 aus Bartholomä nun auf dem Honterushof in die Klassen eingeteilt wurden. Ich freue mich immer, wenn ich da bin und sehe, dass meine Enkelkinder in demselben Gebäude, heute „A“ Gebäude zur Schule gehen, wo ich vor mehr als 70 Jahren selbst gelernt habe.
Eine unvergessliche Erinnerung aus dieser Zeit bleibt der Geburtstag des Königs, an dem alle Schüler an einem Gottesdienst in der Schwarzen Kirche teilnehmen mussten. Es war das erste mal, dass ich die Schwarze Kirche bewusst erlebt habe.
Der nächste tiefgreifende Einschnitt war die Schulreform von 1948, durch die das gesamte Unterrichtssystem verstaatlicht und vereinheitlicht wurde und die „sozialistische Erziehung“ durch die der „neue Mensch“ geschaffen werden sollte, begann.

Auch heute ist das rumänische Schulsystem, trotz der sich fast im Jahresrhythmus folgenden Reformen, krank und reformbedürftig. Es ist schon zu bewundern, wie unser altes kirchliches Schulsystem so lange ohne (Schul) Reform bestehen konnte und dabei sehr gute Ergebnisse erzielte.  
Blicken wir zurück. Seit wann gibt es bei uns Schulen? Waren es Eliteeinheiten in den Städten oder von Anfang an für die breite Masse des Volkes, auch auf dem Lande,  gedacht? Wie haben sie funktioniert? Es sind viele Fragen, auf einige finden wir Antworten, andere bleiben ins Dunkel gehüllt und geben Anlass zu Spekulationen.
Im „Archiv des Vereines für siebenbürgische Landeskunde“, Neue Folge 47, 2. und 3. Heft gibt Heinz Brandsch einen Überblick über den frühen Stand unserer Dorfschulen in Siebenbürgen. Grundlage sind die in den verschiedenen Chroniken erwähnten Schulen und mit Schulen im Zusammenhang stehende Personen, dann die Daten der ersten Volkszählung aus dem Jahre 1488 für Siebenbürgen (die sieben und zwei Stühle) und von 1510 für das Burzenland sowie eine andere Volkszählung von 1526 für den ganzen Sachsenboden. Bei diesen „Volkszählungen“ stand nicht die Erfassung der Personenzahl im Vordergrund, sondern sie dienten zu der Begründung der Steuerbemessung. 

Dabei ist interessant, dass in Chroniken von 1334 bis 1394 vier Schulen oder Schulmeister erwähnt werden (Bärendorf, Kastenholz, Rumes und Stolzenburg). Da in Chroniken gewöhnlich nur Streitfälle berichtet werden, kann die Anzahl der Schulen auch im 14. Jh. viel größer angenommen werden.
Im 15. Jh. finden wir  in Chroniken bis 1488 in 14 Orten Schulen oder Schulmeister erwähnt. In den Unterlagen der ersten Volkszählung in Siebenbürgen (1488), ohne das Burzenland, 59 Schulen und bei der ersten Volkszählung von 1510 im Burzenland gab es schon in allen 13 Ortschaften Schulen.
Bei einer weiteren Volkszählung in Siebenbürgen werden noch weiterer 12 Schulen ewähnt.
Das sind fast 100 Schulen, wobei die Erfassung wohl kaum vollständig ist. Aber auch so ist es sicher, dass der überwiegende Großteil der im 15. Jh. erfassten Schulen und auch die der  im 16. Jh. erwähnten Schulen viel älter sind und das es auch in andern Ortschaften Schulen gegeben hat.
Im 14. Jh. waren es folgende 4 Ortschaften in denen  Schulen erwähnt werden:

Rumes    1334    Domus scolaris (Haus des Lehrers)
Kastendorf     1334    1 Haus des scolaris (Lehrers)
Bärendorf     1334    Scolaris (Lehrer)
Stolzenburg    1394    Rektor Alexius

