Die Erkundung des europäischen Gemeinschaftsgeistes

taz-Leser reisten die Donau hinunter von Kroatien bis ins Banat

Freitag, 11. September 2015

Zu Besuch bei Radio Temeswar: Die taz-Reisegruppe unter der Leitung von Korrespondent Erich Rathfelder sprach fast zwei Stunden lang mit der deutschen Redaktion bei Radio Temeswar über Rundfunksendungen für die deutsche Minderheit in Osteuropa.
Foto: Robert Tari

Die taz ist nicht nur eine überregionale deutsche Tageszeitung mit einer Auflage von mehr als 53.000 Exemplaren, sie veranstaltet auch Urlaubsreisen. Ihre Angebote richten sich an Leser und Nicht-Leser der Zeitung, die nicht nur schöne Landschaften, Architektur und Kultur kennenlernen möchten, sondern auch an der aktuellen Dynamik fremder Länder interessiert sind. „taz.Reisen in die Zivilgesellschaft“, nennt sich das Projekt. Die Reisegruppen sind meistens nicht größer als 16 Personen.

Eine dieser Reisegruppen besuchte Anfang September Rumänien, wobei Schwerpunkt der Reise nicht das Land an sich, sondern das Banat als Region war. Spannend für die Besucher war eben das interethnische Zusammenleben, das über Jahrhunderte andauert, sowie die Veränderung, die in dieser Zusammensetzung erfolgt ist. Reiseleiter war der taz-Korrespondent Erich Rathfelder.

Die Grundidee der taz-Reisen hat sich bewährt: Korrespondenten organisieren vor Ort Begegnungen mit Vertretern lokaler NGOs, Journalisten oder Aktivisten. Als Experten in den jeweiligen Regionen können die Korrespondenten ihr Wissen weitergeben und ihre Kontakte nutzen. Die taz bietet Reisen an, die rund um die Welt führen: in den Iran, bis vor Kurzem nach Syrien, in den  Nahen Osten, Israel, Brasilien, Südafrika, Vietnam. Überall dort wo die Tageszeitung Korrespondenten hat.

Rathfelder ist besonders für die ex-jugoslawischen Länder zuständig. Als Kriegskorrespondent berichtete er über den Jugoslawienkrieg in den 1990er Jahren. „Der Krieg in Jugoslawien war meiner Ansicht nach völlig überflüssig“, sagt Rathfelder. „Aber offensichtlich nicht für den serbischen Nationalismus, der mit dem Projekt Großserbien und dem Projekt von ethnischer Säuberung und Gewalt gegenüber Minderheiten dann auch genau etwas vertreten hat, was dem Geist der gesamten Region widerspricht.“

Heute stehen Länder wie Serbien und Rumänien selten in den Schlagzeilen. Rumänien stand besonders während der Wende im Zentrum der Medienberichterstattung in Deutschland. Seitdem sei es relativ still geworden, so Rathfelder. „Weil es nicht große Konflikte gibt, über die man berichten könnte“, so der Journalist. Für Rathfelder und seine Gruppe war es überraschend zu erfahren, dass es in Temeswar eine geringe Arbeitslosenquote gibt, während es in Teilen des serbischen Banats anders ausschaut.

Banat als kleines Europa

Zagreb, Vukovar, Novi Sad, Temeswar/Timişoara und Belgrad waren die Stationen der Reise. Über die deutsche Minderheit aus dem ehemaligen Habsburger Reich erfuhr die Gruppe schon vorab. Kontaktperson in Temeswar war der Chefredakteur der Banater Zeitung, Werner Kremm. Er führte die Gruppe durch die Innenstadt und erzählte ihnen vom Schicksal der Rumäniendeutschen aber auch der Rumänen vor und nach der Wende.

In Temeswar besuchte die Gruppe auch die deutsche Redaktion bei Radio Temeswar.
Redaktionsleiterin Astrid Weisz und ihr Kollege Adi Ardelean informierten die deutschen Besucher über Pressefreiheit in Rumänien, über die Probleme und Vorteile einer Minderheitenredaktion sowie über die aktuellen Schwierigkeiten der Redaktion. „Ich denke, dass die Konzentration auf Radioberichterstattung über die Minderheit interessant und normal ist“, so Rathfelder. „Ich würde mir wünschen, dass auch ein Geist von Kontroversität und lebendiger Diskussion ein bisschen stärker entwickelt wird.“ 

Vom 30. August bis zum 6. September reiste die Gruppe durch Osteuropa. Die Reise führte sie in die Ebene der Sava (dt. auch Save) und Donau. Das interkulturelle Miteinander der Ungarn, Deutschen, Tschechen, Rumänen, Slowaken und Ukrainer, Italiener, Roma, Ruthenen, Juden und Angehörigen anderer kultureller Gruppen lockte die taz-Leser in diesen Teil Europas. Ein harmonisches Miteinander, das verfolgt auch die Europäische Union. Ein geeintes Europa möchte man erreichen, was aufgrund aufkommender nationalistischer politischer Tendenzen schwierig ist. Es ist aber machbar. Das beweist die Geschichte des Banats. Eine, die auch die Reisegruppe erforschen durfte.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 11.09 2015, 17:15
die taz ist vor allem das Sprachrohr für alle westdeutschen Marxisten-Trotzkisten links von der SPD. Die sollten sich lieber einmal die Frage stellen, warum diese Länder hier im Osten so heruntergewirtschaftet waren, bevor die Kapitalisten von der EU dutzende Milliarden reingesteckt hab, sodass es heute zumindest wieder halbwegs ansehlich ist. Hat das vielleicht doch etwas mit der Ideologie ihrer Genossen zu tun, die 40 Jahre diesen Teil Europas regiert haben? Das Zuwanderungsproblem haben die Realsozialisten damals jedenfalls nicht gehabt, eher ein Auswanderungsproblem! Keiner wollte hin, alle wollten weg.

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