Die Energieversorgung Heldsdorfs

Das Heizungsproblem: Der lange Weg vom Brennholz zum Erdgas (I)

Freitag, 25. Januar 2013

Wenn die Erzeugung von elektrischem Strom eine Errungenschaft sagen wir des vorigen Jahrhunderts ist, so kann man von der Wärmeerzeugung nicht dasselbe sagen. Seit der kontrollierten Nutzung des Feuers war der Mensch schon immer auf der Suche nach neuen Energiequellen. Wir wollen aber im Raum Heldsdorf bleiben. Mit 507 m über dem Meeresspiegel liegt Heldsdorf im tiefstgelegenen Gebiet des Burzenlandes. Nirgends in unmittelbarer Umgebung gibt es größere Erhebungen, weshalb das Dorf den Winden aus allen Richtungen ungeschützt ausgesetzt ist.

Besonders der kalte NO-Wind (Kriwitz), der aus der russischen Steppe durch die Nemere-Senke der Ostkarpaten bläst und deshalb hier auch Nemere heißt, trifft besonders Heldsdorf. Bei der Zuckerfabrik Brenndorf wurde die tiefste Temperatur (-38,5°C), die jemals im Lande gemessen wurde, registriert. Ich bin überzeugt, dass am Ende der Niedergasse in Heldsdorf dieselbe Temperatur herrschte, nur hat sie damals (1941) niemand gemessen.

Zeitlich gesehen ist das Holz der meistverwendete Brennstoff zur Wärmeerzeugung in diesem Gebiet. Das Holz liefert uns der Wald. Für uns Heldsdörfer ist das Wort Wald ein fast magischer Begriff, weil Heldsdorf keinen Wald besitzt. Das wären auch die beiden Kriterien, wodurch sich Heldsdorf von den meisten Nachbargemeinden unterscheidet:

1. Die Lage im kältesten Gebiet des Burzenlandes und

2. das Fehlen des Waldes zwecks Brennholz-Beschaffung.

Dieses war nicht immer so – wenigstens das 2. Kriterium bedarf einer näheren Betrachtung, Wenn wir in Chroniken über die Gründung Heldsdorfs nachlesen, so ging das ziemlich einfach vor sich. Die Siedler kamen, rodeten den Wald, legten die Sümpfe trocken und begannen auf dem so geschaffenen Ackerboden, Landwirtschaft zu betreiben.

Heute ist die Wissenschaft und die Geschichtsforschung ein Stückchen weiter. In der Chronik „Marienburg im Burzenland“ kommt Kurt Stephani zu ganz interessanten Schlussfolgerungen. Daraus möchte ich im Folgenden einiges entnehmen.

Inzwischen ist bewiesen, dass die Zusammensetzung des Bodens, wie es ihn auch auf Heldsdörfer Hattert gibt (westlicher Teil), auf riesige ehemalige Eichen- und Buchenwälder schließen lässt. Kurt Stephani gibt an, dass die fünf Ordenssiedlungen des Burzenlandes (Marienburg, Zeiden, Rosenau, Kronstadt, Tartlau) von jeweils einer „Hundertschaft“ (100 Familien) gegründet wurden. Aus Urkunden geht hervor, dass zur Zeit der Verleihung des Burzenlandes an den Deutschen Ritterorden, dort eine Feldfläche von 30 „aratra“ (etwa 30.000 Joch) bekannt war.

Die Urkunden weisen diese Fläche als „deserta et inhabitata“ (öde und unbewohnt) oder als „vacua et inhabitata“ leer und unbewohnt) aus. Es wäre auch schwer verständlich, wenn man annehmen müsste, dass sich ein Teil des deutschen Ritterordens mit 500 Bauernfamilien darauf eingelassen hätte, einen versumpften Eichen- und Buchenwald zu roden, zu besiedeln, Befestigungen zu errichten, vor feindlichen Überfällen zu schützen und nebenbei auch Landwirtschaft zu betreiben, von der sie ja eigentlich leben mussten. Wenn nicht unsere Vorfahren diese Wälder rodeten, wer tat es dann?  
In den Jahren 105 und 106 u. Z. eroberten die Römer das Dakerreich und gründeten nördlich der Donau die Provinz „Dacia Superior“. Die Römer waren die einzigen, die über die zur Rodung notwendigen Menschenreserven verfügten. Sie konnten genügend Sklaven aus dem ganzen Reich bereitstellen, um die Wälder des Burzenlandes zu roden und erstmals landwirtschaftlich nutzbar zu machen.

Nach dem Abzug der römischen Truppen, Beamten und der römischen Bevölkerung verfielen die Städte und Dörfer der Römerzeit und auch der Ackerboden. Wahrscheinlich verblieb ein Teil der römischen Zuwanderer bei der dakischen Bevölkerung, die sich im Umfeld der Römerbefestigungen angesiedelt hatte. Das führte zur dako-romanischen Genese, auf welche die Rumänen ihre Entstehung zurückführen.