Im 15. Jh.,  kommen bis zu der Volkszählung von 1488 in
verschiedenen Chroniken noch Schulen in folgende Orte vor:
Tekendorf    1403    Rektor Jacobus
Klein Schelken1414    Rektor Peter
H˛ghig    1426    Michael Scholasdticus
Heltau    1428    Schulmeister Urbanus Petri
Rothbach    1429    Johannes, scolasticus
Marienburg/Kr.1429    Scolasticus Petrus
Großschenk    1430    Henricus Halbgebachsen
Lechnitz    1452    Rektor Sigismund
Senndorf    1455    Schulmeister erwähnt
Tartlau    1456    Antonius soll die Schule leiten  
Kleinpold    1462    Lehrer Peter
Deutsch Kreuz1466    Scolasticus
Henndorf    1476    Johannes Scolaris
Tschapertsch    1478    Schulmeister
Großlogdes    1480    Iorgius scolasticus

Bei der Volkszählung im Burzenland von 1510 sind in allen
13 Orten Schulen vorhanden:
Brenndorf    1510    Scola, campanator, domum ecclesia
Heldsdorf    1510    Scola, campanator, domum ecclesiae
Honigberg    1510    Scola, campanator
Marienburg/Kr.1510    Scola, campanator
Neustadt/Kr.    1510    Scola, campanator
Nussbach    1510    Scola, campanator
Petersberg    1510    Campanator
Rosenau    1510    Schulhaws 1, clocknnerhaws 1
Rothbach    1510    Schulmaster 1, Klockner 1
Tartlau    1510    Scola, campanator, domum ecclesiae
Weidenbach    1510    Domus ecclesiae, scolasticus,                      campanator
Wolkendorf    1510    Scolasticus, campanator
Zeiden    1510    Scolasticus, campanator, domus essl.

Zwei Dinge bezüglich der Schulen  sind noch erwähnenswert.
-    In der Kirchenburg in Tartlau waren die zwei größten Wohnhäuschen als Schule ausgewiesen, hier fand der Unterricht bis 1856 statt, als neue Schulgebäude gebaut wurden. Das heißt, dass hier auch in Kriegszeiten die Schule weiter ging.
-    1633 hat die Nationsuniversität verfügt dass: „Jeder Knabe und jedes Mädchen lesen, schreiben und rechnen lernen muss“.
Es ist meines Wissens europaweit die erste amtlich festgelegte Schulpflicht.
Leider habe ich keine Daten über die Schulen in den Städten gefunden. Hier haben vor allem die Dominikaner Pionierarbeit geleistet, denn um den Bedarf an Priestern zu decken, war es nötig jungen Menschen einen Grundstock von Bildung zu vermitteln. Es gab in fast allen Städten Siebenbürgens Dominikanerklöster, so ist anzunehmen, dass auch Lateinschulen  neben diesen Klöstern bestanden haben. Auch die spätere Honterusschule ist aus der Lateinschule der Dominikaner durch die Schulreform  Johannes Honteri´ s 1544 hervorgegangen.

In diesem Zusammenhang ist eine Statistik aus Ungarn interessant, die für den Zeitraum 1440 bis 1514 an europäischen Universitäten immatrikulierte Studenten aus Ungarn erfasst. Die meisten Studenten kamen in der Reihenfolge der Anzahl der Studierenden aus folgenden Städten: Ofen, Pest (die damals noch zwei selbstständige Städte waren), Hermannstadt, Kronstadt, Pressburg, Kremnitz, Kaschau, Sopron (Ödenburg), Szeged, Leutschau, Großwardein, Schäßburg, Klausenburg, Pécs, Stuhlweissenburg, Bistritz, Bartfeld, Käsmarkt, Neusohl, Tyrnau, Preschau. Wir sehen, dass  Hermannstadt und Kronstadt an 2. und 3. Stelle standen, an 11. Schäßburg und Bistritz an Platz 15. Dazu kommt noch Klausenburg, dass nicht zum Sachsenboden gehörte, an 12. Wenn man noch die ehemals deutschen Städte der heutigen Slowakei Pressburg, Kremnitz, Kaschau, Leutschau, Bartfeld, Käsmarkt, Neusohl, Tyrnau und Preschau in Betracht zieht, erkennt man, dass in den „Kolonnistenstädten“ Siebenbürgens und der Slowakei das Bildungsniveau im Verhältnis zu dem restlichen Ungarn sehr hoch war, von hier waren nur Szeged, Pécs und Stuhlweissenburg vertreten. 
           
Erwin Hellmann

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