Die Energieversorgung Heldsdorfs

Das Heizungsproblem: Der lange Weg vom Brennholz zum Erdgas (IV)

Sonntag, 17. Februar 2013

1994/1995 ging der Traum vom Erdgas in Erfüllung. In diesen Jahren wurde das Erdgasnetz in Heldsdorf installiert und in Betrieb genommen. Die Gasleitungen werden oft obererdig geführt, was nicht gerade zur Verschönerung beigetragen hat. Für die Verteileranlagen reichte das vormals von der Kollektivwirtschaft errichtete Gebäude aus. Bewilligt wurden zwei Feuerstellen pro Hausanschluss. Diese Einschränkung führte zu massenweisen Installationen von Zentralheizungssystemen. Leider waren die meisten Heldsdörfer zu dieser Zeit ausgesiedelt und konnten nicht mehr in den Genuss dieses Komforts kommen. Durch die hohen Energiekosten in Rumänien ist der Gasverbrauch zu einem finanziellen Problem geworden.

Kehren wir zurück zum Jahre 1953. In diesem Jahr wurde das Erdgas in Weidenbach (die zweite Gemeinde des Burzenlandes ohne Wald) eingeführt. Hier waren die Sägemehl-Öfen, in Heldsdorf kurz „Bang“ genannt, sehr verbreitet. Viele davon wurden nach Heldsdorf verkauft. In Heldsdorf selbst gab es bald eine Reihe von Handwerkern, die diese Geräte herstellten und auch Fuhrleute, die sich das „Sägemehlholen“ zur Hauptbeschäftigung gemacht hatten. Plötzlich war eine bedeutende Erleichterung da.

Diese bestand weniger im erhöhten Komfort, sondern vielmehr in der leichteren Beschaffung des Brennmaterials. Sägemehl und Hobelspäne wurden hauptsächlich aus den holzverarbeitenden Betrieben Zeidens und aus dem Sägewerk Zernescht geholt. Anfangs war man dort froh, den Abfall wegzukriegen, aber mit steigender Nachfrage stieg auch der Preis immer mehr, trotz sozialistischer Marktwirtschaft. Trotzdem, dass beim unvorsichtigen Wechseln der Einsätze erhöhte Feuergefahr bestand, hat es kaum Brände gegeben, die auf die Bang zurückzuführen sind.

Etwa ab 1955 kam eine andere Neuigkeit auf – das Flüssiggas oder Aragas, wie es in Rumänien genannt wird. Dieses wurde ausschließlich zum Kochen verwendet und in Kombination mit der Bang gab es einen ganz guten Komfort. Der erste Versorger der Heldsdörfer mit Aragas war Michael Nikolaus (Haus-Nr. 68/60).

Er fuhr mit einem Pferdegespann täglich in den Schlachthof nach Kronstadt und holte von dort Abfälle für das damalige Schweinezuchtunternehmen IRCIA. Nebenbei führte er noch einige Gasflaschen zum Umtausch mit. Mit steigender Nachfrage wurde auch die Versorgung immer schwieriger und trotzdem hat es bis 1981 eine geregelte Versorgung gegeben, die irgendwie gut oder weniger gut funktionierte. Ab diesem Jahr gab es nur noch eine „Hintenherum“-Beschaffung, wobei für eine 12,5 kg-Flasche meist das Fünffache des offiziellen Preises bezahlt wurde und natürlich viele leer ausgingen.

Mit der allgemeinen politischen Auflockerung der Jahre 1964/1965 wurden auch Besuchsreisen in den Westen möglich. Diese ersten Besucher brachten eine Neuigkeit mit – die Ölöfen. Binnen kurzer Zeit wurden die Ölöfen zum absoluten Renner. Verblüffend schnell hatte auch die rumänische Industrie geschaltet und baute sie ebenfalls, wenn auch die Regler dafür aus Holland kamen.

Da es damals in Rumänien kein leichtes Heizöl gab, wurde Diesel (Motorin) oder Petroleum damit verheizt. Solches gab es genug, wenn auch manch ein Liter den Auspuff des Traktors mit dem häuslichen Kamin verwechselte. Bald gab es Ölöfen zum Kochen und sogar Untersätze für Badeöfen. Es begann die schönste und komfortabelste Zeit für die Heldsdörfer, was die Wärmeversorgung anbelangt. Fast in jedem Haushalt gab es nun ein Badezimmer. Der laufende Warmwasserverbrauch wurde mit Elektroboiler gesichert, während der größere Verbrauch zum Baden mittels Badeofen zubereitet wurde. Strom war damals noch kein Problem.