Keine Urkunde oder archäologische Forschung ließ bisher erkennen, dass seit dem Abzug der Römer bis zur Besitznahme Siebenbürgens durch die Magyaren eine bodenständige Bevölkerung im Burzenland ansässig gewesen wäre und hier ackerbaulich tätig war.

Es ist anzunehmen, dass die Tochtersiedlungen, und Heldsdorf ist nun einmal eine Tochtersiedlung, von weit weniger als 100 Familien gegründet wurden. Was fanden nun diese ersten Siedler auf Heldsdörfer Hattert vor?

Bei Heldsdorf sind zwei Münzen gefunden worden – ein römischer Familiendenar und eine makedonische Silbermünze – und auf Marienburger Hattert eine römische Handmühle. Dieses beweist, dass die Römer sicher auf Heldsdörfer Hattert waren. Es ist anzunehmen, dass die ersten Siedler von Heldsdorf ein verlassenes Steppengebiet vorfanden, das sie durch Entwässerung und durch Entfernung der Sträucher in viel kürzerer Zeit wieder der landwirtschaftlichen Nutzung zuführen konnten, als durch die mühevolle Zeit und Arbeitskräfte erfordernde Rodung eines versumpften Eichenurwaldes. Damit wäre auch die gleich nach der Gründung einsetzende Blüte- und Glanzzeit der Gemeinde zu erklären.

Die ersten Entwässerungsarbeiten beschränkten sich auf den Oberflächenabfluss des Schmelz- und Regenwassers. Die ursprüngliche Waldgrenze seit der Römerzeit könnte auf Heldsdörfer Gemarkung auf der Linie Eichrücken-Hopsau verlaufen sein. Es gab aber auch auf dem Hattert verteilte Waldinseln, sei es ursprünglichen, von den Römern nicht gerodeten Wald, oder nachgewachsenen, sagen wir Wald der 2. Generation.

Darüber gibt es keine Urkunden, aber es gibt die alten Flurnamen, die ziemlich genau auf diesen Waldbestand hinweisen. Diese Flurnamen waren oft so alt wie die Inbesitznahme der Felder durch die Siedler. Mattelbasch (Mittenwald), Hoinder den Erlen (Hinter den Erlen), Aichroak (Eichrücken), Kropasch (Kropwald), Hinnebaschken (Hühnerwäldchen) u. a. Ernst Rothbächer erklärt den Flurnamen „Kropasch“ mit Wald aus verkümmerten, verkrüppelten und niedrigen Bäumen oder Sträucher. Ich neige eher zur Deutung „Kropisch-Basch“ (Wald an der Kropisch).

Der Flurname „Auf dem Gerodeten“ weist klar auf Waldrodungen hin. An der Verkleinerungsform dieser Flurnamen lässt sich erkennen, dass diese Waldinseln klein waren. Sie waren von Anfang an Gemeinschaftsbesitz. Diesen Gemeinschaftsbesitz an Wald, Weide und Gewässer bestätigte König Ludwig der Große dem Burzenland in der Urkunde vom 28. März 1353. Aus diesen Wäldern besorgten sich die Heldsdörfer das Brennholz und wahrscheinlich auch das Bauholz.

Das Bauernhaus des Mittelalters bestand aus einem einzigen Wohn- und Herdraum, war aus Holz gebaut, klein, niedrig und mit Stroh bedeckt. Dieser Herdraum hatte eine offene Feuerstelle, die sowohl zum Heizen als auch zum Kochen diente. Geheizt wurde ausschließlich mit Holz. Stroh hatte zum Dachdecken und bei der Viehhaltung eine wertvollere Verwendung.

Das letzte Haus in Heldsdorf mit einer offenen Feuerstelle musste 1973 einem Neubau weichen. Durch diese Art zu heizen und durch die vielen feindlichen Überfälle ist es nicht verwunderlich, dass Heldsdorf im Laufe der Jahrhunderte immer wieder durch Brandkatastrophen und Brandstiftung teilweise oder fast gänzlich vernichtet wurde. Wegen der Feuergefahr gab es damals in jeder Nachbarschaft nur einen Backofen, der nach einer vom Nachbarvater bestimmten Reihenfolge benutzt werden durfte. Es wird berichtet, wie Kronstadt und andere Nachbargemeinden, die über Waldbesitz verfügten, nach der Brandkatastrophe von 1817 Heldsdorf mit Bauholz zu Hilfe kamen. Dieses lässt darauf schließen, dass die Waldungen vom Heldsdörfer Hattert erschöpft waren. 1797 besaß die Gemeinde noch 26 Joch Wald, verstreut in kleineren Parzellen. Wahrscheinlich hat auch die zwischen 1729-1780 in Heldsdorf funktionierende Salpetersiederei dem Waldbestand zugesetzt.  

(Fortsetzung folgt)

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