Die Enkel der Bauern

Projekt möchte junge Menschen zu einem Leben auf dem Land ermutigen

Mittwoch, 04. November 2015

Hermannstadt – Der Urbanisierungsgrad, also die Ausbreitung städtischer Lebensformen, liegt in Rumänien bei knapp über 50 Prozent und damit weit unter EU-Durchschnitt. Ob dies gut oder schlecht ist, das mag jeder selbst beurteilen. Im 20. Jahrhundert sind die Rumänen traditionell vom Land in die Stadt gezogen, oder wurden dazu gezwungen. In den vergangenen 25 Jahren haben Perspektivlosigkeit und die wirtschaftliche Misere dazu geführt, dass insbesondere junge Menschen ihre Zukunft nicht mehr in den Dörfern des Landes sehen. Ein gegenläufiger Trend ist lediglich bei den Rentnern zu erkennen. Ihre Beweggründe sind leicht zu erraten. Auf dem Land sind die Kosten niedriger und auf dem eigenen Grundstück lässt sich für den Eigenbedarf auch noch ein bisschen Gemüse anbauen. Ein Projekt, welches junge Menschen ermutigen soll ein Leben auf dem Land wieder in Betracht zu ziehen, haben die beiden Klausenburger Constantin und Francesca Gozman in diesem Herbst ins Leben gerufen. „Enkel der Bauern“ heißt ihre Internetplattform, die den rumänischen traditionellen Lebensstil wieder näher an die Stadtbevölkerung bringen möchte. Erfolgsgeschichten, Porträts und Interviews sollen zu einer Rückkehr ermutigen. „Wir wollen zur Förderung der rumänischen traditionellen Lebensweise beitragen und präsentieren sie als praktikable Option für junge Menschen“, so Constantin. Rund 50 Erfolgsgeschichten in den Bereichen Tourismus und Landwirtschaft haben die beiden schon gesammelt. Unterstützt wird ihre kostenlose und interaktive Plattform, die auch als Gemeinschaft für jene gedacht ist, die bereits zurückgekehrt sind, durch die Verwaltung des rumänischen Kulturfonds (Administraţia Fondului Cultural Naţional).

„Enkel der Bauern will eine Quelle der Information und Inspiration für Menschen sein, die auf der Suche nach einer Veränderung in ihrem Leben sind und in die Natur zurück möchten. Wir wenden uns insbesondere an qualifizierte Menschen, die die Fähigkeit und den Wunsch haben, sich in sozialen und kreativen Projekten zu engagieren oder sie zu begründen.“ Francesca und Constantin sind selbst nach zehn Jahren als Unternehmer und Angestellte in verschiedenen Organisationen auf das Land zurückgekehrt. In der Nähe von Klausenburg/Cluj-Napoca, in Vultureni, haben die beiden von ihren Ersparnissen 33 Hektar Wald- und Hügelland erworben. „Wir sind umgezogen, weil wir an einem ruhigen Ort, nah an der Natur leben möchten, welche uns zugleich inspiriert und fordert. Auch wollten wir in der Nähe von Klausenburg bleiben, denn diese Stadt ist uns lieb und teuer geworden und es ist der Ort, an dem die meisten unserer Freunde leben.“ Gebaut haben sie bereits zwei Häuser mit Holz aus der Maramuresch. Ab dem kommenden Frühjahr wollen sie dann selbst Obst und Gemüse für den regionalen Markt anbauen. Auch soll in naher Zukunft ein Treffen organisiert werden, dass die Gleichgesinnten noch näher zusammenbringt und sie zu einer wahren Gemeinschaft werden lässt. „Wir teilen ähnliche Interessen und oft die gleiche Motivation, so dass wir denken, dass es viele Dinge gibt, die wir gemeinsam tun können, viele Möglichkeiten, um zusammenzuarbeiten und gemeinsam Projekte zu entwickeln. Genau das soll „Enkel der Bauern“ - www.nepotdetaran.ro – ermöglichen“, so schließt Constantin Gozman.

Kommentare zu diesem Artikel

Thomas, 18.11 2015, 21:26
Der Tourist rät den Rumänen all die Fehler zu wiederholen, die wir im Westen zugelassen haben.
Micha, 05.11 2015, 17:03
....ich glaube, du bist nicht mehr ganz auf dem stand neuester Information.... ich sehe da ganz andere Sachen.. Klar wird noch mit der Hand gearbeitet, was in der Landwirtschaft normal ist, aber hier im Sueden ruesten die "JUNGEN" auf... und: die haben nichts mehr mit dem kommunismus zu tun.... Positiv denken und positiv handeln !!!
Tourist, 05.11 2015, 11:47
die Kommunisten haben in Rumänien die dörflichen Strukturen erfolgreich kaputt gemacht und der Landwirtschaft 50 Jahre Entwicklung und Modernisierung vorenthalten. Die Kleinbauern haben keinen eigenen Traktor, keine Melkmaschine, keinen Silo, es gibt keine Molkereigenossenschaften, kein genossenschaftliches Lagerhaus, keine richtige Bauernkammer, Bauernkranken- und Pensionskasse etc. All diese Dinge gibt es hingegen im Westen, egal ob Deutschland, Spanien, Italien, oder Dänemark. Dort haben oft kleine Familienbetriebe einen Fuhrpark an Landmaschinen, Stallungen und andere Gebäude, die eine halbe Million Euro wert sind und mehr. Dort fährt der Bauer morgens mit seinem Sohn raus aufs Feld und hat bis Mittag 10 Hektar bearbeitet. In Rumänien geht der Bauer den Kukuruz mit fünf Tagelöhnern aus dem Dorf mit der Hand ernten und hat bis abends einen halben Hektar geschaft. Dabei wäre das Land so fruchtbar und für die Landwirtschaft viel Potential vorhanden. Jede Initiative ist deshalb zu begrüßen.

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