Mit der ersten Energiekrise kam die Versorgung mit Motorin ins Stocken. Behördlicherseits war für das Betreiben der Ölöfen Petroleum vorgesehen. Karl Wagner jun. als Geschäftsführer des Universalladens hatte versucht, die Versorgung mit Petroleum noch irgendwie aufrechtzuerhalten. Er ließ sogar Behälter mit Pumpe installieren. Mit seinem Abgang war es damit vorbei. Nach der 2. Energiekrise ab 1976 wurden die Preise für Flüssigbrennstoffe drastisch erhöht. Durch die drakonischen Sparmaßnahmen und die drohenden hohen Strafen kam der Schwarzmarkt ganz zum Erliegen.

Dutzendweise wurden die Ölöfen kaltgestellt. Die sozialistisch geplante Industrie produzierte aber weiter, was zur Folge hatte, dass sich in den Fachläden die Ölöfen bis zur Decke türmten, die nun niemand mehr haben wollte. Einige Jahre zuvor wurden sie zum mehr als doppelten Preis gehandelt. Den Heldsdörfern blieb nichts anderes übrig, als die abgestellten Heizöfen und Bangen wieder in Betrieb zu setzen. Das Heizmaterial dafür konnte immer schwerer beschafft werden.

Eine Neuigkeit muss noch erwähnt werden und zwar die Zentralheizungen. Wegen der hohen Investitionskosten hatten nur einige den Mut, solche Anlagen installieren zu lassen. Die ersten Zentralheizungen waren für Flüssigbrennstoff konstruiert. Der Kessel dazu wurde meist als Eigenkonstruktion ausgeführt. Verblüffend schnell hatte auch diesmal die Industrie reagiert und Heizkessel für feste Brennstoffe auf den Markt gebracht. Diese waren ausgelegt für Betrieb mit der minderwertigen Kohle. Davon gab es anfangs genug. Sie wurde aus dem Brennstofflager bei der Zuckerfabrik Brenndorf beschafft. Ab und zu gab es sogar Steinkohle. Diese Heizungsanlagen brachten zwar keine Ersparnis an Heizmaterial, aber da der Kessel außerhalb installiert war, konnte alles darin verbrannt werden, ohne die Wohnung zu verunreinigen.

In der Endphase des Ceauşescu-Regimes war die Versorgung mit Brennstoffen äußerst schwierig. Der Verbrauch war auf Holz, Sägemehl und Kohle beschränkt. Die Zuteilung für Holz wurde vom Rathaus vergeben, was natürlich nicht für jeden reichte. Wer leer ausging, war auf die privaten „Holzbringer“ angewiesen, deren Leistungen bald nicht mehr bezahlbar wurden. Auch das Sägemehl wurde bald nicht mehr bezahlbar. Kohle gab es auch nur noch auf Zuteilung und von so elender Qualität, (mit vielen Erdklumpen), dass sie kaum verheizt werden konnte. Das Holzsägen war ebenfalls zum Problem geworden. Elektrische Sägemotoren gab es seit dem Anschluss an das Verbundnetz nicht mehr. Die Brüder Kocsis sägten Holz mit einem Traktor. Da es zum Betreiben dieses Traktors keine Zuteilung für Treibstoff gab – folglich auch keine legale Beschaffungsmöglichkeit – wurde er beschlagnahmt und abgestellt.

Unter diesen Bedingungen ist es nicht verwunderlich, dass alles Erreichbare verheizt wurde. Bäume wurden verstümmelt, wenn nicht ganz umgelegt usw. Die strengen Winter hatten damals die Heldsdörfer an den Rand der Verzweiflung gebracht, dazu kamen noch die Stromunterbrechungen.
Abschließend einige Bemerkungen zu alternativen Energiequellen und Kernenergie:
In vielen Höfen sah man schwarzgestrichene 200 Liter Fässer auf Gestellen montiert, in denen Wasser von der Sonne aufgewärmt wurde. Bei normaler Sonnenstrahlung wurde das Wasser darin so heiß, dass zum Duschen kaltes Wasser beigemischt werden musste.

Der erfinderische Handwerker Julius Pál aus Neudorf/Satu Nou baute Windräder mit denen er eine ebenfalls von ihm gebaute Kolbenwasserpumpe (niedere Umdrehungen) antrieb und Wasser in einen hochgelegenen Behälter pumpte, von wo es jederzeit zum Verbrauch bereit stand. Eine stattliche Anzahl davon hat er in die Dobrudscha geliefert.

Eine wichtige Energie ist die Kernenergie. Dieses ist ein nationales Problem und steht in keinem Verhältnis zu Heldsdorf. Das Uran wird zur Stromerzeugung verwendet (Atomkraftwerk Cernavodă). Das von auswärts gelieferte Uranerz wird in unmittelbarer Nähe von Heldsdorf im Marienburger Wald („Uzina R“) angereichert bzw. aufbereitet. Rumänien setzt weiterhin auf Kernenergie und stellt die Brennstäbe selber her.

(Schluss)

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