Die Energieversorgung Heldsdorfs

Das Heizungsproblem: Der lange Weg vom Brennholz zum Erdgas (II)

Samstag, 02. Februar 2013

Die Restbestände der Wäldchen wurden nun nur noch zum Heizen der Schule benutzt. 1849 wurden die letzten 202 Stämme aus dem ehemaligen Erlenwäldchen an der Krisbich für 676 Flor versteigert und mit dem Erlös der Schulbeheizungsfond gegründet. Heute gibt es überhaupt keine Spur mehr davon, der ehemalige Standort kann nur geschätzt werden. Die Bäume (es gibt sie nicht mehr) hinter dem Sportplatz waren nichts anderes, als der letzte Rest des Mittelwaldes.

Etwa seit Anfang des 19. Jahrhunderts mussten sich nun die Heldsdörfer das Brennholz aus den Wäldern der Nachbargemeinden beschaffen, was mit viel Arbeit und Kosten verbunden war. Dieses geschah meist in der Zeit, wenn sie nicht mit Feldarbeiten beschäftigt waren. Aber auch die Bewohner der Nachbargemeinden, insbesondere die Schnakendörfer, kamen zu einem erträglichen Geschäft, indem sie Brennholz an die Bewohner Heldsdorfs lieferten.

So ist es nicht verwunderlich, dass der Wunsch, wieder Wald zu besitzen, viele Generationen von Heldsdörfern beherrschte. Immer wieder suchten sie bei den Behörden in Kronstadt an, ihnen einen Wald zuzuteilen. Vergebens. Erst 1930 gelang es schließlich, einen Wald von 683 Joch Größe von den Kronstädtern auf Krebsbacher Hattert zu kaufen. Doch das Vergnügen war kurz und endete mit der Enteignung 1945.

Etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts begannen dann die offenen Feuerstellen zu verschwinden. An ihre Stelle traten die gemauerten Feuerstellen mit Kochplatte und Backrohr. All dieses führte zu einer massiven Abnahme der Feuergefahr. Im Jahre 1883 wurde die Feuerwehr gegründet, die mit modernen Feuerlöschgeräten ausgerüstet, die Brände erfolgreich bekämpfen konnte. Der Backofen war nun von einem Bauernhof nicht mehr wegzudenken.

Hier wurde in der Regel das minderwertige Holz und sperrige Gestrüpp verheizt. Die gemauerten Häuser hatten zwei und mehr Räume, die einzeln beheizt werden konnten. Mit der Entwicklung der Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen die gusseisernen Heizöfen immer mehr zum Einsatz. Die bekanntesten, wie z. B. die Fabrikate Fornax oder Vlăhiţa, gab es in verschiedenen Größen und sie konnten deshalb optimal an die Raumgröße angepasst werden.

Die gemauerten Kochstellen wurden durch die beweglichen Herde (Sparherd) ersetzt. Diese Sparherde waren mit Kochplatte, Backrohr, später auch mit Warmwasserbehälter ausgestattet und dienten sowohl zum Kochen, als auch zur Raumheizung. Über die Grenzen Heldsdorfs bekannt waren die Sparherde, angefertigt von Georg Kolf sen., später dann von seinen Söhnen Georg und Hans Kolf-Fips (Haus-Nr. 578/484). In all diesen neuwertigen Heizgeräten konnte die Verbrennung kontrolliert stattfinden, was zu einer erheblichen Brennholzeinsparung führte.

Mit der Gründung der Dampfdreschmaschinengesellschaften (ab 1881) wurden die HeIdsdörfer mit noch einer Bürde belastet. Das Dreschen des Getreides war nun erheblich erleichtert, aber jeder Wirt musste das Brennholz zum Betreiben der Lokomobile (Dampfmaschine) bereitstellen, was nicht wenig war.

In Heldsdorf waren die Wohngebäude in der Regel zweitrangig in Bezug auf die Wirtschaftsgebäude. Mit steigendem Wohlstand wurden viele von diesen durch Neubauten ersetzt, die oft in das andere Extrem gingen und zu überdimensionalen Prachtbauten ausarteten, die kaum zu beheizen waren. In diesen Neubauten kamen auch die ersten Kachelöfen zum Einsatz, welche oft wahre Kunstwerke darstellten.

Das meiste Brennholz besorgten sich die Heldsdörfer aus dem Raum Schnakendorf-Vlădeni (Geamăna). Das Holz aus Krisbach war weniger beliebt, da es als im Schatten gewachsen galt. Die Schnakendörfer lieferten das Holz auch selbst, das man dann marktähnlich im Zentrum meistens donnerstags und sonntags erstehen konnte.

Vor dem 2. Weltkrieg wurde Kohle kaum zum Heizen benutzt, obwohl sie unweit, bei Zeiden, gefördert wurde. Vor dem Krieg gab es sogar bei der Bauernhilfe-Genossenschaft eine Tankstelle, wo neben Benzin auch Petroleum vertrieben wurde. Petroleum wurde fast ausschließlich zu Beleuchtungszwecken benutzt (Gas- und Sturmlampen), als Brennstoff zum Heizen oder Kochen fiel ihm damals keine Bedeutung zu. Eine große Erleichterung für die Heldsdörfer kam 1909 mit der Einführung des elektrischen Stromes. Das Holz konnte nun mit Elektro-Antrieb gesägt werden, was vorher durch mühselige Handarbeit geschah.
Als die Wäsche noch von Hand gewaschen wurde, musste sie, um schön sauber zu sein, auch gekocht werden.

Dieses geschah meistens in gusseisernen Wäschekesseln die, entweder eingemauert oder in Gehäusen untergebracht, ebenfalls mit Holz beheizt wurden. In diesen Kesseln wurde auch das Wasser für das „wöchentliche“ Bad erwärmt. Die wenigen Badezimmer, die es vor dem Krieg gab, hatten Badeöfen, ebenfalls mit Holz beheizt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Holz die einzige Energiequelle zur Wärmeerzeugung war. Der einzige Ersatz, von der Menge her unbedeutend, waren die Maiskolben, die es seit dem Beginn des Maisanbaus (etwa 1611) gab. Es kann noch gesagt werden, dass es in der Brennholzversorgung bis zum 2. Weltkrieg keine Versorgungsengpässe gegeben hat. All dieses änderte sich schlagartig ab 1945.

Durch die Enteignung verloren die Heldsdörfer fast über Nacht ihre Fuhrwerke. Die Wälder wurden verstaatlicht. Die Versorgung mit Brennholz war dadurch äußerst schwierig geworden. Die zugewanderten „Neuheldsdörfer“ hatten auch andere Sitten und Vorstellungen über das Heizen. Bei denen galt die Devise Rauch  ist Wärme.

Verheizt wurde jedes Gestrüpp und Geäst. Bald entdeckten sie, dass die Holzteile der Bauten mehr Wärme gaben als Gestrüpp. Es begann eine noch nie dagewesene Zerstörung und Verheizung von allem Erreichbarem. Meist begann es mit den hölzernen Gartenzäunen und endete in einigen Fällen sogar mit der Verheizung der Bretter des Fußbodens, schön schrittweise wie es die Außentemperatur eben verlangte. Etwas später wurden die staatlichen Holzlager gegründet. Hier gab es nun Holz auf Zuteilung (Kartell). Mit der zugeteilten Holzmenge musste auch ein Pflichtteil Kohlebriketts abgenommen werden, auf den meist wegen der minderwertigen Qualität verzichtet wurde.
    (Fortsetzung folgt)

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