Die Energieversorgung Heldsdorfs

Das Heizungsproblem: Der lange Weg vom Brennholz zum Erdgas (III)

Samstag, 09. Februar 2013

Die Schnakendörfer entdeckten bald ihren alten Holzmarkt wieder und begannen erneut an die Sachsen nach Heldsdorf zu liefern, nur dieses Mal meist illegal und nachts. Das schien auch einigermaßen zu funktionieren, hätte es damals nicht einen Milizmann (Polizisten) namens Tabacu gegeben. Dieser hatte zwei Leidenschaften:

1. Neue Fahrräder kaputt zu fahren und

2. Jagd auf holzbringende Schnakendörfer und Zigeuner zu machen.

Damals mussten die Fahrräder noch amtlich zugelassen werden. Die Zulassung erhielt nur, wer ihm das Fahrrad zur Verfügung stellte. Wie dann die für damalige Zeiten schönen Fahrräder der Marken „Simson-Suhl“ oder „Diamant“? (DDR) nach zwei Wochen „Probefahren“ aussahen, erübrigt sich zu beschreiben. Heute schmunzeln wir darüber, aber damals war es bittere Wirklichkeit.

Es ist ganz verständlich, dass unter solchen Bedingungen eine fieberhafte Suche nach Ersatzmöglichkeiten – wenigstens zum Kochen – begann. Die Bukarester Firma Metalo-Globus hatte mit der Massenherstellung der Petroleumkocher begonnen. Dazu gab es als Zusatzgeräte den „Wundertopf“ und sogar ein Backrohr. Leider hatten diese stinkenden und oft auch explosionsgefährlichen Geräte die Erwartungen nicht erfüllt. Es ist kaum einer Hausfrau gelungen, einen halbwegs genießbaren Kuchen damit zuzubereiten und deshalb blieb ihr Einsatz meistens auf das Kartoffel-Kochen für die Schweine beschränkt.

Der Traum vom Erdgas rückte wieder in den Vordergrund. Heldsdorf wurde erstmals 1942 mit diesem Problem konfrontiert. In diesem Jahr wurde die Zuckerfabrik Brenndorf auf Erdgasbetrieb umgestellt. Das geschah nach einem Abkommen zwischen Rumänien und Deutschland („dem Reich“) und wahrscheinlich auch mit finanzieller Hilfe des letzteren.

Durch die Umstellung auf Erdgas stand nun der bis dann verwendete Flüssig-Brennstoff für die Front zur Verfügung und die Produktion von Zucker, ebenfalls ein strategisches Produkt, war sichergestellt. Die Gasleitung wurde von Zeiden durch Heldsdorf zur Zuckerfabrik geführt. Diese wurde so bemessen, dass auch Heldsdorf daraus problemlos hätte versorgt werden können, ja mitten im Zentrum wurde sogar ein Anschlussschacht mit Ventilen vorgesehen. Damals herrschte Krieg und an eine Einführung des Erdgases war nicht zu denken. Ab 1950 wurde das Gasnetz landesweit weiter ausgebaut. Das damalige Regime musste Erfolge zeigen und ging ähnlich wie bei der Elektrifizierung der Ortschaften vor.

Diese Erweiterungen des Gasnetzes wurde mit finanzieller Beteiligung der Bevölkerung durchgeführt. So wurde auch in Heldsdorf dreimal Geld eingesammelt. Die Bevölkerung, insbesondere die Sachsen, gaben das Geld willig in der Hoffnung, bald das Gas im Ofen anzünden zu können. Nach der dritten Sammlung wurden tatsächlich auch die Leitungsrohre für das Straßennetz gekauft und vor dem Großen Wirtshaus im Zentrum gelagert.

Es vergingen fast drei Jahre und es tat sich nichts. Die Rohre verrosteten immer mehr und dienten nur den Kindern als Spielplatz, indem sie versuchten Steine durchzuwerfen. Im „difuzor“ (Zentrale Rundfunkanlage) konnte man immer wieder hören, wie die staatliche Propaganda-Maschinerie das Erdgas als wichtigen Rohstoff für die Chemie-Industrie pries. An einem schönen Tag verschwanden die Rohre mit unbekannter Adresse und damit auch die Hoffnung auf die Einführung des Erdgases.

Im Jahre 1960 baute die Kollektivwirtschaft ihre Anwesen hinter dem ehemaligen Wirtschaftshof von Helmut Wagner. Hier wurden auch dampfbeheizte Gewächshäuser für Gemüse errichtet. Für die Dampferzeugung wurde eine Heizzentrale gebaut, die mit Erdgas betrieben werden sollte. In der Zeit wurde Ergas nur noch für technologische Zwecke d.h. um etwas zu erzeugen bewilligt, was hier der Fall war. Zuständig für alle Erweiterungsbauten für Erdgasvertrieb war die Zentrale für Erdgas in Mediasch.

Zur Bestellung der Pläne für die Regel- und Messstation, sowie für das Leitungsnetz fuhr ein Heldsdörfer nach Mediasch. Der zuständige Projektleiter für Erweiterungsbauten war ein Heldsdörfer und so wurde das Problem wie unter Landsleuten, wie unter Freunden besprochen. Dabei kam auch das Gespräch auf die Einführung des Gases in Heldsdorf. Dieser Projektleiter eröffnete, dass es dafür leider zu spät sei, aber das einzige, was er tun könne, wäre, das Gebäude für die Unterbringung der Regler und Verteiler so zu bemessen, dass darin einmal die Verteilungsanlagen für die Versorgung ganz Heldsdorfs untergebracht werden können, denn man wisse nie, was die Zukunft bringe.

Das Gebäude wurde von der Bauabteilung der Kollektivwirtschaft errichtet. Bei Inbetriebnahme wunderten sich die lokalen Gasbehörden über den so großzügig bemessenen Bau. Von hier wurde auch das Hühnerkombinat und die Werkstatt der Kollektivwirtschaft mit Gas versorgt.

Im Jahre 1966 im Zuge der Erneuerung des Gasnetzes wurde die neue Gasleitung Zeiden-Zuckerfabrik nicht mehr durch Heldsdorf geführt. Nach der Zeidner Hutweide verläuft sie nun quer über den Hattert direkt Richtung Zuckerfabrik. Parallel dazu wurde eine weitere Gasleitung nach Sf. Gheorghe verlegt. Im Südwesten durchquert den Heldsdörfer Hattert eine Gasleitung von Zeiden zum Uran-Werk Marienburg.

Wenn wir das Gasproblem Heldsdorfs aus nüchterner Distanz betrachten, so können wir sagen, dass das totale Versagen der politischen Führung der Gemeinde aus den Jahren 1949 bis 1954 an der Nichteinführung des Erdgases in Heldsdorf schuld war. Die damaligen Amtsinhaber waren meist Polit-Agitatoren mit wenig Schulklassen, die keine Bindung zu Heldsdorf hatten.

Die Einführung des Erdgases hätte einige gute, komfortable Jahre für die Heldsdörfer gebracht, aber spätestens seit der 2. Energiekrise (1976) wären sie mit den Einschränkungen im Gasverbrauch konfrontiert worden. Im Gegensatz zu Strom darf das Gas nicht abgeschaltet werden, aber der Druck wurde reduziert, was zu Ärger und Verdruss führte.

(Fortsetzung folgt)

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